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Eine angenehme menschliche Abwechslung gab es heute in der Uni-Kantine. Während man ansonsten meist von Leuten umgeben ist, die über Ovid brüten, über Marx schwadronieren, über Probleme des internationalen Rechts diskutieren oder die Hotness der neuen Sport-Erstsemesterinnen beurteilen, war heute am Tisch nebenan eine Gruppe von Fremdlingen zugange. Wahrscheinlich irgendwelche Handwerker, die irgendwas in der Uni zu schrauben hatten und Mittag machten oder so. jedenfalls ein ganz anderer Menschenschlag.

Da zeigte man sich gegenseitig ekelige Handyfilmchen und analysierte Messerscharf den zurückliegenden Fußballbundesligaspieltag („Der Trochowski kann halt nix!“). Aber die Universitätsluft verdreht auch den widerstandsfähigsten Normalo und so fingen auch diese Jungs bald an, aktuelle Probleme aus Wirtschaft und Politik zu erörtern. Stellvertretend möchte ich hier ein paar der unumstößlichen Weisheiten niederschreiben, die ich heute lernte.

  • „Warum ist denn Benzin so teuer? Wegen der Steuern! Wenn du Auto fährst, dann fährt der Staat immer mit. Der Staat muss weg, dann wird alles billiger.“
  • „1918 haben die Matrosen hier in Kiel auch kein Bock mehr gehabt. Dann kam die Polizei und hat geschossen, die Matrosen haben zurückgeschossen und schon war die Monarchie weg.“
  • „Wer von unseren Soldaten heute in Afghanistan ist, der ist da doch freiwillig. Die nehmen doch gar keine mehr, die nicht freiwillig dahingehen. Und wat die da nicht verdienen, da sieht man wo die Asche bleibt. Hundert Euro am Tag extra, Steuerfrei, nur weil da mal geschossen wird. Das ist doch Berufsrisiko. Ich kann doch auch jeden Tag von der Leiter fallen und tot sein und bekomme auch keine 100 Euro extra am Tag.“
  • „Das mit VW kommt alles von den Spekulanten, da ist nix von echt. Genosse Stalin hat nicht umsonst zuerst einmal alle Spekulanten erschossen.“
  • „Das sind doch alles Verbrecher, die Politiker, Ypsilanti, Asylanti und wie das Pack nicht alles heißt.“

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Der heutige Tag begann damit, dass ein Zimmergenosse den anderen des Gelegenheitsschnarchens bezichtigte. „Temmo schnarcht ja zumindest die ganze Zeit, da kann man sich dran gewohnen. Aber du schnarchst alle paar Minuten einmal. Das ist genauso nervig wie jemand, der irgendwo im Raum steht und alle paar Minuten einmal laut klatscht.“

Das offizielle Tagesprogramm bestand vor allem in der intensiven Beschäftigung mit dem bereits angesprochenen DIWAN-Schulsystem. Wir besuchten eine Schule und das Lehrerausbildungszentrum in Quimper. Am Nachmittag hatten wir ein wenig Freizeit. Zwischendurch war ich vor den Touristenmassen in einen kleinen versteckten Park geflüchtet. Ausgerechnet hier lief mir dann aber ein deutsches Touristenpärchen über den Weg. Sie schimpfte mit ihm: „Ich dachte, du kannscht Französisch!“ Er verteidigte sich: „Ja des isch halt schwer hier. Die spreschen a gansch komischen Dialekt.“

Abends trafen wir uns mit DIWAN-Eltern und Lehrern. Bei mir am Tisch saß eine Cornwaliserin, die als Englischlehrerin arbeitete. Die sprach Cornisch, Walisisch und Bretonisch UND Englisch. Und wahrscheinlich auch Französisch. Hochinteressant.

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Die Großstadt macht einen mürbe und die Universität bringt einen langsam aber sicher darum, sich vernünftig auf Deutsch ausdrücken zu können. Und an der Bushaltestelle schnappte ich heute den bedeutungsschwangeren Satz auf: „Nur weil ich Sex mit ihm habe, will ich ja nicht gleich mit ihm schlafen.“

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Freitag war ich zum ersten mal seit etwa zehn Jahren wieder mal im Leeraner Heimatmuseum. Das ist zwar eine recht lange Zeit, aber ich htte gedacht, dass mir zumindest irgendwas vom letzten Mal in Erinnerung geblieben wre. Aber nix. Mir kam so gar nichts bekannt vor. Nur Carter, die aktuell ihr Freies Soziales Jahr Kultur dort absolviert.

Aber Carter kannte ich ja nicht von vor zehn Jahren aus dem Museum, also galt das nicht. Dachte ich. DocDee klrte mich nmlich gestern auf, dass sie und Carter vor ziemlich genau zehn Jahren mit ihrer Grundschulklasse das Museum besucht htten. Also hab ich Carter vielleicht doch noch in musealer Erinnerung und zumindest nicht alles von damals vergessen.

Carter begleitete ich spter ein wenig auf ihrer epischen Queste nach einem Geburtstagsgeschenk. Dabei war ich auergewhnlich unhilfreich. Aber ich lernte eine Menge „Frauenlden“ kennen. Und berall in diesen Lden gab es Handtaschen zu kaufen, egal wie das bliche Sortiment aussah. Erstaunlich fand ich das.

Auf dem Rckweg nahm ich aus einem Pizza-Etablissement schlielich noch mein Abendessen mit. Hier gab es zwar keine Handtaschen, aber diese Lden bergen ja immer nette Anekdoten in sich. Heuer kam mir folgendes Gesprch erwhnenswert vor:

A: „Ey, wo ist denn eigentlich Ali?“
B: „Der ist in Hannover.“
A: „Man, der hat ein Leben. Immer unterwegs. Echt jetzt. Mal ist der hier, mal ist der da…“
B: „Ja. Die wollen ihn abschieben.“