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Man braucht ja immer was, um sich von anderen abzugrenzen. An der Uni ist man dem Druck, diese Abgrenzung immer darzustellen, ganz besonders ausgesetzt. Man muss nicht nur unmissverständlich zur Schau stellen, dass man nichts dem gemeinen Plebs von der Straße zu tun hat. Es ist sogar noch wichtiger, fortwährend alle wissen zu lassen, dass man auch innerhalb der Uni bzw. der akademischen Welt zur Elite gehört. Jedes Fach ist natürlich das einzig Wahre. Nur die Mediziner halten sich da raus, die haben da keine Zeit zu.

Je geringer die Aussichten auf ein fürstliches Salär im späteren Berufsleben sind bzw. je größer die soziale Isolation und Mobberei vor der Aufnahme des Studiums waren, umso höher ist die Chance, auf ganz wunderliche Stilblüten dieser Abgrenzung zu stoßen.

Heute zum Beispiel der junge Kerl in der Uni-Cafeteria. Einer meiner Favoriten der letzten zehn Jahre. Statt „einen Moment bitte“ oder „eine Sekunde bitte“ oder „sofort“ oder dergleichen sagte er immer „ein Sekundus“.

„Hast du was zum Schreiben?“ – „Ja, ein Sekundus bitte. Hier hast du was.“
„Willst du noch einen Kaffee?“ – „Ein Sekundus, ich muss noch austrinken.“
„Wir gehen schon mal rüber, was ist mit dir?“ – „Wenn ihr ein Sekundus wartet, dann komme ich gleich mit.“

Ich hätte noch stundenlang zuhören können.

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Es mag an mir liegen, oder aber an der finsteren Zeit, in der wir leben,  aber dieses Ensemble auf dem Campus der Universität – unweit der Hauptbibliothek – sieht aus wie das Familiengrab einer Mathematiker- oder Informatiker-Dynastie.

 

Informatikerfamiliengrab

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Es ist mal wieder Prüfungszeit. Das treibt ja immer wieder ganz besondere Blüten, aber da könnte ich hier Seiten drüber schreiben. Das verschiebe ich auf ein andermal. Und ich muss das ja seit geraumer Zeit auch von der anderen Seite des Schreibtischs aus erleben, das ist zumindest ein wenig weniger stressig.

Ich wollte eigentlich nur auf eine kleine Begebenheit hinaus, die mir beim mittagspäuslichen Herumlungern in der Sonne hinter den Seminargebäuden unterkam. Einige Studentinnen und Studenten auf dem Rumlungerplatz nebenan diskutierten nämlich rege über eine versemmelte Prüfung.

Ein Mädel analysierte schließlich eiskalt, aber nur eingeschränkt selbstkritisch: „Vielleicht war ich zu schlau.“ Das ist leider gar nicht mal so unwahrscheinlich.

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In der Uni weht in letzter Zeit ein anderer Wind. Ich höre aus den Reihen der maskulinen Minderheit vermehrt laut gegröhlte Sprüche vom Kaliber: „Meine Olle kann französisch, nur mit der Sprache hapert es noch!“ Ob das daran liegt, dass sie hier gerade eine Romanistik aufbauen?

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Als guter Dozent, der ich nun mal bin, verlegte ich heute anlässlich der durchaus warmen Wetterlage meinen Kurs nach draußen. Insbesondere der weibliche Teil der Teilnehmerschaft zeigte sich begeistert davon, „gleichzeitig braun werden und an einer Uni-Veranstaltung“ teilnehmen zu können.

Wie wird einem aber solch ein Einsatz vom Schicksal schließlich gedankt? Mitten beim inbrünstigen Dozieren schiss mir ein Vogel auf den Kopf. Ich konnte meine Autorität und die Situation nur dadurch retten, dass ich für nächste Woche einen Vokabeltest ankündigte.

Hoffentlich regnet und stürmt es dann.

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Aufmerksame Mitarbeiter haben die Türklinke in der UB, an der ich immer einen elektrischen Schlag bekommen habe, mit Isolierband umwickelt. Sehr löblich. Wenn sie jetzt noch Bluthunde anschaffen, die störende Gründlandbearbeiter vor den Fenstern vertreiben, dann bin ich fast wieder milde gestimmt.

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Ich erinnere mich wieder, warum ich während meines regulären Studiums so wenig Zeit wie möglich in der zentralen Abteilung der Kieler Universitätsbibliothek verbracht habe: An jeder Türklinke kriege ich nämlich einen elektrischen Schlag. Wie damals im Bundestag.

Außerdem kräht hier immer irgendwo ein Hahn…

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Mir sagte mal wer: „Ob jemand seinen Universitätsabschluss tatsächlich verdient hat, erkennt man daran, ob er es problemlos schafft, sich eigenständig zu exmatrikulieren.“

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Wenn ich auf der Arbeit mal zu einer ganz bestimmten Uhrzeit meine Ruhe haben möchte, lege ich auf diese Zeit meine Sprechstunde. Dann kommt nämlich garantiert niemand. Die kommen vorher oder hinterher oder rufen am Wochenende an, aber in der Sprechstunde kommen se nicht.

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Aus unserer Reihe „Gesammelte Weisheiten von Universitätspersonal“:

„Ich glaube, ich habe ein anderes Internet als die anderen. Bei mir sind nämlich nie irgendwelche Pornos.“

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Wenn die hiesigen (Musik-)Studenten bei gutem Wetter eine Freistunde haben, dann ist es ihnen nicht selten reichlichst egal, dass ihre Kollegen dieses Glück vielleicht nicht ihr Eigen nennen können oder es gar arbeitendes Personal in den heiligen Hallen der Universität gibt. Man platziert sich daher gerne genüsslich auf der Grünfläche hinter dem Unigebäude und beginnt laut zu musizieren und zu singen.

Dem Hausmeister ist es gleichsam wurscht, ob irgendjemand studieren oder Arbeiten muss. Wenn gemäht werden muss, dann muss gemäht werden. Und zu diesem Zweck besitzt er einen über die Maßen lauten Aufsitzmäher, den er auch mit beachtlicher Inbrunst über das Grün zu lenken weiß.

Aber ich kann mich dem Eindruck nicht entziehen, dass der Rasenmähermann diese Mähorgien bevorzugt dann veranstaltet, wenn sich wieder musizierende Grüppchen auf seinem Rasen tummeln. Diese müssen dann wohl oder übel ihre Aktivität einstellen und das Feld räumen. Ich frage mich, ob die irgendwann zurückschlagen und größere Geschütze als schrammelige Gitarren und verschlissene Bongos auffahren. Dann könnte das glatt noch interessant werden.

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Früher wurden solche Gesuche am schwarzen Brett noch mit mildem Wohlwollen quittiert. Aber in Zeiten, wo ein kalter Wind durch den örtlichen Wohnungsmarkt fegt, herrscht bei den zukünftigen Kommilitonen nur noch herablassende Abneigung.
Unfassbar - Das wollen wir alle

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An manchen unzugänglichen Stellen dieser Universität finden sich erstaunliche Relikte aus der Vergangenheit, wie zum Beispiel die (achtung pc) Schaumküsse damals. Ein anderes faszinierendes historisches Zeugnis ist dieses Partyplakat aus dem vergangenen Jahrtausend, noch stilecht mit Deutschmark und alter Rechtschreibung. Hauke bemerkte sehr treffend: „In drei Jahren kommen hier die Leute auf die Universität, die bei dieser Party gezeugt wurden.“

CAU Kiel Ur- und Frühgeschichte