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Klasse. Jedesmal, wenn ich mich dazu bequeme zu kochen, bequemt sich keiner der Hausbewohner dazu, zum Mittagessen nach Hause zu kommen.

Als nach einem einsamen Mittagessen meinerseits meine Mutter schließlich doch nach Hause kam, war sie auch noch ziemlich ungemütlich. Dann wollte sie zur Sparkasse. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass sie aus umwelttechnischen Gründen die paar Meter doch lieber mit dem Fahrrad fahren sollte. Sie meinte nur, die Umwelt wäre ihr in diesem Fall scheißegal. Dann rauschte sie zur Tür hinaus, nur um einen Moment später den Kopf noch einmal zur Tür herein zu stecken und süffisant in den Raum zu flöten: „Scheißegal“.

Erschreckenderweise fange ich mittlerweile auch schon an, mit Vadders Papagei „Schröder“ Gespräche zu führen, wenn sonst niemand im Haus ist. Früher habe ich mit mir selbst gesprochen, heute mit einem psychopathischen Vogel. Naja, ein Psychopath ist so gut wie der andere. Schröder wußte auf meine Frage nach einem Mehrfachstecker allerdings keine zufriedenstellende Antwort.

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Komme heute nach ein paar Stunden Abwesenheit nach Hause und freue mich über sieben neue Emails. Bis ich dann feststelle, dass da zwei „Letzte Mahnungen“, eine „Fristlose Kündigung“ und ein „Kennst du mich noch“ zwischen sind. Furchtbar.

Dann habe ich heute (schon wieder) gelernt, dass auf Frauen in gewissen Dingen kein Verlass ist. Spätestens wenn der Spruch kommt „Hast du meine SMS denn nicht bekommen?“, weiß man, woran man ist. Komisch, dass ausgerechnet die wichtigen SMSs nie ankommen. Aber so ist das mit den Frauen: Es geht nicht mit ihnen, es geht nicht ohne sie.

Naja. Schäfers haben auch ihren PC schon wieder zerschossen. Fragt man sich auch immer wieder, wie die das hinbekommen. Lotta hat da wahrscheinlich so ein ganz ähnliches Talent wie mein Bruder: Kaum ist der Rechner da, ist er auch schon wieder kaputt.

Des Abends in der Kneipe zeigte Joachim uns, wie man sich korrekt Remoulade ins Gesicht schmiert. Hannes hingene hat es geschafft, eine volle Schachtel Zigaretten zu verlieren, ohne sich dabei voons einem Stuhl zu erheben. Einfach weg. Und ich hatte nix damit zu tun. Ein Zeichen?

Ach ja, soweit es zu diesem Zeitpunkt eben möglich ist, bin ich nun offizieller Kandidat. Also macht mal alle schön Propaganda für mich.

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An ihrem letzten Tag konnte ich heute der Redaktionspraktikantin noch mal was bieten: Die Basics des Journalistendaseins. Strömender Regen, Eiseskälte, Sturm, Schlamm, brüllende Eingeborene, so manch exotisches Wesen in freier Wildbahn! Kurz: Ein Fußballspiel in Ditzumerverlaat. Abenteuer Journalismus.

Des Abends durfte ich außerdem die wiederauferstandenen Reste von Necrobiosis auf der Bühne bewundern. Bugenhagen. Ganz köstlich.

Kneters hat endlich mal eine Krankheit bekommen, die ihm angemessen scheint: Immer, wenn er rülpst, bekommt er tierische Ohrenschmerzen. Da muss wohl einer lernen, sich zurückzuhalten…

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Habe mich noch breitschlagen lassen, zum Konzert ins JuZ zu gehen. Da habe ich wieder einiges gelernt. Zum Beispiel von Hannes. Der klärte mich darüber auf, das Frauen nicht so auf Angrabe-Sprüche stehen wie „Du hast schöne Augen“, sondern eher auf „Geile Unterhose hast du an“.

Als ich mich nach dem Konzert von ihm verabschieden wollte, erfuhr ich von seinem Chef: „Der ist oben und muss Plakate kleben, zu Strafe dafür, dass er immer so viel schläft und so viel kackt.“

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Nach meiner Tour über die Ämter (die Amtsschimmel waren erstaunlich kooperativ und unkompliziert) landete ich noch in der Redaktion. Dort packte mich der Putzteufel und ich fing an, einen Schreibtisch aufzuräumen, der unter anderem lange Zeit von einem freiem Mitarbeiter genutzt wurde, der nun nicht mehr bei uns tätig ist. Und da habe ich Sachen gefunden… Düvel blixen!

