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Ich bekam heute eine Postkarte von unserer ehemaligen italienischen Erasmusstudentin. Sie war zwar nicht lange bei uns in der Frisistik, aber wir haben sie ganz gut eingenordet, glaube ich. Sie wünschte mir nämlich „viel vor Schmalz glänzenden Grünkohl“.

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Das war ein Wochenende. Es begann mit einem verlngerten Aufenthalt auf der A1 bei Bockel. Ich hatte anderthalb Stunden Zeit, noch einmal 15 Kilometer dieser alterwrdigen Fernverkehrsstrae intensievst zu begutachten, bevor sie in den kommenden Jahren runderneuert wird.

Am Abend geriet ich mit einem Serviceautomaten der Spakasse aneinander, der nach einem Druck auf den „Abbrechen“-Knopf meine EC-Karte fra.

Am Sonnabend folgte der Hhepunkt, nmlich das Boeln im Schneesturm. So ein bisschen Wintereinbruch hlt keinen Ostfriesen davon ab, mjesttisch das Pockholz durch den Hammrich sausen zu lassen. Wir machten allerdings den Fehler, als Prinzip der Mannschaftsaufteilung „Jung gegen Alt“ zu whlen, also 70er Jahrgnge gegen 80er Jahrgnge. Als die „Alten“ nach wenigen Metern bereits 3:0 fhrten, haben wir dann doch neu gemischt…

Das Wochenende klang dann vergangene Nacht fr mich mit einem frchterlichen Traum aus, in dem mich Chirurgen durch ganz Ostfriesland verfolgten, um mir einen Fu abzunehmen.

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Bei der Boel-Europameisterschaft in Irland haben die irischen Gastgeber die Ost-Friesen ganz elendig abgezogen und im Straenboeln alle Medaillen gewonnen. Bei den Herren haben die Iren sogar die Pltze 1 bis 9 belegt. Und warum? Eine ganz perfide Methode der Gastgeber: Die Strecke, welche die Iren fr die Wettkmpfe im Straenboeln ausgewhlt hatten, ging bergauf. Sowas kann man beim besten Willen in Ostfriesland nicht trainieren.

Gegen den Wind kann man ja in Ostfriesland leider Gottes keine Strecke abstecken. Im Gegensatz zu zu irischen Bergen bewegt sich der friesische Wind manchmal.

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Polterabend auf dem heimischen Fehn. Carolin war als Ethnologin sehr angetan von den zahlreichen heidnischen und exotischen Bruchen der Fehntjer. Ich erfreute mich dafr an den kleinen Anekdoten, die so einer Feierlichkeit mit sich bringt.

Beispielsweise folgende: Um Mitternacht werden standesgem die Hose des Brutigams und der BH der Braut verbrannt. Der Mann mit der Fackel macht sich am Rande dieses Ereignisses einen Spa daraus, einem seiner Kumpels die Flamme kurz in den Schritt zu halten.

Ein anderer Kollege meint darauf in einem sehr berzeugenden Tonfall: „Pass auf, was du da machst! Da ist nur ne sehr kurze Lunte, das gibt gleich ’ne gewaltige Explosion!“

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Ach ja, da ging er dahin. Soeben ging die letzte plattdeutsche Ausgabe des „Pottkieker“ zuende, des allmorgentlichen Vormittagsmagazins von Radio Ostfriesland. Einmal die Woche gab es dat Ding auf Platt, und ich war damals von Beginn an mit dabei – modernformuliert man dasheutzutage wohl so: „Er hat die Sendung in ihrer Anfangszeit entscheidend mitgeprgt.“ Das war immer ne Gaudi…

Den Pottkieker gibts wohl weiter, ab sofort dann aber durchgngig auf Deutsch. Die plattdeutsche Schiene wird wohl ab dem 1. April durch ein tgliches plattdeutsches Mittagsmagazin ersetzt. Find ich auch nicht schlecht.

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Bei Osterfeuern ist ja interessanterweise auch immer die örtliche Feuerwehr ganz vorne mit dabei. Als wenn die sich darüber freuen, einmal im Jahr den Brand nicht löschen zu müssen, sondern legen zu dürfen. Und da sind die dann mindestens genauso fachmännisch dabei. Wenn das Wetter zu feucht oder dein Haufen nicht fachmännisch aufgeschichtet ist und dein Feuer nicht brennen will – hol die Feuerwehr (oder Hilko mit der Signalpistole).

Unweit unsereres bereits recht stattlichen Osterfeuerhaufens hatte also auch die örtliche Freiwillige Feuerwehr ihr Feuerchen angerichtet. Es wurde berichtet, auf dem ersten Blick habe man den „aufgeschichteten“ Haufen beim Vorbeifahren für einen kleinen Wald gehalten, den man zuvor noch nie bemerkt hatte. Des Nachts war jedenfalls ein schöner Feuerschein über dem Dorf zu sehen, der einer Feuerwehr würdig war. Die Jungs hatten zur Sicherheit jedenfalls auch gleich einen Einsatzwagen zur Feuerstelle beordert. Sehr löblich. Der gemeine Bürger hätte aber eh nicht mehr auseinander halten können, ob da nur der Winter vertrieben wurde oder das Overledingerland in Flammen stand.

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Ich berichtete ja davon, dass es bei den Biikefeuern in Nordfriesland hie und da Brauch ist, den Haufen von anderen Leuten schon heimlich in der Nacht vorher anzuznden. Beim gestrigen Osterfeuer spekulierten wir auch darber, ob es diesen Brauch auch mal bei den ostfriesischen Osterfeuern gegeben haben knnte. Damals sei das Osterfeuer noch am Ostersonntag abgebrannt worden.

Den sturen Ostfriesen ist es nur eines Tages zu doof geworden, dass irgendwelche Rotzlffel aus dem Nachbardorf den mhsam zusammengetragenen Haufen aus Gestrpp, Autoreifen und asbestverseuchtem Bauschutt vor der Zeit in Flammen aufgehen lieen und so kam man ihnen einfach zuvor und osterfeuerte einfach schon am Sonnabend. Und so, wie es die Legende berichtet, ist es bis heute geblieben.

Hilko regte allerdings an, diesen Brauch wiederzubeleben und am Karfreittag loszuziehen. Als progressiver Traditionalist brachte er dabei auch die Variante mit der Leuchtspurmunition ins Spiel. Man knne einfach mit seinem Wagen vorfahren und den Osterfeuerhaufen von der Strae aus in Brand schieen. So habe man es ihm aus anderen Gegenden berichtet.

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Auch bei der diesjhrigen Osterhitparade des Radiosenders FFN ist das Friesenlied „Freje Wind de Wulken weiht“ von Laway wieder gut platziert. Allerdings haben wir ein paar Pltze abgegeben und Landen „nur“ auf der 174. Aber im Gegensatz zu den vergangenen Jahren gab es in diesem Jahr keine groe Stimmenkampagne. Von daher: All up Stee.

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„Die alten Sachsen, die ungefhr im heutigen Ostfriesland siedelten….“ Mein Gott, wenn ich so etwas lese – gerade in einer angeblich renommierten groen deutschen Zeitung wie der FAZ, dann kann ich wirklich nicht mehr davon ausgehen, dass die Redakteure sich tatschlich mit dem befassen, was sie schreiben.