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In Frankfurt haben sie das Uni-Hochhaus gesprengt. Warum können wir das in Kiel nicht auch machen? Unser Hochhaus ist auch keine Schönheit. Immer sind die anderen uns voraus.

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Ich arbeite nun seit Monaten an meiner Masterarbeit. Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt ganz zum Schluss, nämlich bei der Einleitung (die schreibe ich immer zuletzt), eine Schreibblockade bekomme. Mir ist, als hätte ich alles, was zu schreiben ist, schon geschrieben. Außer: „Moin, dies ist meine Masterarbeit. Viel Spaß damit, ich bin dann mal weg.“

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Mittlerweile habe ich sogar schon Alpträume von den Verben, über die ich meine Abschlussarbeit schreibe. Ich träumte, dass sich die zweite Person Singular über Nacht verändert hat und ich nun die ganze Masterarbeit nochmal umschreiben muss.

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Aus den älteren friesischen Texten lernt man immer wieder so schöne Weisheiten. Zum Beispiel „Ist der Branntwein im Manne, ist der Verstand in der Kanne“ oder „Ein junges Mädchen muss nicht mehr Zeit für sich selber haben als ein Küken zum Körnerpicken“. Das solche Sprichwörter verschwunden sind, ist unverständlich.

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Gesellschaftliche Konventionen auf einer wissenschaftlichen Tagung:

Wenn ein uralter Professor einen noch älteren Silberrücken freundschaftlich begrüßt, klingt das zum Beispiel so: „Moin Herbert, alter Hagiograph!“

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Vor dem Fenster meines Büros in der Universität errichten einige Bauarbeiter lautstark ein Gerüst. Sagt der eine zum anderen: „Wir brauchen auch nicht leise sein, die arbeiten hier sowieso nicht.“

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Vor vier Monaten erstmals angefordert, vor vier Wochen schließlich zugesagt, bis zum heutigen Tag noch nicht aufgetaucht: der neue Drucker für mein Büro. Aber was beklage ich mich? Ein gutes Bier braucht schließlich auch sieben Minuten.

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Eigentlich hätte ich heute vertretungsweise Klausuraufsicht machen sollen, aber der Professor hat nun leider doch selber Zeit. Schade. Der Kurs kennt mich nämlich schon. Immer wenn ich da auftauche, bedeutet das für die Unheil.

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Ich habe heute unbeabsichtigt die jahrelange Erziehung eines Kindes bzw. dessen Respekt vor seiner Mutter zunichte gemacht. Das kam so.

Eine Studentin in meinem Seminar heute morgen hatte ihre kleine kränkelnde Tochter dabei, die sie nicht alleine zuhause lassen konnte. Das war auch kein Problem, die Lütte saß in stiller Beschäftigung ohne zu stören dabei. Dann allerdings ließ ich unüberlegt ihre Mutter ein Gedicht vorlesen, und zwar von Albrecht Johannsen dem Jüngeren das Werk „Kike än Kake“. In dem Stück werden ein wenig die friesischen Gewohnheiten der Namenstradition auf die Schippe genommen. Dabei werden die beiden titelgebenden Namen, nämlich „Kike“ und „Kake“, wortspielerisch und zu nicht zu knapp in dem Text eingesetzt.

Dazu muss nun allerdings erläutert werden, dass in der nordfriesischen Rechtschreibung ein einfach geschriebener für einen kurzgesprochenen Vokal steht. Die Namen werden also „Kicke“ und „Kacke“ ausgesprochen.

Während die Mutter, ernstzubleiben bemüht, den Text vortrug, horchte die Tochter nun auf. Und jedes mal, wenn der Name „Kake“ fiel, wurde Tochterns Blick entsetzter. Das Ganze gipfelte schließlich in einem vorwurfvoll hereingerufenen „Mama!“, beantwortet durch ein entschuldigendes „Tut mir leid, Schatz, das steht hier so. Ich muss das sagen.“

Tochter wirkte wenig überzeugt. Mich interessiert nun ehrlich gesagt, wie die Lütte heute immer wieder Fehlverhalten und Danebenbenehmen mit einem „Du hast heute Morgen auch die ganze Zeit ‚Kacke‘ gesagt“ entschuldigt…

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Schon seit geraumer Zeit ist es mir von verschiedenen Kollegen prophezeit worden: Wenn ich nur erst überarbeitet genug sein würde, dann würde ich auch einen Kopierertraum bekommen. Das ist ein Traum, in dem man dringend etwas kopieren muss, das aber aus welchen Gründen auch immer nicht auf die Reihe bekommt. Und ja, vergangene Nacht hatte ich meinen Kopierertraum.

