(Untitled)

Gestern wohnte ich der Geburtstagsfeier einer meiner Mitbewohnerinnen in ihrer nordrhein-vandalischen Heimatbasis bei. Kaum war ich angekommen, lief mir ihre Mutter über den Weg. Als sie mich sah, rief sie aus: „Oh, da ist er ja. Den wollten wir hier doch nicht mehr haben!“

Ich überlegte, was ich im vergangenen Jahr so Übles getrieben haben konnte, dass mich die Dame Hauses prompt wieder hinauswerfen wollte.

Es stellte sich aber rasch heraus, dass es gar nicht um mich ging, sondern um die Flasche Kruiden (dieser feine ostfriesische Kräuterschnaps), die ich in der Hand hielt. Ein ähnliches Exemplar soll nämlich unbestätigten Gerüchten zufolge im vergangenen Jahr für den frühzeitigen Totalausfall des Geburtstagskindes gesorgt haben.

Halte ich für Verleumdung.

(Untitled)

Also wirklich. Aber der Reihe nach.

Gestern hatten wir Friesen-Stammtisch, gekleidet in gemeinsames Grillen, Trinken und Fußball gucken. War ein sehr netter Abend, ich war ausgesprochen gut gelaunt und es wurde auch etwas später, bevor ich dann schließlich nach Hause lief. Sehr netter Abend.

So, heute dann ich ganz normal halt aufgestanden und so und zur Uni. Und alle möglichen Leute, bevorzugt welche, die gestern Abend nicht dabei waren, sagten mir Dinge wie: „Temmo, dafür dass du gestern so gesoffen hast, sieht du aber gut aus.“ Oder: „Von dir habe ich ja Sachen gehört, du sollst ja tierisch betrunken gewesen sein gestern Abend.“ Und sowas, die ganze Zeit.

Man ist gut gelaunt, und schon wird überall rumerzählt, ich wäre sturzbesoffen gewesen. Der Hohepunkt kam dann aber zum Ende des Uni-Tages. 18 Uhr, letztes Seminar des Tages bei Frau Schmidt. Die kam rein, sah mich an und sagte: „Nach dem, was ich von Ihnen gehört habe, hätte ich nicht erwartet, Sie heute im Seminar zu sehen.“

(Untitled)

Ich habe ein grundsätzliches Problem mit der Gesellschaft: man findet die Cocktails, die ich mische, grundsätzlich zu stark. Man darf eben nie vergessen, dass man in der „Großstadt“ ist. Von Schnaps und Sturmflut haben die hier nur in Legenden gehört.

Meine Mitbewohnerin ist noch nicht wieder zu hause. Unangemessener Weise gefällt mir das gar nicht.

Zudem brach ein Kollege eine gute Stunde vor mir von der kleinen Feier auf, auf der wir waren. Trotzdem lief er mir auf meinem Heimweg über den Weg. Zeitloch, Umweg oder Alkohol müssen da im Spiel gewesen sein. (Oder einfach die Tatsache, dass ich einen Teil meines Heimweges in einem Großraumtaxi zurücklegen durfte.)

Im WG-internen WM-Tippspiel führe ich immer noch. Ich bin im Reigen der Nullnummern der mit den am wenigsten jämmerlichen Ergebnissen.

Auf der Straße unter meinem Schlafzimmerfenster versucht ein Mitbürger mit mangelnden Deutschkenntnissen zu rappen. Dabei entstehen Stilblüten wie: „Ich fick dir in den Krankenhaus.“ Interpretationsspielraum ist gegeben.

Der Taxifahrer eben konnte an meinem Geruch erkennen, was ich gegrillt hatte.

Eine Kommilitonin (furchtbar studentisches Wort) fürchtete, man könne sie und mich für ein Liebespaar halten. Unverschämtheit.

Eine ehemalige mehr als schlanke (= reichlich dürre) Mitstudentin hat nichts dagegen, wenn ich sie „Moppelchen“ nenne.

Und dann war da noch die sehr liebe Hündin (Boxer-Mischling mit ausgeprägtem Kindchenschema), die ich sehr mochte. Und ich dachte, sie mochte mich auch. Aber es war nur das Grillfleisch, das ich in der Jackentasche hatte. Immer das Gleiche: die Frauen wollen nur mein Fleisch.

(Untitled)

Mitbewohnerin A schätzt die Vorteile von vorhandener und nicht vorhandener Kleidung: „Ich mag dieses Rock, da fühle ich mich, als hätte ich nichts an.“

Mitbewohnerin B ist gelegentlich ähnlich weise wie ich: „Auf jeden Topf passt ein Deckel, auf jede Brust passt ein Nippel.“

Und Mitbewohnerin C hat jetzt einen einen großen Hammer…

Edit:

Mitbewohnerin C: „Ich habe gerade Minzschnaps getrunken, dann brauche ich mir doch eigentlich nicht mehr die Zähne putzen.“

(Untitled)

Hatte heute anlässlich Haukes Geburtstags mal wieder Weißwein Cum Spiritus Sanctus. Könnte man durchaus als neues Trendgetränk etablieren.

