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Aber eigentlich war der Tag der Niedersachsen ganz nett. Hier vielleicht mal ein paar Anekdoten:

Ein Polizist, mit dem mein Chef geredet hat, war ziemlich entnervt davon, dass einfach nichts böses passiert ist. Er konnte jedoch dann am Sonntag erleichtert mitteilen: „Heute Mittag konnten wir endlich jemanden in Gewahrsam nehmen.“

Dann gab es da die Vertriebenenverbände. Die hatten sich in der Orientierungsstufe einquartiert. Ausgerechnet hinter der Jugend-Bühne. Nichts gegen Vertriebenenverbände, aber was die auf dem Tag der Niedersachsen zu suchen hatten, weiß der Geier. Insbesondere, da sie ja betonen, KEINE Niedersachsen zu sein. Naja, jedenfalls gab es da wohl einen kleinen Eklat. Einer der Vertriebenen war wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen und hatte ein wenig Blut-und-Boden-Literatur in seiner Auslage. Ein Besucher entdeckte das Pamphlet und feuerte es mit Karacho gegen die Wand. Weiß ich leider alles nur aus dritter Hand. Hätte ich gerne gesehen.

Dann habe ich noch meinen alten Radio-Ostfriesland-Mentor Balou getroffen. Der humpelte und sah aus, als hätte er gesoffen. Neben seiner Radio-Ostfriesland-Tätigkeit besitzt er ja auch noch ein kleines Platten-Label und ist der Kopf einer modern ausgerichteten Folk-Band. Jedenfalls traf ich ihn äußest mürrischen Blicks neben einer Bühne, auf der gerade ein niederdeutscher Heimatverein aus dem angrenzenden Niedersachsen schunkelnderweise, in Tracht und ziemlich dröge ein paar Lieder intonierte. Balou grunzte: „Diese verdammten Traditionalisten haben die Folk-Szene schon mal kaputt gemacht, damals ’45.“ Nun ja, vielleicht neigt er ein wenig zum dramatisieren. Ein Lied später musste er auch noch entsetzt feststellen: „Das Lied hab ich geschrieben!“

Sonnabend ist dann diese Yvonne Catterfeld aufgetreten. (Die ist in echt viel hübscher als im Fernsehen. Normalerweise ist das umgekehrt.) Jedenfalls wartete ich (zwecks Fotos machen) mit den anderen wichtigen Journalisten und Fotografen vor dem Presse-Eingang auf den noch wichtigeren Security, der zu entscheiden hatte, wer rein durfte. Die Kollegen hatten zum Teil die Aufseher schon ziemlich bequatscht, ihre Presseausweise abgegeben und ähnliches. Nur ich stand dabei, ohne großartig was zu sagen oder zu tun. Schließlich kam der wichtige Mann raus, sah kurz in die Runde und wies schließlich auf mich. „Sie dürfen jetzt rein!“ Schwupps, war ich drin. Die Kollegen hatten wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, denn sie kamen erst später. Warum, weiß ich nicht so genau. Wahrscheinlich hab ich am wenigsten genervt und sah am seriösesten aus. Zudem hatte ich mir mein Rheiderland-Zeitung-Schild angeheftet, damit auch ja niemand auf die Idee kam, dass ich privat der Veranstaltung beiwohnte. Denn die Coverband und der Radiomoderator auf der Bühne waren echt peinlich.

Apropos privat: Gerade Politiker können sich nicht vorstellen, dass Journalisten überhaupt Privatleben haben. Sobald ich irgendwo Politiker treffe, denken die, ich wäre nur da, um sie zu fotografieren. Selbst, wenn wenige Meter entfernt so ’ne Schnitte wie die Catterfeld rumrennt. Was für ein Selbstverständnis.

