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Gestern war wieder Frisistenweihnacht. Mangels ausgewiesener Koch- und Backkünste habe ich die Gesellschaft (neben diversen Spirituosen) einmal mehr mit ostfriesischer Teekultur beglückt. Und was vergangenes Jahr noch eher ein Geheimtipp im kleinen Kreis war, steigerte sich dieses Mal zu einem Renner. Ich kam mit dem Teemachen gar nicht mehr nach. Allerdings entfielen nur etwa zwei Drittel der Produktion auf klassischen Ostfriesentee, der Rest wurde zur nordfriesischen Spezialität namens Teepunsch verabeitet. Sozusagen ein panfriesisches Getränk – ostfriesischer Tee mit nordfriesischem Kööm.

Und eben just versammelte sich wieder eine ganze Kompanie blonder Logopädinnen in meiner Küche. Find ich gut.

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Neulich waren wir mit den Friesen hier auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt. Und Weihnachtsmarkt, das ist für mich Landei ja nach wie vor noch etwas, das irgendwie gedanklich mit „klein“ und „gemütlich“ in Verbindung steht. Das ist natürlich hier nicht so. Ein Haufen Glühweinbuden, ein wenig Grünzeug drumherum – fertig ist der Weihnachtsmarkt.

Naja, elk sie Möög, ich will das niemandem zerreden. Aber mir ist sehr rasch klar geworden, wie der Alkoholkonsum da angekurbelt wird. Denn als ich nahe der größten Glühweinbude auf meine Kollegen wartete, wurde ich intensiv und ausdauernd mit Wolfgang-Petry-Weihnachtsliedern beschallt. Das hält man nüchtern wahrscheinlich nicht lange aus.

Zudem weckte das bei mir böse Erinnerungen

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Wünsche frohe Weihnachten.

Vor dem Festessen in meiner Wohnung vorhin zerschmiss Mutter einen Teller mit großem Getöse in Tausend Stücke. Dies kommentierte sie mit: „Oh, das war einer von den unzerbrechlichen Tellern.“

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Jede Familie hat weihnachtliche traditionen. Auch bei uns gibt es sowas. Und zwar wird jedes Jahr wieder mit Nachdruck und großem Hallo bekundet, dass wir den hässlichsten Weihnachtsbaum aller Zeiten haben.

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Die Endjahresfeiersaison schwenkte in dieser Woche schonmal auf Weihnachtsfeierkurs ein, nur jedoch am kommenden Wochenende noch einmal auf die Geburtstagsfeierschiene zurückzusteuern. Aber diese Woche wie gesagt erstmal Weihnachtliches, zumindest dem Etikett nach.

Vergangenen Dienstag hatten wir nämlich die Weihnachtsfeier der Frisisten. Dazu waren sogar eigens eine Handvoll westerlauwers’sche Friesen angereist, die in Groningen („Chchchroouuningen“ bzw. „Grins“) Frisistik studieren. Die brachten wir dann so einzeln bei uns allen unter. Mein Kandidat war positiv überrascht, dass er unter seiner Landesflagge nächtigen durfte.

Naja, die Feier war jedenfalls sehr gut. Wir mussten uns vorher eintragen, wer was zur Feier beisteuert. Da ich weder backen noch Salate machen kann, besann ich mich meiner Talente und brachte Tee und Kruiden mit.

Das gefiel den Gästen sehr gut. Die Westerlauwer hatten erwartungsgemäß ihre eigene „Kruiden-Variante“ dabei, den „Berenburg“. Einer der guten Jungs konnten von meinem Ostfriesenschnaps jedoch nicht genug bekommen und musste am folgenden Tag die Segel streichen. Das war natürlich nicht so beabsichtigt. Aber so ein Spaß… Gesungen haben wir auch noch. Friesisch und Englisch. Oh come all ye faithful, joyful and triumphant.

Egal, das Beste war aber, dass ich am Ende, als die Jungs und Mädels heute wieder gingen, Wurst geschenkt bekam. „Friese Droge Wurst“ steht drauf und versprochen wird „Kwaliteit út Fryslân“. Und dann klebt noch ein dicker fetter pompeblad-Aufkleber, auf dem steht „Bjusterbaalik lekker“. Mal gucken, ob die Wurst hält, was sie verspricht.

