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Das Internet des Dorfes. Hier wird noch Klartext geredet und respektvoll miteinander umgegangen. Und immer geht es um wichtige Themen. Themen, die die Menschen bewegen.

Killer Pilze und Tokyo Hotel

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Auf dem Dorf gibt es ja immer so verschiedenen Fraktionen. Und wenn man sich in mehren davon bewegt, hat man es nicht immer einfach. Da Vadder im Kirchenvorstand ist, kam er am Sonntagvormittag zu spät zum Spiel der Fußballmannschaft, die er trainiert. Also musste er sich bei seinem Ärger darüber, dass eine Spielerin einfach überhaupt nicht erschienen war, etwas zurückhalten.

Denn sobald er das Thema ansprach, schallte es ihm entgegen: „Du warst ja auch nicht da, du Kirchgänger!“

Merke: „Kirchgänger“ ist auf dem Fußballplatz ein Schimpfwort.

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Seitdem Mutter neulich mal eine dicke Lippe hatte, geht auf dem Dorf das Gerücht herum, sie würde sich Botox spritzen lassen.

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Bei den Eltern. Es klingelt (Mutter hört natürlich nix) und der Schornsteinfeger steht vor der Tür.

Mutter: „Sind Sie neu?“
Schornsteinfeger: „Nee, ich komme schon im dritten Jahr zu Ihnen.“
Mutter: „Aber ich habe Sie noch nie getroffen.“
Schornsteinfeger: „Doch. Im letzten Jahr kamen Sie zum Beispiel gerade vom Karneval aus der Schule.“
Mutter: „Oh, dann dachte ich sicher, dass Sie auch gerade vom Karneval kamen…“

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Bei Osterfeuern ist ja interessanterweise auch immer die örtliche Feuerwehr ganz vorne mit dabei. Als wenn die sich darüber freuen, einmal im Jahr den Brand nicht löschen zu müssen, sondern legen zu dürfen. Und da sind die dann mindestens genauso fachmännisch dabei. Wenn das Wetter zu feucht oder dein Haufen nicht fachmännisch aufgeschichtet ist und dein Feuer nicht brennen will – hol die Feuerwehr (oder Hilko mit der Signalpistole).

Unweit unsereres bereits recht stattlichen Osterfeuerhaufens hatte also auch die örtliche Freiwillige Feuerwehr ihr Feuerchen angerichtet. Es wurde berichtet, auf dem ersten Blick habe man den „aufgeschichteten“ Haufen beim Vorbeifahren für einen kleinen Wald gehalten, den man zuvor noch nie bemerkt hatte. Des Nachts war jedenfalls ein schöner Feuerschein über dem Dorf zu sehen, der einer Feuerwehr würdig war. Die Jungs hatten zur Sicherheit jedenfalls auch gleich einen Einsatzwagen zur Feuerstelle beordert. Sehr löblich. Der gemeine Bürger hätte aber eh nicht mehr auseinander halten können, ob da nur der Winter vertrieben wurde oder das Overledingerland in Flammen stand.

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Gestern Silberhochzeit von Pastor und Pasteuse, heute Mutters Geburtstag. Das waren gute Gelegenheiten, um sich mal wieder im Heimatdorfe auf den neuesten Stand zu bringen. Und wenn es umsonst was zu Essen gibt, dann kommt der gemeine Fehntjer ja auch gerne und in Scharen.

Fazit: Viel Klatsch, viel Tratsch und Gespräche von solchem Kaliber:

Viele Frauen reden durcheinander und streiten sich darüber, wer mit wem versippt, verschwägert, verheiratet oder verbandelt ist. Dann geht es schließlich um eine bereits verschiedene Person namens Hinni.

Pastor: „Von wem redet ihr da gerade?“
X-beliebige Frau: „Von Hinni Janßen. Den kennst du eh nich.“
Pastor: „Hinni? Natürlich kenn ich Hinni. Den hab ich selbst beerdigt!“

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Ich tingelte vorhin noch durch die Rheiderländer Wahllokale. Aber da war überall so vollkommen tote Hose. Am besten war dazu noch der Kommentar eines Wahlhelfers in Holtgaste: „Können wir uns gar nicht erklären. Gestern Abend auf dem Dorffest war noch so viel los.“

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Heute in einem kleinen Flecken tief im Rheiderland. So ne Art Bürgerversammlung. Ich komme da an und sage: „Moin tosammen“. Kommt einer aus der neugierig guckenden Menge auf mich zu. „Well büst du denn? Van’t Bladdje?“

„Jau“, sag ich. „Van d’ Rheiderland-Zeitung.“ Da sagt er: „Oh. Een neei Gesicht bi’t Bladdje.“ In dem Dorf war ich tatsächlich noch nicht gewesen zuvor. Dennoch sage ich: „So neei ook weer neet. Ik bün al siet`n Jahr d’rbi.“

„Büst du ook ut‘ Rheiderland?“

Oha. Die Frage, vor der sich jeder Nicht-Rheiderländer im Rheiderland fürchtet. Ein kurzes Stocken meinerseits, aber ich kann die ja nicht anlügen. „Nee. Ik bün van d’ anner Sied van d’ Eems.“

Schlagartig wird es still im Raum und alle sehen mich an. Bis dann dann einer aus der Menge sagt: „So lang he Platt proten deit, geiht dat ja noch.“ Allgemeines zustimmendes Gemurmel. Die Gespräche gehen wieder los und man bietet mir einen Platz an.

Im Rudel akzeptiert.

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Typisch Dorf: Immer wenn der Bürgermeister gerade zu seiner Rede ansetzen will, kommt mit lautem Getöse jemand mit seinem Traktor angeknattert.