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Annerlest sää een: „Football ka’st ok neet mehr kieken.“ Sää de anner: „Wees neet bang, Jesus hett ok kien Football keken.“

Wat’n Argument. Sall ik mi man marken.

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2021 wird besser? Bisher keine Anzeichen dafür. Aus dem Johanniter-Krankenwagen schallt laut „Another One Bites the Dust“.

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Die Jugend wird auch immer verrohter. Kommen mir gerade auf der Straße zwei junge Mädchen entgegen, vielleicht 9 oder 10 Jahre alt. Sagt die eine: „Komm, was ist das? Dativ oder Akkativ?“ Die andere Antwortet etwas weinerlich: „Ich weiß nicht. Ich kann das nicht so gut mit Sprache. “ Wird die andere wütend und ruft: „Ich hau dich gleich! Das ist Akkusativ!“

Das sind Methoden heutzutage. Bestimmt „Peer Learning“ oder sowas. Für den einen oder anderen war das Home Schooling vielleicht doch ganz angenehm.

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Ein interessanter Effekt der Corona-Isolation ist ja auch, dass viele Leute ihre musikalische Ader entdecken oder sie einfach ungenierter rauslassen. Mein Hauptquell von Unterhaltung und menschlichem Kontakt war in den vergangenen zwei Monaten der Innenhof. Hier gab es viel Laute Musik aus der Konserve, aber auch Klavierspiel, dilettantische Flötenübugen, wiederholtes Dauersingen von „I will always love you“ und nicht zuletzt Kinder, die im Hof inbrünstig „Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne“ zum Besten geben.

Bei euch nicht?

Höhepunkt war die Party auf dem Nachbarbalkon gestern, wo bevorzugt Onkelz, Torfrock und Santiano aus den Lautsprechern kam, mitgegrölt wurde aber vor allem zu Schlagern aus den 70ern und 80ern. Geht das als Symptom durch? Verlust des Musikgeschmacks, analog zum Verlust des Geruchsinns?

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Zwischenerkenntnisse der Corona-Selbstisolation:

  • Da „Aus dem Fenster gucken“ zu einer meiner Lieblingsbeschäftigung geworden ist, durfte ich feststellen, dass in meiner kleinen Nebenstraße ordentlich Betrieb herrscht. Ob dies der aktuellen Situation geschuldet ist oder ob zum Beispiel auch schon zuvor so viele Autos die Einbahnstraße in die falsche Richtung befuhren, kann ich aufgrund mangelnder Vergleichsuntersuchungen nicht sagen.
  • Die Nachbarschaft ist sexuell enthemmt.
  • Meine Aufmerksamkeitsspanne reicht nicht aus, um beim Händewaschen bis 30 zu zählen. Eine grobe Schätzung muss reichen.
  • Die Nachbarschaft ist sportlich enthemmt.
  • Ich habe noch kein neues Instrument gelernt.
  • Die Nachbarschaft ist telefonisch enthemmt.
  • Für sich einkaufen lassen ist bequem, aber wenn man – wie üblich – was vergessen hat auf die Einkaufsliste zu schreiben, traut man sich nicht, die helfende Person nochmal loszujagen, so wie man sich selbst nochmal losgejagt hätte.
  • Die Nachbarschaft ist alkoholisch enthemmt.
  • Meine nächtlichen Spaziergänge haben enthüllt, dass der Rebellionsgeist der gegenwärtigen Jugend sich darin entfaltet, dass sie sich nachts zu dritt an eine Straßenecke stellen und übers Smartphone Musik hören.

Und so weiter.

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Als eine Strategie, die Motivation der Studierenden langfristig auf einem hohen Niveau zu halten, wird immer wieder eine Gamification des Studiums diskutiert. Das trägt nun erste Früchte, wie ich gestern erleben durfte. Ich hörte einen Studenten über eine VWL-Klausur berichten, die was für Noobs sei. Man brauche keinen Skill und es würden sowieso alle cheaten. Die Makro-Klausur sei dagegen vollkommen IMBA.

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Die Geschichten aus der Universitätsbibliothek sind immer die besten. Neulich im Foyer umlagerte eine Gruppe junger Frauen einen etwas wunderlich aussehenden Kerl. So vom Typ Künstlerhipster, aber nicht wirklich viel älter als die Damen. Er berichtete, mit einem undefinierbaren Akzent, von all den Dingen, die er in seinem Leben schon gemacht hat. Natürlich Backpacking in aller Welt, freier Straßenkünstler, selbständig war er auch schon mal und sowat alles. Auch als Stripper und Escort-Mann habe er schon gearbeitet. Nicht weil er gemusst hätte, wie er der ihn mit großen Augen anstarrenden Zuhörerschaft versuchert. Nein, weil er gewollt habe. Weil er was neues habe ausprobieren wollen.