Dann die vielen Leute. Habe sooo viele Leute getroffen. Sei es die lütte Praktikantin damals beim SR, sei es der Rollenspiel-Kristian (nicht erkennbar, ob strunzendun, furchtbar miese Laune oder gar beides) oder sei es der fußkranke Kneters mit siegerländischem Journalisten-Anhang. Oder Mutter und Vadder. Bei lezterem stellte sich heraus, dass Vadder wohl Mutter absichtlich eine viel zu frühe Abfahrtszeit des Busses unterjubelt hatte, um noch genug Zeit zu haben, am Fußballplatz vorbeizuschauen. Der alte Schelm.

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Okay. Komm ich also gestern Abend nach der Arbeit nach Hause. Es ist unglaublich still in der Stadt. Ich kann zwar noch nicht wieder auf meinen Parkplatz, weil da steht noch immer die Trachtengruppen-Bühne, aber es ist zumindest ruhig. Weit und breit niemand in Tracht.

So erledige ich nur noch ein wenig Papierkram, gucke etwas Fernsehen und kuschel mich nach den durchwachten Nächten und anstrengenden Tagen schließlich erstmals wieder mit dem Bewusstsein ins Bett, dass es ruhig sein wird und ich nicht durch dudelnde Akkordeonmusik und Peitschenknallen geweckt werde. Wohlige Wärme umfängt mich, als mein gedankenschwerer Kopf sich auf das weiche Kissen bettet und kaum dass ich mich in meine Schnuffeldecke gerollt habe, gleite ich auch schon in das Reich der Träume hinüber…

Wenig später. Es geht auf 24 Uhr zu. Durch das offene Fenster ertönt plötzlich ein markerschütternder Knall sowie das laute Heulen eines PS-starken Motors. Temmo sitzt kerzengerade im Bett. Draußen knallen ein paar Türen, dann ein Ruf über den weiterhin laufen Motor, im breitesten norddeutschen Akzent: „Du musst den Laster näher ran fahren!“ Der Motor heult wieder auf, erstirbt dann. „Noch näher! Ach, ist auch scheißegal. Kriegst Du ja sowieso nicht hin.“

Eine weitere Tür fällt zu, eine andere Stimme mault laustark: „Wat hast Du nu wieder zu meckern?“

„Nichts.“ Ein langezogenes hydrauliches Geräusch lässt vermuten, dass die Ladeplattform des Lasters heruntergefahren wird. Erneut die erste Stimme: „Was ist hier denn passiert? Das ist ja runtergefallen!“

„Was ist runtergefallen?

„Na, das hier. Guck!“

„Da ist doch nicht nix runtergefallen.“

„Türlich. Hier! Hast du nicht richtig festgemacht! Was soll ich nur wieder dem Chef sagen?“

„Was du immer sagst: Dass ich es kaputt gemacht habe.“

„Stimmt ja aber auch immer! Und nu hör auf, hier dumm rumzuquatschen, ich will die Bühne schnell abgebaut haben…“

Und das mit gehörigem Gepolter. Aber schließlich gegen halb zwei in der Früh ist das Kapitel „Niedersachsentag“ endlich, endlich auch für mich beendet…

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*grunz* es ist überall. ich kann es nicht aufhalten. ich habs versucht. ich habe alle fenster abgedichtet. vielleicht geht es an mir vorüber… vielleicht habe ich glück. vielleicht bemerkt es mich nicht. es beschallt mich bereits seit tagen. bisher konnte ich widerstehen. aber vielleicht ist dies meine letzte botschaft, denn es wird staerker. es will sich alle holen, bevor es verschwindet. doch… es ist ruhig… sollte es aufgegeben haben? oder will es mich nur in trügerischer sicherheit wiegen? OH NEIN! DA IST ES! ES KOMMT MICH HOLEN! ES KOMMT MICH HOLEN! ICH KANN NICHT ENTKOMMEN ICH KANN NICHT…

Und hoppsassa, und hoppsassa. Und linkes Bein, rechtes Bein. Einen Schritt vor, einen zurück. Und hoppsassa und hoppsassa und einhaken und im Kreis herum…

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Ich hab gestern Abend noch gedacht: Was für ein beschissener Tag. Der Tag konnte aber auch nicht gut werden, wenn man, eh schon in leicht depressiver Grundstimmung, gleich am frühen Morgen Fotos von einem Autounfall machen darf. Bei selbigen hatte sich eine junge Frau kurz zuvor vollkommen ohne Fremdeinwirkung an einem Baum zu Tode gefahren. Mahlzeit.

