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Wo ich neulich in der Heimat war, hab ich einen alten Kollegen besucht. Und wie ich so mit ihm und seiner Frau – sie hochschwanger, er hochzufrieden – beim Tee zusammensitze, fällt mein Blick auf ein unscheinbares Büchlein, dass ganz unauffällig neben den beiden auf dem Sofa liegt. Das hässlich eingebundene Machwerk trägt den Titel „Die gute Ehe“, oder genauer: „Die gute Ehe“.

„Daher also weht der Wind“, denke ich mir und lasse es mir nicht nehmen, ein wenig darin herumzublättern, allem inneren intuitiven Widerstreben zum Trotz.

Das Buch ist im Bertelsmannverlag erschienen und stammt grundsätzlich aus dem Jahr 1959. Die mir vorliegende Ausgabe wurde allerdings 1962 gedruckt, und zwar in der 14. Auflage. Muss also gut sein, das Buch. Kann gar nicht anders. Ich habe aber, ehrlich gesagt, trotzdem nicht wirklich Bock,  tiefer in die Materie einzusteigen.. Ein Blick ins Vorwort und das Inhaltsverzeichnis lässt einen echt gruseln und genügt eigentlich schon.

Im ersten Teil dieses beliebten Ratgebers geht es um die Ehe im Allgemeinen. Hier finden wir so wunderbare Kapitelüberschriften wie „Ehe und Alltag“, „Schwierigkeiten und Krisen in der Ehe“, „Der eigene Hausstand“ und dem Abschnitt „Ehe und Beruf“ sind so wunderbare Unterkapitel wie „Die Hausfrau“, „Putzteufel oder Schlampe“, „Die berufstätige Ehefrau“ und „Der lebensuntüchtige Mann“ zugeordnet.

Im zweiten Teil des Buches gehts es dann ganz profan ums Bumsen (hier auch „die geschlechtliche Vereinigung“ genannt). Neben präzisen Beschreibungen der Geschlechtsteile und einer besonderen Berücksichtung der „Brautnacht“ ist auch jedem Monat der unweigerlich folgenden Schwangerschaft ein eigenes Kapitel gewidmet:

Der dritte Teil ist dann aber schließlich besonders spannend. Es beginnt mit einem Kapitel über Gleichberechtigung und endet mit ausführlichen Texten über Scheidung, lässt zwischendurch aber auch das Thema „Elterliche Gewalt“ nicht aus. Alles dabei.

Zum Schluss möchte ich dann aber doch noch mal in den ersten Teil des Machwerks zurückspringen. Ein wenig geschmökert habe ich dann nämlich doch, und zwar im Kapitel „Eheähnliche Verbindungen und Formen der Ehe“. Denn Bezeichnungen wie „Kameradschaftsehe“ oder „Onkel-Ehe“ hatte ich noch nie gehört. Ihr?

„Unter Kameradschaftsehe versteht man auch eine […] Ehe, in der aus freier Übereinkunft, etwa wegen Krankheit […] oder Impotenz […], auf den Geschlechtsverkehr verzichtet wird. Die katholische Kirche kennt die sogenannte Josephs-Ehe, auch Engelsehe oder Keuschheitsehe genannt.“ (S.123)

Oder auch:

„Die Onkel-Ehe hat als besondere Erscheinung der Nachkriegszeit Anlaß zu sehr lebhaften Diskussionen gegeben. Sie bezeichnet das ehelähnliche Verhältnis einer Rente oder Pension beziehenden Witwe mit einem Partner, den sie nicht heiratet, weil sie bei einer Wiederverheiratung ihre Bezüge verlieren würde. Sie lebt mit diesem Partner oft in der gleichen Wohnung. Für die Kinder ist dieser ‚verhinderte‘ Stiefvater der ‚Onkel‘ […]. In weiten Kreisen verurteilt man die Ehe als offensichtliches Konkubinat und verlangt, dass der Staat drakonisch dagegen einschreite. Andere wieder versuchen sie zu entschuldigen und geben dem Staat die Schuld daran, daß solche Onkel-Ehen überhaupt möglich sind. […] Wohl alle Beurteiler aber sehen die Onkel-Ehe als einen unwürdigen Zustand an […].“ (S.123-124)

Man sollte sich die Rechte an der Theater- und Musical-Umsetzung dieses Buchs sichern. Dringend.

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Schiffen und Kacken strengstens verboten!

Schiffen und kacken untersagt

a) Dass man das überhaupt mitteilen muss, lässt tief blicken
b) Das Schild erweckt den Eindruck, als dürften nur Männer nicht ihre Notdurft an dieser Stelle verrichten. Sexismus?