Harmlos waren noch die verschiedenen Memos, die AUF dem Tisch lagen, die waren alle nur wenige Monate alt. IN dem Tisch jedoch: Stapelweise Photos (z.B. Stadfest ’95 und „Miss Hawaian Tropic 2001), Lebensläufe von uns allen unbekannten Personen, haufenweise Abrechnungen, der Durchschlag eines Kreditkartenantrages, Groninger Studienführer, Telefonnummern auf DinA3-Größe und natürlich ein uralt-Termin nach dem anderen.

Am interessantesten war allerdings ein Brief von Ebay, in dem einer bestimmten Person ihr Benutzername und Passwort mitgeteilt wurde. Himmel Gottes, was könnte man da einen Schindluder mit treiben. Zum Glück sind wir alle gute Menschen.

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Tja, trotz gewisse positiver Aspekte darf sich der gestrige Abend getrost in eine Reihe verkorkster Samstagabende einreihen.

Den Höhepunkt der Nacht war, dass ich, harmlos wie ich ja nun mal bin, schon wieder von einer Polizeistreife angehalten worden bin (mit Ansage). Diesmal mußte ich sogar aussteigen und pusten, weil es in meinem Auto so nach Schnaps stank (ich hatte Frieso zuvor nach Hause gebracht). Und, Teufel, was sind Polizeiauto-Rücksitze bequem. Viel zu gut für Verbrecher.

Traditionell werde ich ja auch immer fast von einem Besoffenen tot gefahren, nachdem ich kontrolliert worden bin. Diesmal war es nicht ganz so schlimm, aber die Tendenz war da. Ich führ gemütlich über die nächtliche einsame Autobahn, als von hinten einer herangebraust kam, ein wenig drängelnd hinter mir verweilte und schließlich schlingernd überholte. Der hat’s bestimmt nicht mehr lange gemacht.

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So. Hab gestern endlich mal wieder die Genossen in Münster besucht. War sehr nett, nur: Kaum, dass ich auf Antibiotika bin, gibts Freibier. Genächtigt habe ich beim guten alten Hilmar. Bei dem würde es sich lohnen, in der Küche eine Kamera aufzustellen. Es ist ein Anblick für die Götter, wenn er in der Küche versucht, drei Dinge gleichzeitig zu tun.

Bei der Busfahrt durch Münster, die interessanterweise an fast jeder meiner alten Wirkungsstätten vorbei führte (Linie 3), wäre ich fast ein wenig wehmütig geworden und hätte in alten Zeiten geschwelgt. Allerdings waren mir kurz zuvor am Bahnhof einige der Hackfressen begegnet, die mir damals das Leben am historischen Seminar und in der Germanistik so versauert hatten. Das bewahrte mich vor allzuviel Nostalgie.

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Wie ich heute erfuhr, haben meine Tante und mein Onkel in das Bett meiner jüngst nach Marburg abgewanderten Kusine eine Sicherung eingebaut: Sobald da mehr als eine Person im Bett liegt, bricht es zusammen.

Raffiniert.

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*Tusch*
Ab sofort fahre ich nicht mehr Lotta, sondern sie mich.

Es ist im Übrigen interessant, wofür so Medikamente alles gut sind, die man vom Arzt so bekommt. So hilft das Antibiotikum, dass mein Arzt mir gegen meinen angeschwollenen Kopf verschrieben hat, unter anderem gegen Tripper.

Von den Nebenwirkungen mal ganz zu schweigen. Nach den ersten beiden Absätzen habe ich aufgehört zu lesen, um meines Seelenheils willen. Wenn ich aber morgen tod bin, dann liegt das nicht an meinem angeschwollenem Kopf, sondern an diesen Tabletten.

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Sonderbar. Immer wenn ich plane, irgendwas mit dem Wingolf zu unternehmen, kommt mir was dazwischen, meist was Gesundheitliches. Diesmal schwillt mein Kopf unverhältnismäßig stark an. Mal gucken, was passiert.