Schließlich fragt ihn eine der Frauen: „Was studierst du eigentlich?“ Er antwortet: „Ich studiere nicht.“ Eine der Frauen wird nun etwas skeptisch und fragt stirnrunzelnd, warum er denn dann in der UB rumhänge. Er ist sehr ehrlich und sagt: „Hier lerne ich am einfachsten Frauen kennen.“

Die Skeptische öffnet den Mund, doch bevor sie etwas entgegnen kann, ruft eine der übrigen Frauen begeistert: „Das ist voll klug!“

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Termo wartet früh am Sonnabendmorgen neben einem Tennisplatz auf seine Mitfahrgelegenheit. Nebenan ist ein Pärchen schon um diese Zeit am Tennisstunden schieben.

Ballwechsel. Sagt sie: „5:1!“

Sagt er: „Genau wie letzte Nacht! Höhöhö…“

Sagt der Trainer/Schiri: „Das will niemand hören! Punktabzug.“

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Wenn ich meinen Bruder in Berlin für ein paar Tage besuche, dann lunger ich auch einfach mal ganz gerne in seinem Kiez ein bisschen auf der Straße herum. Und zwar nur, um ein bisschen zu lauschen, was da für ein gequatscht wird. Das ist immer ganz köstlich. Man nennt es auch die F-Hine-Experience. Am besten fand ich bei der letzten Runde die beiden Kerle, die gestikulierend in ein ernsthaftes Gespräch vertieft waren, von dem ich nur aufschnappte: „Glaubst du WIRKLICH, dass man den Begriff ‚bergauf‘ verwenden darf, obwohl es hier gar keine Berge gibt?“

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Nachts in einer zwielichtigen Kneipe in Kiel. An der Theke sitzt ein Handball-Nationalspieler und unterhält sich mit Freunden. Neben ihm steht eine junge Frau, die immer wieder aufgeregt zu ihm rüber schaut. Schließlich sagt sie zu ihrer Freundin: „Wir sind doch auf Instagram befreundet! Warum sagt er denn nicht Hallo?“

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Weihnachtszeit ist „Nachts rufen besoffene Bekloppte bekloppte Schimpfwörter in den Kieler Straßen“-Zeit. Aktuelle Perlen: „Schwanzpimmel“, „Schlickficker“ und „Arschgemächt“. („Das heißt Arschgesicht!“ – „Kann man bei dir eh nicht auseinander halten!“)

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Zu einem meiner Lieblingsplätze in der Universität hat sich ja mittlerweile die Cafeteria in der Zentralbibliothek entwickelt. Dieser Ort scheint zu einer Art neutralem Hafen geworden zu sein, von jeder hinkommen kann und sagen darf, was er will und wo es ihn auch nicht schert, wer das alles zu hören kriegt.

Ich wunderte mich zum Beispiel, warum sich neulich zunehmend die plumpe Witze reißende Jogginghosenfraktion ausgerechnet immer mehr in der Bibliothek zusammenrottete. Bis ich eines Abends kurz vor Toresschluss (da gibts immer die Restbrötchen billig) mit einem Ohr mitbekam, wie einer dem anderen erklärte, dass Frauen, die viel lernen, weniger Selbstvertrauen haben. Daher seien sie leichter „klarzumachen“. Ob dieser Plan in der Bibliothek von Erfolg gekrönt war, ließ sich aber nicht mehr feststellen. Irgendwie hatte es sich nämlich rasch wieder ausgejogginghost.

Auch gut war eine Truppe von mutmaßlichen Jura-Studierenden (will ich aber nicht beschwören). Die Jungs unterhielten sich lautstark über die Vorteile von Ritalin und spekulierten darüber, wie sie wohl an die nächste Dosis kommen würden. Dabei fiel folgender denkwürdiger Satz: „Ich frage einfach mal meinen Hausarzt. Dass ich keine Lust zum Lernen habe, zeigt ja eigentlich schon, dass ich krank bin. Dann muss er mir das ja eigentlich verschreiben, oder?“ Nun…

Erheiternder war da schon eine Gruppe junger Frauen, die sich offensichtlich nach der vorlesungsfreien Zeit zum ersten Mal wieder traf. Das war ein Gejuchze und Gekicher, Geqietsche und Geknutsche. Und dann fingen sie an, sich auszuziehen, um ihre Bräunungsstreifen aus den jeweiligen Urlaubsreisen zu vergleichen. Wo auch, wenn nicht in der Cafeteria?