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Mutter erzählte vorhin ganz selig davon, wie in ihrer Kindheit Weihnachten gefeiert wurde. Mit Würstchen, Kartoffelsalat und Kakao mit „K’neel“ (Zimt). Dann verfinsterte sich jedoch ihr Gesichtsaudruck. Denn in der Kirche sei sie immer beleidigt gewesen, weil in „Stille Nacht“ immer ihre Schwester Traute, aber nie sie selbst erwähnt wurde… („…das traute hochheilige Paar…“)

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Ach, das war was. Nach der Kirche sind wir zuerst noch zu unserem alten Kindermädchen gegangen, wo auch ihre halbe Familie war. Da hörten wie so schöne alte Geschichten aus dem Dorf, etwa von dem betagten Herrn mit dem Spitznamen „Arriba“, der zu seiner Zeit gerne mal Leute verkloppen wollte, mit der immer passenden Begründung „Du hast mein Freund beleidigt“.

Die aktuelle Prügelei verpassten allerdings vorgestern Vadder und Bruder, die sich Abends noch in der Dorfkneipe vergnügt hatte.

Mein Bruder hatte zuvor bereits einen Gürtel und Unterhosen von seiner Freundin geschenkt bekommen, die mit Totenköpfen verziert waren. Eigentlich freute er sich darüber, doch als man ihm die Überlegung mitteilte, dass seine Freundin offenbar meine, an den Stellen sei „Tote Hose“, da wurde er doch etwas nachdenklich.

Des Abends bei meiner Tante versuchte meine Mutter mit ebenso hinterhältigen wie aussichtslosen Taktiken, mir einige Elemente des Festessens schmackhaft zu machen, die ich eben einfach nicht mochte. („Komm, die kannst ruhig essen, die schmecken jeeeeedesmal anders.“)

Anschließend haben wir gewohnt schief gesungen. Aber heute wird schon wieder gefuttert. Ich bin ja kein Kostverächter, aber wo soll ich denn damit noch hin? Man bräuchte so ein paar Mägen zum Essen einlagern, das man dann so ne Woche nach der Mahlzeit wieder abrufen kann oder so…

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Hier in Leer haben sie gerade den Weihnachtsmarkt offiziell mit nem Feuerwerk eröffnet. Die haben doch den Schuss nicht gehört.

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Frohe Weihnachten wünsche ich bei der Gelegenheit noch eben.

Kirche gestern war besonders amüsant. Wir waren dieses Jahr im 15-Uhr-Gottesdienst, der für Familien gedacht ist. Zunächst kam der Pastor mit den Jahreszahlen durcheinander und meinte, Jesus sei vor 2500 Jahren geboren worden (er meinte „2005“). Auf seine Frage an die anwesenden Kinder, wo Maria und Josef denn wohl in Bethlehem untergekommen seien, kamen Antworten wie: „Im Schlafzimmer!“ Und schließlich hätten die Kinder anstelle von Ochs und Esel lieber „Ziegen und Pferde“ mit im Stall gehabt.

Vorher war ich noch in Leer beim traditionellen Glühweintreffen auf dem Weihnachtsmarkt. Traf unter anderem einen ehemaligen Lehrer von mir, der dem angehenden Lehrer Hauke ein paar Tipps mit auf den Weg gab, ihn aber gleichzeitig als Synchronsprecher für „lachende Mexikaner“ vorschlug.

Helge war auch da. Aber auf einmal war er verschwunden. Einfach so weg. Das verleitete Hauke dazu, festzustellen, dass Helge ja „höllenschwul“ sein („Hell-Gay“). Wat’n Humor.

Des Abends spielten wir im Kreise der Familie Gesellschaftsspiele. Vadder wollte aber lieber die Rummykub-Plättchen sortieren und Mutter erzählte, wie gut sie doch sei, obwohl sie „so dösig gespielt“ habe. Uke hatte einen Gott-Komplex.

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Gestern startete mit der großen Betriebsweihnachtsfeier die alljährliche Fressorgiensaison. Lecker war das. Aber alle warteten auf das groß angekündigte Unwetter und es gab nur ein bisschen Wind und Schnee. Jedes mal das gleiche Elend. Unwetterwarnung und dann nur ein laues Lüftchen. Alles Panikmache der Regierung. Angst macht gefügig.

