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Ein interessanter Effekt der Corona-Isolation ist ja auch, dass viele Leute ihre musikalische Ader entdecken oder sie einfach ungenierter rauslassen. Mein Hauptquell von Unterhaltung und menschlichem Kontakt war in den vergangenen zwei Monaten der Innenhof. Hier gab es viel Laute Musik aus der Konserve, aber auch Klavierspiel, dilettantische Flötenübugen, wiederholtes Dauersingen von „I will always love you“ und nicht zuletzt Kinder, die im Hof inbrünstig „Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne“ zum Besten geben.

Bei euch nicht?

Höhepunkt war die Party auf dem Nachbarbalkon gestern, wo bevorzugt Onkelz, Torfrock und Santiano aus den Lautsprechern kam, mitgegrölt wurde aber vor allem zu Schlagern aus den 70ern und 80ern. Geht das als Symptom durch? Verlust des Musikgeschmacks, analog zum Verlust des Geruchsinns?

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Zwischenerkenntnisse der Corona-Selbstisolation:

  • Da „Aus dem Fenster gucken“ zu einer meiner Lieblingsbeschäftigung geworden ist, durfte ich feststellen, dass in meiner kleinen Nebenstraße ordentlich Betrieb herrscht. Ob dies der aktuellen Situation geschuldet ist oder ob zum Beispiel auch schon zuvor so viele Autos die Einbahnstraße in die falsche Richtung befuhren, kann ich aufgrund mangelnder Vergleichsuntersuchungen nicht sagen.
  • Die Nachbarschaft ist sexuell enthemmt.
  • Meine Aufmerksamkeitsspanne reicht nicht aus, um beim Händewaschen bis 30 zu zählen. Eine grobe Schätzung muss reichen.
  • Die Nachbarschaft ist sportlich enthemmt.
  • Ich habe noch kein neues Instrument gelernt.
  • Die Nachbarschaft ist telefonisch enthemmt.
  • Für sich einkaufen lassen ist bequem, aber wenn man – wie üblich – was vergessen hat auf die Einkaufsliste zu schreiben, traut man sich nicht, die helfende Person nochmal loszujagen, so wie man sich selbst nochmal losgejagt hätte.
  • Die Nachbarschaft ist alkoholisch enthemmt.
  • Meine nächtlichen Spaziergänge haben enthüllt, dass der Rebellionsgeist der gegenwärtigen Jugend sich darin entfaltet, dass sie sich nachts zu dritt an eine Straßenecke stellen und übers Smartphone Musik hören.

Und so weiter.

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Der freundliche medizinische Hilfsmensch attestierte mir heute morgen beim Blutabnehmen etwas schwärmerisch eine „traumhafte Vene“. Man muss in diesen Zeiten die Komplimente nehmen wie sie kommen.

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Mutter erzählte heute, dass ihr als Kind immer gesagt wurde: „Iss nich so viel Senf, Senf macht dumm!“

So viel zum Thema, dass das traditionelle Wissen der älteren Generationen viel Weisheit enthält und auf gar keinen Fall verloren gehen darf.

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Meine aktuellen Zahnarztstudenten waren wieder mal begeistert von der schönen Form meiner Zähne. Man war voll des Lobes und konnte sich gar nicht sattsehen. „Guck mal hier, selbst der kleine Höcker auf Zahn Nummer soundso ist noch vollständig da. Da ist noch überhaupt nichts abgenutzt! Wie im Lehrbuch!“

Dazu passte dann aber auch, was meine Hausärztin mir anriet: „Sie dürfen beim Essen nicht so schlingen! Sie müssen mehr kauen!“

Man kann es halt nicht allen recht machen.

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Willkommen zum alljährlichen Termos-Taten-Silvesterorakel. Aber ich muss zugeben: Das Orakel ist träge. Es war ein langes und anstrengendes Jahr und ich bin in den letzten Stunden desselben nicht in der Verfassung, mit schwerem Blei zu hantieren. Ohne Orakelsprüche kann ich euch, meine lieben Leserinnen und Leser und Lieblingsmenschen, ja aber auch nicht in das Jahr 2020 entlassen. Also überlegte ich. Erneut kam mir in den Sinn, meine – mittlerweile fertiggestellte und ganz bestimmt von meiner hellsichtigen Kraft erfüllten – Doktorarbeit als Quelle für die Vorhersagung heranzuziehen.

