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Ich bin doch peinlich berührt, dass mein alter Sportverein aus der Heimat auf seiner Internetseite nicht nur die offizielle Vereinshymne präsentiert, sondern auch noch stolz eine „inoffizielle“ Vereinshymne als Dreingabe dazu stellt. Dort heißt es in den ersten Zeilen: „Wir sind die Stikelkamper, ständig im Suff / wir gehen drei mal täglich in den Puff…“ (Quelle: SVS)

Ich bin doch so ein Fremdschämer!

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Evolution und Auslese und so, das sind ja ganz spannende Dinge. Gerade, wenn man sie live und in Farbe miterleben kann. Heute hab ich zum Beispiel zwei Typen gesehen, die mit ihrenTrinkhörnern Brüderschaft tranken und sich dabei gegenseitig fast die Augen ausgestochen haben.

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Das Internet des Dorfes. Hier wird noch Klartext geredet und respektvoll miteinander umgegangen. Und immer geht es um wichtige Themen. Themen, die die Menschen bewegen.

Killerpilze und Tokyohotel

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Auf dem Dorf gibt es ja immer so verschiedenen Fraktionen. Und wenn man sich in mehren davon bewegt, hat man es nicht immer einfach. Da Vadder im Kirchenvorstand ist, kam er am Sonntagvormittag zu spät zum Spiel der Fußballmannschaft, die er trainiert. Also musste er sich bei seinem Ärger darüber, dass eine Spielerin einfach überhaupt nicht erschienen war, etwas zurückhalten.

Denn sobald er das Thema ansprach, schallte es ihm entgegen: „Du warst ja auch nicht da, du Kirchgänger!“

Merke: „Kirchgänger“ ist auf dem Fußballplatz ein Schimpfwort.

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Seitdem Mutter neulich mal eine dicke Lippe hatte, geht auf dem Dorf das Gerücht herum, sie würde sich Botox spritzen lassen.

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Bei den Eltern. Es klingelt (Mutter hört natürlich nix) und der Schornsteinfeger steht vor der Tür.

Mutter: „Sind Sie neu?“
Schornsteinfeger: „Nee, ich komme schon im dritten Jahr zu Ihnen.“
Mutter: „Aber ich habe Sie noch nie getroffen.“
Schornsteinfeger: „Doch. Im letzten Jahr kamen Sie zum Beispiel gerade vom Karneval aus der Schule.“
Mutter: „Oh, dann dachte ich sicher, dass Sie auch gerade vom Karneval kamen…“

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„Der Tod ist in Gestalt eurer Mutter über die Schnecken im Garten gekommen und hat dort reiche Ernte gehalten. Das muss ich jetzt erst einmal wegfegen.“

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Polterabend auf dem heimischen Fehn. Meine beste Freundin aus Schulzeiteb war als Ethnologin sehr angetan von den zahlreichen heidnischen und exotischen Bräuchen der Fehntjer. Ich erfreute mich dafür mehr an den kleinen Anekdoten, die so einer Feierlichkeit mit sich bringt.

Beispielsweise folgende: Um Mitternacht werden standesgemäß die Hose des Bräutigams und der BH der Braut verbrannt. (Als ob die jeweils nur eins davon besitzen…) Der Mann mit der Fackel macht sich am Rande dieses Ereignisses einen Spaß daraus, einem seiner Kumpels die Flamme kurz in den Schritt zu halten.

Ein anderer Kollege meint darauf in einem sehr überzeugenden Tonfall: „Pass auf, was du da machst! Da ist nur ne sehr kurze Lunte, das gibt gleich ’ne gewaltige Explosion!“

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Bei Osterfeuern ist ja interessanterweise auch immer die örtliche Feuerwehr ganz vorne mit dabei. Als wenn die sich darüber freuen, einmal im Jahr den Brand nicht löschen zu müssen, sondern legen zu dürfen. Und da sind die dann mindestens genauso fachmännisch dabei. Wenn das Wetter zu feucht oder dein Haufen nicht fachmännisch aufgeschichtet ist und dein Feuer nicht brennen will – hol die Feuerwehr (oder Hilko mit der Signalpistole).

Unweit unsereres bereits recht stattlichen Osterfeuerhaufens hatte also auch die örtliche Freiwillige Feuerwehr ihr Feuerchen angerichtet. Es wurde berichtet, auf dem ersten Blick habe man den „aufgeschichteten“ Haufen beim Vorbeifahren für einen kleinen Wald gehalten, den man zuvor noch nie bemerkt hatte. Des Nachts war jedenfalls ein schöner Feuerschein über dem Dorf zu sehen, der einer Feuerwehr würdig war. Die Jungs hatten zur Sicherheit jedenfalls auch gleich einen Einsatzwagen zur Feuerstelle beordert. Sehr löblich. Der gemeine Bürger hätte aber eh nicht mehr auseinander halten können, ob da nur der Winter vertrieben wurde oder das Overledingerland in Flammen stand.