(Untitled)

Aus unserer Reihe „Ostfriesen auf Diät“.

Eine Bierbude an irgendeinem Osterfeuer irgendwo in Ostfriesland.

„Moin. Ich hätt gern Cola Light.“
„Cola Light haben wir nich.“
„Hm. Dann nehm ich Cola Korn.“

(Untitled)

Vergangenes Wochenende feierten wir groß einen runden Geburtstag meiner Mutter. Das war erlebnisreich. Insbesondere mein Bruder kultivierte einmal mehr den Krawall, nutzte im Suff jede Gelegenheit, um mich zu beleidigen und brachte sogar unseren (protestantischen!) Pastor dazu, ihm die Exkommunikation anzudrohen. Außerdem hielt mein Bruder bei niemandem mit seiner neuen Erfindung hinter dem Berg: das neue Herrengedeck. Nicht mehr ein Pils und ein Klarer, sondern ein Pils und noch ein Pils…

Das Beste war aber Mutter. Zu Beginn der großen Feier musste sie ein bisschen Zeit schinden, bis das Buffet aufgebaut war. Dies nötigte sie zu einer Begrüßungsrede bilbo-beutlinschen Ausmaßes. Da brachte sie einen Klops nach dem anderen, ungefähr dieser Qualität: „Ich stell euch jetzt mal grob vor. An diesem Tisch sitzt meine Familie, an diesem Tisch meine Kollegen, an diesem Tisch sitzen meine Freunde und an diesem Tisch…“ Pause. Nachdenken. Blick auf die Leute am Tisch. Blick auf das Schild am Tisch. Wieder Blick auf die Leute am Tisch. Dann setzt sie fort: „…auch meine Freunde.“

(Untitled)

Ich war gestern auf eine Emsländerparty eingeladen, sozusagen als ostfriesischer Ausgleich. Aber das war alles gar nicht so schlimm, ich konnte die emsländischen Horden rasch mit ein wenig Kruiden neutralisieren und schon war das schlimmste verhindert.

Höhepunkt des Abends war für mich allerdings kein Emsländer, sondern eine ortsansässige Dame. Sie stand nervös vor dem offensichtlich unbesetzen Klo, sprang vom einen Bein aufs andere und presste nur hervor: „Wer ist da denn so lange drin?“ Umso spektakulärer war dann auch das Schauspiel, als einfach jemand an ihr vorbei ging und das freie Scheißhaus in Beschlag nahm. „Das sah so besetzt aus! Woher sollte ich wissen, dass da keiner drauf ist?“

(Untitled)

Alle paar Wochen soll es auch mir mal vergönnt sein, mich ein bisschen zu betrinken. Umso hinterhältiger finde ich es dann, wenn ich mir erst ein paar Bierchen genehmige und mir dann, so gegen 2 Uhr früh, erklärt wird, dass noch einige Aktivitäten anstehen, die eine gewisse Motorik erfordern, so mit Bauklötzen und um sich selbst drehen und so.

Das war sehr demütigend. Beim Spiel „Tabu“ (ihr wisst schon, das Spiel, wo man so Begriffe erklären und erraten muss) war ich hingegen nicht allein, was die Demütigung anging. Nein, ich war sogar im Siegerteam – die Männer hatten am Ende die Frauen lang gemacht. Das hatte ganz einndeutig damit zu tun, dass alle Männer ähnlich unkompliziert ticken und selbst nach gewissem Alkoholkonsum auf kompakteste Assoziationen korrekt reagieren. Wenn einer „Regina?“ sagt, dann wissen alle anderen sofort, dass sie „Regenbogen“ antworten müssen. Und wenn einer die Erklärung „Schwule französische Sahne“ liefert, dann ist allen anderen Klar, dass es sich nur um „Crème fraîche“ handeln kann (sofern er weiß, das sowas existiert).

Bei den Frauen ist das nicht so einfach. Anstelle eines kollektiven Bewusstseins, wie bei den Männern, erlangt man sogar sehr tiefe Einblicke in die wirren Gedankengänge der individuellen Person(in). Die eine soll zum Beispiel den Begriff „Ballett“ erklären, und hielt als begeisterte Fußballerin folgenden Hinweis für selbsterklärend: „Was würde ich niemals machen?“ Klare Sache, was kann das anderes sein als im Tütü rumzuhüpfen. Allerdings schallte ihr dann sofort mit der gleichen Selbstsicherheit die Antwort „Analsex“ entgegen.

Selbst bei einem denkbar dankbaren Begriff wie „Schuhe“ mussten sie sich erst durch die verschiedenen Pforten der Hölle kämpfen, bis sie auch nur ansatzweise der Lösung nahe kamen:

„Wovon haben Frauen ganz viele?“
„Probleme!“
„Nein, am Körper!“
„Pickel!“
„Nein, weiter unten!“
„Haare!“

Und ich weiß schon gar nicht mehr, welcher Begriff erklärt werden sollte, als auf den Hinweis „Womit streichst du deinen Schrank?“ die Angesprochene mit Inbrunst rief „Kommunismus!“

Naja. Um den etwas surrealen Gesamteindruck des Abends abzurunden, sei vielleicht noch erwähnt, dass auf einmal das BVB-Maskottchen Emma auf der Party auftauchte und Autogramme verteilte.