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Man merkt, dass die deutschen Unternehmen kein Geld mehr haben. Die ergreifen jeden Strohhalm.

Früher (zu fetten Zeiten) war es zum Beispiel so, dass man eine Bewerbung komplett per Post zurückbekommen hat, wenn die einen nicht haben wollten. Heutzutage schicken die einfach eine kleine Nachricht in dem Tenor „Gern möchten wir ihre Bewerbungsunterlagen in unserem Haus behalten, um eventuell später auf Sie zurückzukommen“ und behalten den Kram einfach.

Und dann ziehen die nebenbei ein riesigen und lukrativen Gebraucht-Bewerbungsmappen-Handel auf.

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Himmel nee, ich muss mich mal wieder um einen Platz in der Klapsmühle bemühen. Ich habe letzte Nacht geträumt, Moritz wäre Bestseller-Autor, seitdem er im Osten lebt. Weil seine Ostfriesland-Vergangenheit da drüben als so abgefahren und unglaublich gilt, dass sich da dutzende Bücher mit füllen und verkaufen lassen.

Was kommt als nächstes? Hannes, der einen Marathonlauf gewinnt? Hilko, der zum Vegetarier wird? Oder Frieso mit einer Professur in Philosophie?

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Wunderbar. Wie jedes Jahr zeigte RTL2 auch dieses mal wieder den hundert Jahre alten Beitrag über den Gallimarkt in der „Redaktion Spezial“. Und wie jedes Jahr durfte man die blutjungen und unschuldigen Basti, Mauson und Jochen bewundern. Die haben sich irgendwie auch nicht viel verändert seit damals…

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Normalerweise führe ich ja immer noch ein paar Selbstgespräche zum Einschlafen. Das geht heute allerdings nicht. Meine Stimme ist nämlich weg. Der ungesunde Lebenswandel der letzten Tage war da wohl nicht so gut für und mein Wachhalte-Gesang im Auto eben hat dem guten Stück wohl vorerst den Rest gegeben. Naja. Dann schreibe ich halt noch ein bißchen was vorm Einschlafen.

Da kann ich den Gallimarkt zu Beispiel noch mal Revue passieren lassen. Habe letztendlich doch noch ne Menge Leute getroffen. Hier mal ein paar Beispiele:

Hannes meinte, wenn er was ißt, hasst er die Leute ein bißchen weniger. Mähne war wider Erwarten nüchtern. Birte wunderte sich, dass Lotta noch alleine auf zwei Beinen stehen konnte. Lotta hingegen war irgendwie mies gelaunt. Bugl hüpft noch so wie früher. Jan-Udo nennt mich noch immer Temmo-Ludwig. Inka hätte mich fast nicht erkannt. Uli versuchte zu rülpsen wie ein Mann. Balou behauptete, nur zu Recherchezwecken auf dem Gallimarkt zu sein. Die Gebrüder Frey wollen mich wählen. Groene hat kein Bock. Seine Schwester hat ne schweigsame Freundin. Lena ist in mich verknallt. Joachim ist schreckhaft. Hilko hat ne Fußballmannschaft. Mauson verträgt keinen Sekt. Uke ist nicht da. Antonius ist Bilanzfälscher von Beruf. Henning mag das Feuerwerk. Und und und.

Meine Stimme ist immer noch nicht wieder zur Zufriedenheit da. Ob man wohl Gesangsunterricht auf Krankenschein bekommt?

Zu Strafe dafür, dass er SV Stikelkamp ungefragt und ohne Quellenangabe Bilder von mir im SportEcho abgedruckt hat, landet in wenigen Stunden in jedem Haushalt des nördlichen Emslandes eine Zeitung, auf deren erster Seite die gesamte erste Herren-Fußballmannschaft des Vereins besoffen posiert. In Farbe! Ha!

Beim SonntagsReport durfte ich dieses Jahr keine Gallimarkts-Glosse schreiben, sondern nur einen positiven Kommentar. Naja, wenigstens habe ich die Gurkenbude im Text untergebracht.

Birte hat heute Teewasser in einer Pfanne heiß gemacht. Not macht erfinderisch. Und der Tee war nötig, so gräsig kalt, wie das draußen ist.

Und der Wahlkampf läuft auch. Meine Stimme ist zwar immer noch weg, aber dafür bekomme ich die Stimmen von vielen anderen Leuten.