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Im Nachbarhaus steht jemand auf dem Balkon und brüllt: „Kommt alle her! Wir wollen hier ne Orgie feiern und brauchen noch ein paar Leute!“

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Heute kamen mir ein alter Mann und eine noch ältere Frau entgegen. Sie bugsierte ihren Rollator mit einem Affenzahn über den Bürgersteig, dass man sich seines Lebens nicht mehr sicher fühlen konnte. Er kam kaum hinterher und rief nur verzweifelt: „Mama, du musst rechts fahren!“

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Gezwungenermaßen belauschtes Gespräch im Bus:

A: „Der hat die entjungfert und ’ne Woche später hat sie ihn verlassen.“
B: „Ja, sie hat ihn in der Zeit ja auch fünfmal betrogen.“
A: „Was? Nee!“
B: „Ohne Scheiß, ich war doch live dabei!“

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Klischeekonferenz im ärztlichen Wartezimmer.

Rechts von mir eine rundliche Mutter, die ihr quengelndes und nörgelndes Kleinkind nicht gebändigt bekommt. Bis es sich schließlich aufs Maul legt und noch mehr brüllt als vorher. Die Mutter meint dazu nur in vorwurfsvollem Tonfall: „Siehst du? Das hast du davon, dass du nicht auf mich hörst, John-Luca!“

Links von mir eine abgerissene und sehr kränklich wirkende Gestalt, die vor sich hin hustet und röchelt und schließlich zu sich selber sagt: „Man man man, ich glaube, das letzte Bier war nicht gut.“

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Bevor ich’s vergesse, muss ich eben noch eine von diesen Geschichten loswerden, die man in einem vollen Bus zwangläufig mit einem Ohr mithört. Ob man nun will oder nicht.

Zwei junge Männer unterhalten sich über Frauen. Der eine – offenbar noch nicht hundertprozentig der deutschen Sprache mächtig – fragt mit osteuropäischem Akzent: „Und warst du schon mit ihr intim?“ Der andere antwortet: „Nee, aber wir haben gebumst.“

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Hier war letzte Nacht wat los. Nachbarn hier im Haus, zwei junge Hüpfer, veranstalteten eines ihrer üblichen kleinen Besäufnisse. Da sitzen se immer mit ’nem Haufen anderer Kerle draußen auf ihren Balkon und kippen sich wat dahinter. Wenn se dat am Wochenende tun, ist mir das in der Regel egal. Aber diesmal war es anders.

So gegen 3 Uhr schien das gros der Gäste verschwunden zu sein, die Lautstärke nahm ab und der übliche Gesang verstummte. Das übriggebliebene Volk schien nun ernstere Töne anzuschlagen. Und immer wenn die Stimmen gehoben wurden (was die meiste Zeit der Fall war), konnte ich verstehen, worum es ging: die beiden Unnösel diskutierten im Suff ihre WG-Probleme.

Es stellte sich natürlich sehr schnell heraus, dass der alkoholisierte Zustand nicht die optimale Grundlage für so eine Diskussion war. Die Konstellation war rasch klar. Bewohner A, offenbar ein Student vom Typ „arroganter Fatzke“, suchte Gründe, um seinem Mitbewohner einen Auszug nahelegen zu können. Bewohner B, dagegen scheinbar eher vom Typ „unbeholfener Schloof“, konnte das alles nicht so recht nachvollziehen, war aber auch ein bisschen beratungsresistent.

Bewohner A wurde dabei zusehends unfreundlicher, wenn er sich auch mit leichten Artikulationsschwierigkeiten herumschlagen musste. „Und als du den ganzen Tag den Schlüssel draußen in der Tür stecken gelassen hast, da war dir das scheißegal. Da hast du einfach gesagt ‚Tut mir leid‘ und sonst nichts.“ Bewohner B war sich keiner Schuld bewusst: „Was hätte ich denn sonst sagen sollen?“

So wurde das eine oder andere mehr oder weniger nichtige Problem auf den Tisch gebracht.

„Und gleich im ersten Monat hast du deine Miete erst zu spät bezahlt!“ – „Ja okay, das war nicht in Ordnung. Aber deswegen musst du mir doch gleich mit sofortigem Rausschmiss drohen.“ – „Das Recht behalte ich mir vor, wenn du hier einziehst und nicht mal auf die Idee kommst, irgendwo was unterschreiben zu müssen! Ich stehe alleine im Mietvertrag also kann ich dich auch rausschmeißen! Du kannst schließlich jederzeit wieder bei Mama einziehen.“

Und so schaukelte sich nach und nach sich die Stimmung hoch. Bewohner B versuchte zu retten, was zu retten war. „Schau dir mal die WGs von XXX oder YYY an und wie das da aussieht. Dagegen läuft das bei uns doch echt gut. Einen perfekten Mitbewohner wirst du nie finden. WG heißt auch, dass man ein bisschen tolerant sein muss. Und man muss halt über Probleme sprechen. Gibt es zum Beispiel irgendwas an mir, das dich so sehr stört, dass du nicht mehr mit mir zusammen wohnen willst?“ Er konnte die Frage gar nicht ganz aussprechen, da platzte Bewohner A schon dazwischen: „Ja! Deine Füße!“