(Untitled)

Auf einer Abschiedsparty am Wochenende konnte ich mich nicht verabschieden, weil die zu Verabschiedende zu besoffen war um die Abschiedsgrüße entgegen zu nehmen.

(Untitled)

Anlässlich des heutigen Jahrestages musste ich an meinen ehemaligen Politiklehrer denken, der zu sagen pflegte: „Als der Warschauer Pakt sich auflöste, hab ich erstmal ne Flasche Schampus aufgemacht.“

(Untitled)

Oh, und dann gibt es ja auch noch die Variante, dass zwar genau überlegt hat und weiß was man sagen will, es aber dann vollkommen bekloppt in Worte kleidet. Da kann auch Finsteres bei rauskommen. So geschehen zum Beispiel gestern Abend. Peinliche Angelegenheit.

Wir waren auf dem Weg zur Kieler Woche und kamen am Rotlichtviertel der Stadt vorbei und unsere westfriesischen Spießgesellen machten spaßeshalber Anstalten, doch lieber in die Peepshow gehen zu wollen als an den Hafen. Ich wollte dieses Ansinnen wortgewandt abschmettern, indem ich (mit meiner patentierten Mischung aus Galanterie und Schmierigkeit) darauf hinzuweisen gedachte, dass es sich nicht lohne Geld für so etwas auszugeben. Wir hätten mit der uns begleitenden jungen Dame doch eh schon die bestaussehendste Frau dabei, und das würde uns auch noch nicht einmal was kosten.

Ja, das wollte ich ausdrücken. Aber was hab ich dann tatsächlich gesagt? „Nee, wir haben doch Göntje. Die sieht besser aus und ist billiger.“

Das gab ein Donnerwetter…

(Untitled)

Ich hörte neulich, dass der Verzehr von Cashew-Kernen in Verbindung mit Biergenuss eine äußerst stimmungsaufhellende Wirkung haben soll (wegen gesteigerter Serotoninproduktion oder sowas).

Ich bin kein Mediziner, aber meines Erachtens ist Bier alleine bereits ausreichend zur Stimmungsaufhellung.

(Untitled)

Ein italienischer Kellner überschüttete mich gestern mit Wein. Immerhin musste ich den Wein dann nicht bezahlen.

(Untitled)

Nachdem der freitgliche traditionelle Gallimarktsgang in relativ geordneten Bahnen verlaufen ist, war ich gestern noch mit meinem Bruder auf dem Markt. Und der htte sich nicht beschweren drfen, wenn er verhauen worden wre. Denn er hat eigentlich so ziemlich alles und jeden beleidigt, dessen er habhaft werden konnte. Nur Freerk hat das gefallen, der stellte dann auch gleich mal eine Rangfolge her: Ich war die Oberfotze, er die Fotze und mein Bruder die Unterfotze.

Zu guter letzt, als wir fast schon wieder Zuhaus waren, lie sich mein Bruder auf ein Streitgerpch mit einem nicht mit alkoholisierten Schausteller ein, der ihn dazu animieren wollte, an seiner Bude Plastikenten zu angeln. „Ich habs nicht so mit Enten“, schien dem Schausteller kein ausreichendes Argument zu sein.

Als wir dann berraschenderweise ohne Schaden wieder in meinen vier Wnden waren, wollte mein Bruder unbedingt noch Oswald Kolle im Fernsehen gucken. Ich konnte ihn aber schlielich mit den Predigten von Joyce Meyer auf Bibel-TV einlullen.

(Untitled)

„Stell Dir vor, es ist Gallimarkt und keiner geht hin – dann kommt der Markt zu Euch! Wer zu Hause bleibt, wenn der Suff beginnt, und lsst andere trinken fr seine Sache, der muss sich vorsehen: Denn wer den Suff nicht geteilt hat, der wird teilen den Katzenjammer. Nicht einmal Suff vermeidet, wer den Sufff vermeiden will, denn er wird trinken fr die Sache des Feindes, wer fr seine eigene Sache nicht getrunken hat.“

(Frei nach Carl Sandburg, Bert Brecht und einigen Flschern.)

So kommt es mir manchmal vor hier.

(Untitled)

Und in dem Haus des Friesenvereins, das wir besichtigten, war in jedem zweiten Raum ein mehr oder weniger gut verstecktes Fach, in dem sich ’ne Flasche Schnaps oder Wein befand. „Bisschen Spa muss ja auch sein“, sagte man uns dazu.

(Untitled)

Neulich musste ich mir anhren, man habe noch nie einen Mann getroffen, der so viel Sekt trinkt wie ich.

Ja, wat soll man denn aber sonst machen, wenn es nichts anderes auf der Feier zu trinken gibt?