Und zwar musste ich im Traum – wie auch in echt – heute früh vor meinem Seminar noch ganz dringend ein paar Zettel für meine Studenten vervielfältigen. Die Uni sah zwar im Traum ganz anders aus, dennoch ließ sich das alles erst einmal ganz vielversprechend an. Ich wusste wo der Kopierer stand und marschierte frohen Mutes dahin. Der Kopierer, der ein wenig ein Geldautomat aussah, wollte allerdings meine Kopierkarte nicht annehmen. Doch wie das Schicksal es so wollte, kam gerade eine Sekretärin vorbei, die mir eh noch Geld für einen Blumenstrauß abknöpfen wollte. Sie sagte, es gäbe da einen Trick, wenn der Kopierer nicht tut.

Sie zeigte mir, wie man sich am Kopierer vorbeizwängt und so landete ich in einem Raum hinter dem Kopierer. Hier stand ein weiterer Kopierer mitten im Raum, der aber mit Unmengen von Förderbändern verbunden war, die kreuz und quer durch den ganzen Raum führten und die ganze Zeit flitzten irgendwelche Zettel auf diesen Bändern hin und her. Betreut wurde die ganze Anlage von einem phlegmatischen alten graubärtigen Kerl, der einen Blaumann trug und mit einem ölverschmierten Schraubenschlüssel zugange war.

Ich, nun langsam in Zeitnot, packte meine Vorlagen auf den Kopierer, drückte auf den Knopf und ZACK! schossen die Kopien quer durch den Raum und wurden am anderen Ende der Örtlichkeit von ein paar scharfen Messern in je vier lange Streifen geschnitten. Die Fetzen halfen mir natürlich nichts und der Schraubenschlüsselmann sagte griesgrämig, ich müsse natürlich erst alles richtig einstellen. Das wollte dann die Sekretärin für mich übernehmen.

Die nächste Lage Kopien bestand allerdings nur aus der Stark vergrößerten Mitte meiner Vorlagen. Den dritten Versuch startete ich selber, das Ergebnis war aber spiegelverkehrt und damit genauso unbrauchbar. Nun bekam ich Anschiss vom Schraubenschlüsselmann, weil ich alles Papier verbraucht hatte und ich wurde immer hektischer und panischer. Die Sekretärin hatte derweil helfen wollen und mit Isolierband die zerschnittenen Kopien wieder zusammengeklebt, die dadurch allerdings unlesbar waren. In dem Moment klingelte es dann und ich musste ins Seminar.

(An dieser Stelle war der Kopierertraum vorbei, aber der Traum ging noch weiter. Ich ging also unvorbereitet ins Seminar. Die Studenten da waren aber alle komisch, denn eigentlich wollten die gar nicht das studieren, was ich in dem Seminar angeboten hatte. Sie beknieten mich, ob wir nicht lieber Reiseberichte über die Stadt Rom lesen könnten, denn von ihnen könne ja eh keiner Friesisch. Dann wurden draußen vor dem Fenster auch noch dutzende Heuhaufen von Leuten in Ritterrüstungen in Brand gesetzt und der Rauch wehte zu uns in den Raum, so dass wir nicht weiterarbeiten konnten. Ich rief meinen alten Kollegen Hilko, der sollte da mal Ordnung schaffen. Er – ebenfalls schwer gerüstet – stiefelte auch gleich hilfsbereit los, wurde aber nach wenigen Schritten von einem LARP-Pfeil getroffen. Da drehte er sich zu mir um, zuckte mit den Schultern und sagte: „Da kann ich jetzt auch nichts mehr machen.“)

Ein Kollege meinte, an dem Beklopptheitsgrad eines Kopierertraums könne man ersehen, wie dringend man Urlaub nötig hat. Nun…

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Erstsemestereinführungsveranstaltung heute früh.

Der Soziologe sprach zwanzig Minuten zu den Erstsemestern (er begann seine Ausführungen mit „Liebe neue Studentinnen und Studenten der Bildungswissenschaften, hiermit begrüße auch ich Sie ganz herzlichst im Namen des Instituts für Soziologie“), der Frisist zwei Minuten (er eröffnete mit „Moin!“).

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An der Universität kann man so viel lernen. Heute wies mich ein Barockgedicht zum Beispiel auf „die drey gefährlichen W“ hin, nämlich Weiber, Wein und Würfel. Das erinnerte auch gleich an anderen Unsinn, mit dem ich erst durch die Segnungen der Uni in Kontakt gekommen bin, und zwar Richard Wagners Rheingold: „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagala weia! Wallala weiala weia!“

Da bin ich dann immer froh wenn ich durch den Flur vor meinem Büro Studenten vorbeischlendern höre, die Geschichten zum Besten geben wie: „Ey ich habe meinen Nachbarn noch nie gehört seit ich da wohne. Aber vor zwei Wochen stand auf einmal ne Polin vor der Tür und seitdem sind die nur am Ficken ey!“