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Alle, die das korrekte Vokabular zum Frauenabschleppen noch nicht drauf haben, können in der heutigen Taz noch einen Crashkurs bekommen. Am besten ist diese Stelle:

„Er [der Bumsguru] erklärt, wie man im Handy Telefonnummern verwaltet. Eindeutig verschlagworten: fuck body, future-ex-girlfriend, marriage material, etc. Fickbeziehung, künftige Ex, Material für die Ehe, etc. Er gibt Instruktionen fürs Date. Erst Café, dann Kino, dann Sex. Sex immer erst beim zweiten Treffen. Alles andere ist unprofessionell.“ (Taz vom 1.12.2008, von Bernd Kramer)

Ich werde dann mal alle meine HP10s in meinem Mobiltelefon entsprechend verschlagworten und ein paar Fuck Close’s klar machen… *tilt*

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Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Geschichtslehrerin in der 7. Klasse von den patriarchalisch geprägten Strukturen in den USA redete und prophezeite: „Eher wird ein Schwarzer Präsident in den USA als eine Frau.“

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Naja, aber wer in diesen Tagen Friesischstudent ist, der darf nicht rumunken, denn die Nordfriesische Fußballnationalmannschaft hat es bei der Minderheiten-Europameisterschaft vollbracht, in drei Spielen 86 Gegentore zu bekommen.

Zur Ehrenrettung muss man aber sagen, dass die Nordfriesen als einziges Team mit einer reinen Frauenmannschaft angetreten sind. Eigentlich ’ne sehr coole Angelegenheit. Da gereicht es weder deutschen Nordschleswigern (19 Treffer) noch serbischen Kroaten (21 Treffern) und am wenigsten ungarischen Roma (46 Treffer) zur Ehre, eine Damenmannschaft dermaßen über Gebühr zu demütigen.

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Fallen einem ja an jeder Ecke auf: Junge Mädels, die so angezogen sind, als wären sie billige Bordsteinschwalben. Gerade, wenn man in der Disko ist, denkt man sich manchmal, dass sich die armen jungen Dinger genausogut „Fick mich“ auf die Stirn schreiben könnten. Furchtbar, wozu man sie gemacht hat. Die letzten Illusionen werden einem geraubt, wenn man als Geprächsfetzen von diesen zutiefst minderjährigen Mädels so Sätze mitbekommt wie „Es ist langweilig hier. Keiner baggert mich an“ oder „Dieunddie Schlampe hat sich von Demunddem ficken lassen. Dabei wollte ich den doch ficken.“ Das hat man ihnen vermittelt. Das ist es, woran sie ihren Wert messen.

Ja, liebe Jungs, ihr habt es tatsächlich geschafft: Ihr habt euch eine Generation von Mädels herangezüchtet, die sich zu Tode hungert, um einem irren Schönheitsideal zu entsprechen und euch zu gefallen. Eine Generation von Mädels, die es als sinnstiftend empfindet, dummes Machogehabe zu bewundern. Eine Generation von Mädels, die es als Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung sieht, sich von möglichst vielen oder möglichst beliebten Kerlen bumsen zu lassen, je früher desto besser. (Gut, ich verallgemeinere vielleicht mal wieder bisschen. Aber trotzdem…)

Tja, liebe Jungs. Ihr habt hart daran gearbeitet, aber ihr habt es geschafft. Heute spielte mir eine Bekannte sozusagen als Krönung des ganzen folgenden Text zu. Quasi die Anleitung dazu, wie Frau zur billigsten Schlampe wird. Verpackt als mehr oder weniger ernsthafter Ratgeber für die Frau, wie sie dem Mann noch besser gefallen kann. (Siehe auch bei Docdee.) Damit der Kerl sich noch weniger anstrengen muss, die Mädels in die Kiste zu bekommen und damit sie es für normal hält, ihm zu Diensten zu sein.

Mein Gott, was kotzt mich das an.

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Ach, heute ist wieder so ein „An-der-Menschheit-Zweifel“-Tag. Die Leute im Fitnesscenter nähern sich immer mehr irgendwelchen fiesen Klischees an. Und mir wird es nur immer bewusster. Neben den Leuten, die irgendwie sowieso immer da sind, wenn ich auch da bin (natürlich waren sie heute auch da – vielleicht wohnen die da ja auch) und einigen quiekenden, fürs Fitnessstudio eindeutig zu übertrieben geschminkten Damen um die 20, haben mir heute zwei halbstarke Jungs den Tag verleidet.

Ich weiß nicht, ob sie meiner Gegenwart nicht gewahr geworden sind, jedenfalls unterhielten sie sich in der Umkleidekabine darüber, wer von ihnen denn „mehr Bräute flachgelegt“ habe. Besonders hevorgehoben wurden Superlative wie „besonders jung“ und „besonders alt“ und sogar „besonders hässlich“. Und etwas ganz Tolles scheint es zu sein, sich heimlich an die Schwestern oder Freundinnen von guten Freunden ranzumachen und sie dann sitzen zu lassen („Alda, ey, der weiß das bis heut nisch! HAHAHAHAHA“)

Zu guter Letzt, als ich seelisch sowieso schon am Boden war, fragte mich dann eine Fitnesscenterbedienstete verwundert, ob ich den Springbrunnen leer getrunken hätte. (Hab ich nicht, glaube ich.)