Aber das wäre zu monothematisch, das kann ich euch nicht zumuten. Aber dabei kam mirjedoch ein anderer Gedanke. Ich habe zwangsläufig beim Erstellen dieses Machwerks sehr viel mit Büchern arbeiten müssen. Und so wurde mir klar, dass meine in den letzten Jahrzehnten entstandene Privatbibliothek natürlich auf Grundlage meiner mystischen Verbindung mit dem Kosmos kreiert wurde. Diese Bücher symbolisieren Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit und Paralleldimensionen und alternative Realitäten. Alles.

Also kriegt jeder von euch einen Buchtitel als Weissagungsspruch für das kommende Jahr. Die inhaltliche Bandbreite dieser Bücher ist groß. In der Sammlung sind zahlreiche Lach-, Sach-, Hach- und Fachbücher, schöne Literatur, nicht so schöne Literatur, Romane und Gedichte, Regelbücher und Spielmaterial in Buchform, Wissen der Feinde und Geheimnisse der Freude, Comics, Bilderbücher, Anleitungen, Kochbücher, Klassiker, Pulp, Quatsch und auch gewöhnlicher Ramsch. Eigentlich alles. Aber auch der Moment ist wichtig für dieses Orakel. Auch Bücher, die sich zwar nicht juristisch in meinem Besitz befinden, aber dennoch ihren Weg zu mir fanden und gerade in meiner Nähe weilen, flossen in die orakelige Büchersuppe ein, aus der ich löffelte. Der Kosmos ließ mich für euch schließlich in Trance und Kontemplation genau das Richtige für jeden aus dieser Gemengelage herauspicken.

Ihr wisst alle sicher am besten, was der Buchtitel (oder gelegentlich bestimmt auch das ganze Buch) für euch bedeutet. Vielleicht sofort, vielleicht im Laufe des Jahres. Des Spaßes wegen habe ich mir aber erlaubt, dem euch gewidmeten Buchtitel eine mehr oder weniger ausführliche Interpretationshilfe beizufügen. Aber mit Haftungsausschluss und ohne Gewähr.

Silvester-Orakel 2019

Nun denn: Ein gutes 2020 euch allen und allen anderen auch.

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Ich dachte mir, das alte Stück hier kann ich auch mal öffentlich machen hier. Die ursprügliche Fassung ist erschienen in dem Buch „Öllern“ (Wachholtz 2012).

Kien Kinnerstuuv

Dat wat en reinen Slumpslag, dat ik ut dat Eik kropen kweem. Dat harr ok allens heel anners lopen kunnt. So nau verklaren kann ik neet, hum ik daar Dank för seggen sull. Mag wesen, dat Helios de Dag en bietje wat dichter bi mien lüttje Nüst vörbi flegen was un neischiererg daar en Settje wielde. Man dat mag ok nettso wesen, dat de Kabauters deep binnen de Eer togang wassen un de Barg, waar dat Ei up legen dee, Füür un Ask speien leten. Liekvööl – Warmte umfaatde dat Ei un wook dat up, wat d’r binnen satt. Un dat was ik.

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Als eine Strategie, die Motivation der Studierenden langfristig auf einem hohen Niveau zu halten, wird immer wieder eine Gamification des Studiums diskutiert. Das trägt nun erste Früchte, wie ich gestern erleben durfte. Ich hörte einen Studenten über eine VWL-Klausur berichten, die was für Noobs sei. Man brauche keinen Skill und es würden sowieso alle cheaten. Die Makro-Klausur sei dagegen vollkommen IMBA.

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Man merkt, dass es mit großen Schritten aufs jüngste Gericht zugeht, wenn ein sportlicher Wettkampf zwischen den „Wilhelmshavener Buccaneers“ und den „Westersteder Wölfen“ als Ostfriesland-Derby bezeichnet werden muss.