Aber auch das Lehr- und Forschungspersonal kommt in den heiligen Hallen der Bibliothekscafeteria gerne zusammen. Das ist zwar in der Regel nicht so witzig, ersetzt aber so manche Vorlesung. Kürzlich habe ich während eines kleinen Kaffees eine Menge über Luther-Editionen gerlernt. Oder über das Ende des Osmanischen Reichs und die altgriechischen Wurzeln des Namens Instanbul.

Der wirkliche echte Humor hält aber sowieso erst dann Einzug, wenn die Studentenwerksmitarbeiter aus der Vorratsabteilung über den kleinen Raum herfallen, um Nachschub zu bringen. Die beklagen sich nämlich dann fortwährend, wie schwer sie es haben. Jüngst musste einer Der Männer zu Boden gehen, um einen Kühlschrank mit neuen Fressalien zu bestücken und sagte dabei in Mitleid erregendem Tonfall: „Ach ach. Jetzt muss ich mich bei der Arbeit auch noch hinknien.“ Sagt der andere: „Nur hör auf zu jammern, das machst du doch gerne. Wie zuhause bei deiner Frau.“

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Ich treibe mich ja immer mal wieder in Berlin herum, um einen kleinen Perspektivenwechsel zu bekommen. Diesen Perspektivenwechsel hatten wohl auch die Metaller in der Wikingerkneipe gegenüber vollzogen, die mich jüngst mitten in Nacht weckten, weil sie gemeinsam lautstark „Africa“ von Toto grölten. Nun denn. Elk sien Möög.

Schön fand ich auch, den kleinen Jungen und das kleine Mädchen, die ich auf der Straße traf. Sie waren sehr vertieft in ein Gespräch über das Verhältnis von Mädchen und Jungs. Sie plapperten und plapperten und er wollte dann schließlich einmal konkrete Zahlen haben und forderte sie auf: „Sag mal alle Jungs aus deiner Klasse, die du mindestens ein Prozent magst!“

Sie verfiel in Schweigen, legte die Stirn in Falten und überlegte. Und überlegte. Und überlegte. Und überlegte…

Da sieht man, dass „Men are Trash“ offenbar schon sehr früh beginnt…

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Steht ein Linguistikprofessor im Supermarkt vorm Nudelregal und murmelt: „Ich kann mich nicht entscheiden, sie haben alle so schöne Diminutive.“

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Mutter zu Vadder: „Hast du das Handballspiel von Deutschland gegen Spanien geguckt?“
Vadder: „Nee, das wollte ich nicht gucken, ich wusste, dass das daneben geht.“
(Kurze Pause)
„Ich habe lieber ‚Stalingrad‘ geguckt…“

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Man braucht ja immer was, um sich von anderen abzugrenzen. An der Uni ist man dem Druck, diese Abgrenzung immer darzustellen, ganz besonders ausgesetzt. Man muss nicht nur unmissverständlich zur Schau stellen, dass man nichts dem gemeinen Plebs von der Straße zu tun hat. Es ist sogar noch wichtiger, fortwährend alle wissen zu lassen, dass man auch innerhalb der Uni bzw. der akademischen Welt zur Elite gehört. Jedes Fach ist natürlich das einzig Wahre. Nur die Mediziner halten sich da raus, die haben da keine Zeit zu.

Je geringer die Aussichten auf ein fürstliches Salär im späteren Berufsleben sind bzw. je größer die soziale Isolation und Mobberei vor der Aufnahme des Studiums waren, umso höher ist die Chance, auf ganz wunderliche Stilblüten dieser Abgrenzung zu stoßen.

Heute zum Beispiel der junge Kerl in der Uni-Cafeteria. Einer meiner Favoriten der letzten zehn Jahre. Statt „einen Moment bitte“ oder „eine Sekunde bitte“ oder „sofort“ oder dergleichen sagte er immer „ein Sekundus“.

„Hast du was zum Schreiben?“ – „Ja, ein Sekundus bitte. Hier hast du was.“
„Willst du noch einen Kaffee?“ – „Ein Sekundus, ich muss noch austrinken.“
„Wir gehen schon mal rüber, was ist mit dir?“ – „Wenn ihr ein Sekundus wartet, dann komme ich gleich mit.“

Ich hätte noch stundenlang zuhören können.

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Kieler-Woche-Zeit ist Bekloppte-Bemerkungen-Belauschen-Zeit.

Heute: „Ellen! Ellen! Ellen! Ellen! Ach, das ist ja gar nicht Ellen. Steve! Steve! Steve! Steve!“

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Kieler-Woche-Zeit ist Bekloppte-Bemerkungen-Belauschen-Zeit. 

Heute: „Nee, hier kaufe ich keine Hotdogs! Bei Ikea sind die fuffzich Zent billiger!“