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Die wirklichen Geheimnisse des Studierens erfährt man nicht im Hörsaal, sondern im Linienbus zur Uni. Heute durfte ich Zeuge werden, wie ein angehender Jurist seinen Spießgesellen einweihte.

„Die Leute, die jetzt schon so viel üben, die haben doch später, wenn es wirklich schwierig wird, gar keine Reserven mehr. Wie wollen die das denn später schaffen, wenn die jetzt schon so viel machen und nur am Lernen sind? Da mach ich lieber jetzt weniger. Wenn man weniger lernt, dann ärgert man sich später auch nicht so sehr, wenn man durchgefallen ist. Möglichst wenig investieren und damit den höchstmöglichen Gewinn herausholen, das ist die Devise. Wenn ich wenig investiere, dann verliere ich auch nicht so viel, wenn ich durchfalle. Stell dir mal vor, dass du Jahre lang nur lernst und lernst und lernst und dann fällst du durch. Nee nee, da lerne ich lieber nicht so viel und ärgere mich am Ende nicht so sehr, wenn ich durchgefallen bin.“

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So etwas wie „Das Schwarze Brett Deluxe“, eine Art universitärer Boulevardzeitung. Vom Sportteil über die Politikberichterstattung bis hin zum Leserbrief alles dabei.

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Eine weitere Impression aus der Hochschule. Ein Mitmensch macht auf einem Plakat ohne große Worte darauf Aufmerksam, dass seiner Meinung nach gewissen Werken nicht der Status eines „Klassikers“ zusteht.

Klassiker?

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Ach, wat war das schön heut, mein „Plattdeutsch in der Schule“-Kurs. Nach Herzenslust Platt reden. Fehlt mir ein wenig, seitdem ich hier bin. Man „bezichtigte“ mich zwar der „babylonischen Sprachverwirrung“, da die anderem in dem Kurs entweder Schleswig-Holsteiner oder frisch gelernte Plattsprecher waren und ich jedes zweite Wort erklären musste, aber im großen und Ganzen funktionierte das irgendwie. Die gewöhnen sich schon noch an mich.

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Wir machen weiter mit unserer Reihe „Impressionen aus der Uni“. Heute das Werk „Verlaufen in die Allgemeine Sprachwissenschaft“.

Das Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft

Offenbar experimentieren die Linguisten mit der Pflanzensprache oder sprechen mit den Pflanzen oder was auch immer. Und wie beim letzten Bild haben wir auch hier eine versteckte kleine Botschaft.

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Ach, ich hatte irgendwie schon ganz verdrängt, wie das so ist mit den Studenten (pardon, Studierenden):

„Also, mir hat das alles nicht so zugesagt, was da dieses Semester im Vorlesungsverzeichnis steht. Ich suche eigentlich ein Seminar, das interessant ist, aber möglichst geringen Aufwand erfordert.

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Ich fand es heute bei der Begrüßungsveranstaltung amüsant, dass man die Spektabilitäten bereits ihren Fakultäten zuordnen konnte, bevor sie vorgestellt wurden. Der Dekan der Theologischen Fakultät sah aus wie ein Pastor, jener der Rechtswissenschaftlichen Fakultät wie ein Richter, der wirtschaftswissenschaftliche Dekan sah aus wie ein Manager und der Dekan der Philosophischen Fakultät wie ein Freigeist.

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Ach ja, nicht zu vergessen: der rüde Umgangston, der in den hiesigen Apotheken vorherrscht.

Ich drücke der Dame mein Rezept in die Hand. Sie wirft einen Blick darauf und sagt: „Oh, aus Niedersachsen. Da muss ich erstmal sehen, ob ich Ihre Kasse im Rechner habe.“

Theatralisch, wie ich nun einmal bin, sage ich darauf in bedeutungsschwangerem Tonfall: „Ja ja. Ich komme von weit weit her.“

Sie hält in ihrer Arbeit inne, guckt mich prüfend an und sagt zu mir: „Reden Sie keinen Unsinn.“

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Der Vortrag, den ich gerade besucht habe, hat mich massiv an meine Uni-Zeit erinnert: Obwohl der Beginn fast überall (Zeitung, Hauptprogramm etc.) für 19 Uhr ausgewiesen war, stand wohl in der hintersten Ecke des offiziellen Programms 19.30 Uhr. Deswegen waren wir zu früh und mussten warten.

Der hypermoderne Dia-Projektor fraß Dias, der Projektorständer wackelte, der Laserpointer fiel aus, der Veranstalter war verwirrt, der Dozent genervt. Aber ansonsten hat es mir gefallen.

Ach ja: Genau wie in der Uni waren natürlich auch die obligatorischen klugscheißenden älteren Herren im Publikum. Aber man gewöhnt sich dran.

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Sei es nun eine Uni, eine Fachhochschule oder eine Fern-Universität, auf eines kann man sich im deutschen Hochschulwesen verlassen: Dass man sich auf nichts verlassen kann.

Meine (zur Zeit zugegebenermaßen kaum vorhandene) Studienform hat es nun einmal an sich, dass ich nicht viel mit irgendwelchen Uni-Bediensteten zu tun hat. Und wenn es denn dann doch mal sein muss, dann frage ich aus der leidvollen Erfahrung heraus zur Sicherheit vorher einmal telefonisch nach, ob denn auch jemand da ist.

Und trotzdem stand ich dann gestern vor verrammelten Türen. Naja.

Mein Bruder ist mit seinem Holzfuß wieder zuhause. Der langweilt sich jetzt schon. Ich muss irgendeine vernünftige Beschäftigung für den finden. Schnitzen oder so.