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Bevor wir am Freitag zur Geburtstagsfeier eines Freundes nach Oldenburg aufbrachen, wurden wir Zeuge eines großen Sportereignisses auf der Sportanlage des SV Stikelkamp. Die Heimmannschaft absolvierte ein kurzfristig angesetztes Freundschaftsspiel gegen einen klassenhöheren Verein aus der Nachbarschaft. Das eigentliche Auswärts-Pflichtspiel war abgesagt worden, weil angeblich ein Platzwart des Gegners seinen wertvollen Rasen gefährdet sah und die Mannschaft sich nicht mit der Austragung in Stikelkamp anfreunden konnte.

Nun gut. Auch das Freundschaftsspiel bot alles, was sich ein Zuschauer nur wünschen kann. Der Klassenhöhere hat es sich zur beliebten Tradition gemacht, die Freundschaftsspiele in Stikelkamp zu verlieren, was dem einen oder anderen aber nicht so überaus gut gefällt. Der Stolz ist sehr angeknackst. Dennoch wurde zielstrebig an dieser Tradition festgehalten. Auf dem Platz gab es dann auch den erwarteten Schlagabtausch verbaler und gelegentlich auch körperlicher Art. Interessant ist dabei ja auch, dass die, welche immer am meisten heulen, auch selber immer am ruppigsten reingehen.

Seinen angemessenen Höhepunkt fand die Partie, als sie in der 85. Minute beim Stande von 3:1 für die Gastgeber abgebrochen wurde. Ein Trainer oder Betreuer oder Spielertrainer (oder was auch immer das für für einer war) der Gäste hatte nämlich einen seiner Verteidiger für alle deutlich hörbar angewiesen, „der Nummer 14 mal so richtig einen mitzugeben“. Dies und die daraus resultierenden Tumulte waren dem Schiri dann für ein Freundschaftsspiel dann doch zu viel des Guten.

Seinen Teil zu dem Schauspiel trug auch Vadder bei, zunächst am Spielfeldrand. Da bot er zusammen mit seinen beiden Kumpanen das typische Bild des gealterten Fußballers, der mit Freude das Treiben des „Nachwuchses“ kommentiert. Nach dem Spiel zeichnete er sich aber vor allem am Besen aus. Immer wenn wieder jemand durch den Gang vor den Kabinen gegangen war, fegte Vadder fröhlich hinterher.

Selbst als eine Weile niemand den blanken Boden beschmutzte, trieb er sich in irgendwelchen schattigen Ecken des Ganges herum. Schließlich fegte er mir noch ein Häufchen Dreck vor die Füße und sagte stolz: „Guck mal, ich hab noch was gefunden.“

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Gestern Silberhochzeit von Pastor und Pasteuse, heute Mutters Geburtstag. Das waren gute Gelegenheiten, um sich mal wieder im Heimatdorfe auf den neuesten Stand zu bringen. Und wenn es umsonst was zu Essen gibt, dann kommt der gemeine Fehntjer ja auch gerne und in Scharen.

Fazit: Viel Klatsch, viel Tratsch und Gespräche von solchem Kaliber:

Viele Frauen reden durcheinander und streiten sich darüber, wer mit wem versippt, verschwägert, verheiratet oder verbandelt ist. Dann geht es schließlich um eine bereits verschiedene Person namens Hinni.

Pastor: „Von wem redet ihr da gerade?“
X-beliebige Frau: „Von Hinni Janßen. Den kennst du eh nich.“
Pastor: „Hinni? Natürlich kenn ich Hinni. Den hab ich selbst beerdigt!“

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Ich tingelte vorhin noch durch die Rheiderländer Wahllokale. Aber da war überall so vollkommen tote Hose. Am besten war dazu noch der Kommentar eines Wahlhelfers in Holtgaste: „Können wir uns gar nicht erklären. Gestern Abend auf dem Dorffest war noch so viel los.“

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Heute in einem kleinen Flecken tief im Rheiderland. So ne Art Bürgerversammlung. Ich komme da an und sage: „Moin tosammen“. Kommt einer aus der neugierig guckenden Menge auf mich zu. „Well büst du denn? Van’t Bladdje?“

„Jau“, sag ich. „Van d’ Rheiderland-Zeitung.“ Da sagt er: „Oh. Een neei Gesicht bi’t Bladdje.“ In dem Dorf war ich tatsächlich noch nicht gewesen zuvor. Dennoch sage ich: „So neei ook weer neet. Ik bün al siet`n Jahr d’rbi.“

„Büst du ook ut‘ Rheiderland?“

Oha. Die Frage, vor der sich jeder Nicht-Rheiderländer im Rheiderland fürchtet. Ein kurzes Stocken meinerseits, aber ich kann die ja nicht anlügen. „Nee. Ik bün van d’ anner Sied van d’ Eems.“

Schlagartig wird es still im Raum und alle sehen mich an. Bis dann dann einer aus der Menge sagt: „So lang he Platt proten deit, geiht dat ja noch.“ Allgemeines zustimmendes Gemurmel. Die Gespräche gehen wieder los und man bietet mir einen Platz an.

Im Rudel akzeptiert.

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Typisch Dorf: Immer wenn der Bürgermeister gerade zu seiner Rede ansetzen will, kommt mit lautem Getöse jemand mit seinem Traktor angeknattert.