Was denn an diesen Füßen nun das Problem war, das konnte ich nun nicht verstehen. Jedenfalls wurde es langsam kritisch. Es gipfelte schließlich in folgendem Satz, den Bewohner A seinem Noch-Mitbewohner ins Gesicht schleuderte. „Als ich vor zwei Monaten die Wohnung von meinem Bruder übernehmen konnte, warst du sowieso nur vierte Wahl als Mitbewohner.“

Daraufhin war von Bewohner B erst einmal nichts mehr zu hören. Stattdessen schaltete sich an dieser Stelle ein verbliebener Gast ein. Er betonte, er könne nicht beurteilen, wie es in der WG laufe, aber es sei „menschenunwürdig“, was Bewohner A in den letzten Minuten Bewohner B ins Gesicht gesagt habe. „Ich bin halt betrunken“, verteidigte sich A. Das sei doch kein Grund, so der Hausgast, aber Bewohner A bestand lautstark darauf. „Ich habe ihm angeboten, nüchtern darüber zu reden, aber das wollte er nicht!“

Der Hausgast ließ sich aber nicht beirren. „Du kannst ihm doch hier aber nicht einfach sagen, dass er nur vierte Wahl ist.“ Doch daran ließ Bewohner A keinen Zweifel. „Doch, das war er. Zuerst habe ich gefragt…“ Dann zählte er drei Leute auf, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mit ihm zusammenziehen wollten.“ Der Hausgast stelle fest: „Du hattest also gar keine Wahl. Die wollten ja alle nicht.“ Doch Bewohner A war überzeugt: „Doch hatte ich. Und er war nur vierte Wahl.“

Jetzt versuchte der Hausgast zu retten was zu retten ist: „Ihr solltet hier jetzt aufhören. Wenn ihr morgen wieder nüchtern seid, dann müsst ihr euch nochmal zusammen setzen. Wenn ihr beide eure Sturheit ablegt, dann könnt ihr Eure WG vielleicht noch retten.“

Danach wurde es einige Zeit lang ruhig, die Jungs müssen rein gegangen sein. Ich dachte, ich würde nun vielleicht ein wenig Schlaf finden. Aber weit gefehlt. Die nächsten Minuten wurden offenbar genutzt, um sich nochmal ordentlich wat reinzutun. Denn irgendwann begann großes Geschrei und Gebrüll, es krachte, es klirrte und klatschte. Irgendwann wurde der tobende Bewohner B – seine Zurückhaltung nun vollkommen aufgebend – vom Hausgast offenbar aus dem Haus gezerrt. „Beruhige dich, ich bin ja auf deiner Seite. Aber es hilft nichts, wenn du hier ausrastest.“

Doch Bewohner B hatte einen Tobsuchtanfall sondergleichen. „Dieser verdammte Wixer! Ich will dem nur noch auf die Fresse hauen!“ – „Beruhige dich, der ist vollkommen fertig. Der kann nichts mehr.“ Bewohner B’s Stimme änderte sich nun von reinem Geschrei zu einem Heulen aus Wut und Enttäuschung: „Der verdammte Wixer! Wir sind hier vor zwei Monaten eingezogen, weil wir da beide Bock drauf hatten! Und jetzt sagt der mir, ich soll raus und bin eh nur vierte fünfte Wahl gewesen! Und klebt mir ’nen Zettel hin, ich hätte zwei Tage nicht abgewaschen…“

An dieser Stelle wurde mir das alles etwas zu doof. Ich setzte mir einen Kopfhörer auf und beschallte mich mit lauter Musik. Wenn schon mitten in der Nacht Krach und Hauerei, dann wenigstens von Manowar.

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Sagte die eine Kinokassiererin tatsächlich zur anderen: „Du, wir beide könnten doch eigentlich mal zusammen ins Kino gehen.“

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Neulich fuhr ich so mit dem Bus herum. Nebenan saß eine Truppe alter Damen, alle so geschätzte 70 bis 80 Jahre alt. Die kamen wohl gerade von irgend ’nem gemeinsamen Kaffeekränzchen oder so, jedenfalls unterhielten sie sich ganz angeregt. Bis eine sagte: „So, meine Lieben, die nächste muss ich aussteigen.“

Sie stand von ihrem Sitz auf, in dem Moment bremste der Bus an einer Ampel, was die alte Dame gefährlich schwanken ließ. Sie hielt sich aber fest und es passierte nichts weiter.