Bei der Tombola hab ich dann jedenfalls ne Flache VW-Sekt gewonnen. Und im Laufe des Abends kam das Gespräch auf die Maulwurfsplage und wie man damit umzugehen hat. Einer hatte eine ganz hinterhältige Methode, die Dinger loszuwerden, wie er berichtete: „Ich fange sie lebendig und begrabe sie dann bei lebendigem Leibe…“

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Für den Höhepunkt der Weihnachtsfeiertage sorgte meine Kusine. Sie wich gestern Abend großzügig meinem am Wegesrand geparkten Auto aus und blieb mit ihrem Kleinwagen im Schlamm am Ufer der Wieke stecken.

Zunächst bemühten mein Vater und ich uns, sie aus der Pampe zu schieben – vergebens. Anschließend meinten die Damen (ihre und meine Mutter), es besser zu können. Ihre ebenso vergeblichen Versuche wurden schließlich von einem sich über sie ergießenden Schlammregen gekrönt, verursacht durch den allzu nervösen Fuß meiner Kusine auf dem Gaspedal. Das war ein Spektakel.

Schließlich musste unser Nachbar mal wieder mit seinem Abschleppseil aushelfen. Apropos Nachbarn: Die sizilianische Exfreundin meines Bruders wünschte uns in ihrer nicht ganz korrekten Erinnerung an die deutschen Vokabeln „Frohe Nachbarn“.

Vadder trieb uns derweil in den Wahnsinn, weil er vor wenigen Tagen eine Sendung über Weihnachtsbaumbrände im Fernsehen gesehen hatte und nun überall Brände witterte. Dabei hatten wir nichtmal einen Obstbrand.

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Das war wieder ein Tag gestern. Das fing schon beim Aufstehen an. Ich hatte sehr schlecht und angespannt geschlafen und irgendwie dadurch fürchterliche Rückenschmerzen bekommen.

Das sorgte über den ganzen Tag hinaus für Unmut, richtig lästig wurde es aber am Abend. Da hatten wir nämlich Firmen-Weihnachtsessen mit anschließendem Kegeln. Und das Kegeln… Tja… bei der zweiten Runde musste ich die Segel streichen. Das war peinlich.

Aber im Großen und Ganzen war das lustig, das Weihnachtsessen. Da packen ja einige dann immer die unmöglichsten Geschichten aus. Etwa aus der lange zurückliegenden Zeit als OP-Zivi. Oder von einschlägigen Angeboten beim Versehen des Postbotendienstes. Oder ausm Puff. (Pfui!) Der eine Anzeigen-Kollege holt nämlich immer in den einschlägigen Etablissements in der niederländischen Nachbarschaft Anzeigen ein.

Und da er auch ansonsten nicht mit Geschichten geizt, bekamen wir natürlich einiges zu hören. Das ganze gipfelte in der Beschreibung eines Parkservices, wo die Kunden etwas abseits parken können und dann in einem neutralen Bus abgeholt und zum Etablissement gefahren werden. Er nannte es liebevoll „Park & Reit“.

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Und der Josef beim Krippenspiel sah aus wie ein Penner und war einen Kopf kleiner als Maria. Und eins der Hirtenkinder feuerte mit Inbrunst ein Kuscheltier in die Krippe. Und die Könige waren Psychopaten und haben ziemlich falsch gesungen.

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Fröhliche Weihnachten, alle zusammen. Ob ihr es nun verdient habt, oder nicht.

Da war doch tatsächlich noch vor Weihnachten noch so ein Telekommensch hier und hat das Telefon zum Laufen gebracht. Ein Weihnachtswunder. Aber damit bestätigt sich folgender Trend: Deren Servicemitarbeiter in den Call-Centern und T-Punkten sind zu einem nicht unerheblichen Teil Pfeifen, während die Techniker es immer wieder hinbekommen. Auch wenn die Techniker immer komische Vögel sind. Der hat mich sogar ungefragt geduzt. Naja, so lange das Telefon nun funktioniert, soll mir das recht sein.

Dann kamen meine Kumpels gestern spontan noch auf die Idee, auf meiner Dachterrasse zu grillen. Das erinnerte mich an alte Studentenzeiten in Münster. Wintergrillen und so. Jedenfalls stellten wir fest, dass das Grillfleisch bei Frost besonders zart und schmackhaft wird.

Und der Dreck, den die Kollegen angerichtet haben, hält sich erstaunlicherweise auch in Grenzen.