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Die Geschichten aus der Universitätsbibliothek sind immer die besten. Neulich im Foyer umlagerte eine Gruppe junger Frauen einen etwas wunderlich aussehenden Kerl. So vom Typ Künstlerhipster, aber nicht wirklich viel älter als die Damen. Er berichtete, mit einem undefinierbaren Akzent, von all den Dingen, die er in seinem Leben schon gemacht hat. Natürlich Backpacking in aller Welt, freier Straßenkünstler, selbständig war er auch schon mal und sowat alles. Auch als Stripper und Escort-Mann habe er schon gearbeitet. Nicht weil er gemusst hätte, wie er der ihn mit großen Augen anstarrenden Zuhörerschaft versuchert. Nein, weil er gewollt habe. Weil er was neues habe ausprobieren wollen.

Schließlich fragt ihn eine der Frauen: „Was studierst du eigentlich?“ Er antwortet: „Ich studiere nicht.“ Eine der Frauen wird nun etwas skeptisch und fragt stirnrunzelnd, warum er denn dann in der UB rumhänge. Er ist sehr ehrlich und sagt: „Hier lerne ich am einfachsten Frauen kennen.“

Die Skeptische öffnet den Mund, doch bevor sie etwas entgegnen kann, ruft eine der übrigen Frauen begeistert: „Das ist voll klug!“

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Ich bin doch peinlich berührt, dass mein alter Sportverein aus der Heimat auf seiner Internetseite nicht nur die offizielle Vereinshymne präsentiert, sondern auch noch stolz eine „inoffizielle“ Vereinshymne als Dreingabe dazu stellt. Dort heißt es in den ersten Zeilen: „Wir sind die Stikelkamper, ständig im Suff / wir gehen drei mal täglich in den Puff…“ (Quelle: SVS)

Ich bin doch so ein Fremdschämer!

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Termo wartet früh am Sonnabendmorgen neben einem Tennisplatz auf seine Mitfahrgelegenheit. Nebenan ist ein Pärchen schon um diese Zeit am Tennisstunden schieben.

Ballwechsel. Sagt sie: „5:1!“

Sagt er: „Genau wie letzte Nacht! Höhöhö…“

Sagt der Trainer/Schiri: „Das will niemand hören! Punktabzug.“

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Hat son bisschen was von diesem Murmeltierfilm hier. Immer, wenn dieser uralte Kerl im Lesesaal der UB sitzt, klingelt irgendwann unglaublich laut sein Mobiltelefon. Und dann braucht er ein paar Minuten, um zunächst zu bemerken, dass es klingelt und um es schließlich auszubekommen.

Neulich dachte ich erst, das Klingeln gehöre zu dem Hörspiel, dass ich nebenbei hörte. Aber als Justus Jonas im Hörspiel schon abgenommen hatte, klingelte es immer noch weiter. Und nun hat der gute Mann sich me Reihe vor mich gesetzt. Ich glaube, ich organisiere mir irgendwo ne Kuhglocke und erschreck den mal genau so, wie er mich immer schreckt. So als Erziehungsmaßnahme.

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Wenn ich meinen Bruder in Berlin für ein paar Tage besuche, dann lunger ich auch einfach mal ganz gerne in seinem Kiez ein bisschen auf der Straße herum. Und zwar nur, um ein bisschen zu lauschen, was da für ein gequatscht wird. Das ist immer ganz köstlich. Man nennt es auch die F-Hine-Experience. Am besten fand ich bei der letzten Runde die beiden Kerle, die gestikulierend in ein ernsthaftes Gespräch vertieft waren, von dem ich nur aufschnappte: „Glaubst du WIRKLICH, dass man den Begriff ‚bergauf‘ verwenden darf, obwohl es hier gar keine Berge gibt?“

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Nachts in einer zwielichtigen Kneipe in Kiel. An der Theke sitzt ein Handball-Nationalspieler und unterhält sich mit Freunden. Neben ihm steht eine junge Frau, die immer wieder aufgeregt zu ihm rüber schaut. Schließlich sagt sie zu ihrer Freundin: „Wir sind doch auf Instagram befreundet! Warum sagt er denn nicht Hallo?“

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Offenbar sind nicht alle Leute so glücklich mit dem Neubau für die Juristische Fakultät, wie an diesem Plakat an der Baustelle zu lesen ist. Die Stilebene der Wortmeldung lässt eindeutig auf Angehörige der Universität schließen, nur dort drückt man sich so gewählt aus.

Institut für Hurensöhne