Eine der noch sitzenden Omas nutze die Gelegenheit allerdings zum Klugscheißen und sagte mit besserwisserischem Unterton: „Also ich stehe immer erst dann auf, wenn der Bus angehalten hat.“

Die bereits aufgestandene Oma machte sich jedoch schon auf den Weg zur Tür, allerdings nicht ohne noch ein sarkastisches „Ja, Mama“ rauszuhauen…

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Aus unserer Reihe „Termo hört Gespräche im Bus“ heute:

„Mama sagt, das einzig Gute an meinen Tangas ist, dass sie kaum Platz auf der Wäscheleine wegnehmen.“

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Normalerweise nervt mich das regelmäßige nächtliche Herumrandalieren da draußen auf der Straße ja tierisch. Aber wenn man auch ohne diese Geräuschberieselung nicht schlafen könnte, dann kann das gelegentlich durchaus unterhaltsam sein. Man kann da manchmal richtige „Themenabende“ von machen. Wie auf Arte.

Heute Nacht präsentiert sich so zum Beispiel „Die Nacht der kreativen Auseinandersetzung“, in der ich mein Schimpfwörterrepertoire gehörig erweitern kann. (Ich wollte erst „aufbessern“ schreiben, aber das trifft es irgendwie nicht.) Neu gelernt habe ich bislang zum Beispiel Erbsenfotze, Kackschwanz, Gesichtshölderlin (???) und Mistmännchen. (Mein Professor würde über diese „blumigen Komposita“ jubilieren.)

Von gewissem Unterhaltungswert war auch das Streitgespräch, das so ein bisschen an „Ich packe meinen Koffer“ erinnerte: „Ich ficke deine Mutter!“ – „Ich ficke deine Mutter und deine Schwester!“ – „Ich ficke deine Mutter, deine Schwester und deine Freundin!“ – „Ich ficke deine Mutter, deine Schwester, deine Freundin und deine andere Schwester!“…

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Gestern zwangen mich die Umstände dazu, um die Mittagszeit herum mein Haus zu verlassen, so dass ich in die Massen der Schüler geriet, die aus den umliegenden weiterführenden Schulen quollen. Und die ostfriesischen Schülergespräche, die ich somit gezwungen war anzuhören, erreichen manchmal eine ähnliche Qualität wie die studentischen Busgespräche in Kiel. Man Favorit von gestern war:

„…ey, und dann hat die Gerda (Name von der Redaktion geändert) soooo einen riesen Burger gegessen. Voll das Riesenteil. Dabei hat die doch schon so nen fetten Arsch!“ (Kurze Denkpause) „Ich wusste nich, was ich lieber in die Finger kriegen wollte: den Burger oder den Arsch.“

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Heute hörte ich Sportstudenten, welche sich über ihre Kollegen aufregten, die „nicht einmal einen Ball fangen“ können. Erinnert mich an unseren ehemaligen Frisistiksportler, der einmal fast daran gescheitert wäre, ein Buch ins Regal zu stellen.

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Aufgeschnappt (auf der Kieler Woche und umzu):

  • „Du bist ein Arsch, ich rede nie wieder ein Wort mit dir! Aber du rufst nachher an, ja?“
  • „Du musst nur darauf achten, dass der Typ maximal drei Jahre älter ist als du, wenn ihr fickt. Sonst kommt der ins Gefängnis.“ – „Automatisch?“
  • „Du Wockei!“ (gemeint war Weichei)
  • „Diese Deutsers. Immer nur warten warten warten.“
  • „Marseille? Dreckig, aber geil!“
  • „Praktisch ist auch dieser Pfefferminzschnaps. Wenn du die ganze Nacht gesoffen hast und morgens zur Arbeit musst, dann trinks du davon noch drei und es ist, als hättest du die Zähne geputzt.“

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Erzählte ich von den Hauptschülern im Bus, die sich über die Bauarbeiter lustig machten? „Ey, so nen scheiß Job würde ich ja nicht machen wollen…“

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Ich hörte heute im Bus jemanden offenbar ernsthaft feststellen, sie sei „Queen of da Block“. Das meinte ihr gegenüber kontern zu müssen mit „Ich bin dafür King of the Cock“.

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A (enthusiastisch): „Wer hat den dümmsten Freund der Welt?“

B (schaut abschätzend ihren Freund an): „Naja, den dümmsten vielleicht nicht, aber in den Top10 ist er auf jeden Fall…“

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Aus der Rubrik „Aufgeschnappt in der Kantine“:

Studentin: „Ich möchte einen perfekten Abschluss machen, damit ich später im Leben einmal etwas Sinnvolles für die Menschheit erreichen kann.“
Student: „Und was hat die Menschheit davon, wenn du dann Telefondame bei Europcar bist?“

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Ich hörte heute die Geschichte von dem kleinen Jungen, der über die Unterrichtsinhalte seines älteren Bruders berichten konnte: „Mein Bruder hat in der Schule jetzt Sex und Aalkunde.“

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Aus der Rubrik „Aufgeschnappt im Bus“:

Zwei Halbwüchsige unterhalten sich.
„Boah, ich glaub ich komm in die Pubertät. Mein Stoffwechsel hat sich voll verändert, ich nehme jeden Tag einen Kilo zu.“
„Nee, das kommt weil du aufgehört hast zu kiffen.“