Heute hat sich zwar niemand totgefahren, daüfr wurde ich allerdings totgesülzt. Zumindest fühle ich mich so. Zun?chst einmal ein paar trockene Zahlen: Termo verlaesst heute früh das Haus um 7.45 in Richtung Arbeit. Temmo kehrt um 22.45 Uhr von der Arbeit nach Hause zurück. Wenn wir gr??zügig noch eine Dreiviertelstunde Mittagspause und eine Viertelstunde Schnnelleinkauf abziehen, kommen wir immer noch auf leckere 14 Stunden. Auch diese waeren kein Problem, wenn nicht diese Ratssitzung den Tag gekr?nt h?tte. Ich will da nicht in die Details gehen, aber nach einem Thema, was schon hundert Mal in diversen Ausschüssen durchgekkaut wurde, hat man heute lang und breit nochmal alle Argumente aufgetischt (auch ruhig zwei oder drei Mal, damit auch jeder was sagen durfte). Nach eine Stunde „Diskussion“ hat man den Punkt schliesslich vertagt!!! Und das war nur EIN Tagesordnungspunkt von 20! Mal abgesehen davon, dass das Publikum noch freakiger war als die Ratsherren.

Egal. Ich erwaehnte schon meinen kleinen Einkauf. Damit ich nicht verhungere. Und dann komm ich nach Hause und als ich die Absperrung sehe, f?llt mir siedendhei? ein, dass ich ja gar nicht zuhause parken kann. Weil es ist Tag der Niedersachsen morgen in Leer. Deswegen ist meine Straße abgesperrt. Und deswegen durfte ich meinen Einkauf von JWD nach Hause schleppen und mich auf dem Weg dahin von der Stapelmoorer Pastorenfamilie auslachen lassen. Der Hausmeister befürchtet am Tag der Niedersachsen wohl auch Böses, denn der hat alle Türen dreifach abgeschlossen und zudem auch noch jede Zwischentür abgesperrt. Ich habe heute zum ersten Mal alle meine Schlüssel an diesem fetten AOK-Schlüsselbund benutzen müssen.

Aber wisst ihr, was das Allerbeste ist am Tag der Niedersaecke? DASS UNTER MEINEM SCHLAFZIMMERFENSTER EINE BÜHNE AUFGEBAUT WURDE, AUF DER AB MORGEN RUND UM DIE UHR NIEDERSÄCHSISCHE TRACHTEN UND TÄNZE VORGEFUEHRT WERDEN!!!

Wahrlich, im Nachhinein gesehen war gestern doch ein ausgesprochen guter Tag.

Klingklag, stosst an und singt.
Morgen vielleicht erklingt
Sterbegelaeut.
Komm, lasst uns lustig sein.
Wirt, roll das Fass herein.
Maedel, schenk ein, schenk ein!
Heute ist Heut.

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Zeit für eine Nachbetrachtung des Wochenendes. War ich also aus beruflichen Gründen auf dem Hurricane-Festival in Scheessel. Beginnen wir am Anfang? Wohl besser. Also: Von den drei Stunden Anfahrtszeit habe ich die Hälfte gestanden. Dass man am Freitag Nachmittag vor dem Festivalgelände ein paar Minuten stehen muss, davon geht man aus. Dass man am Nadelöhr bei Delmenhorst etwas Zeit verliert, damit hätte man rechnen können. Aber dass ich schon in Oldenburg in einer überlasteten Umleitung eine Stunde lang nur zentimeterweise voran kam, dass war nicht eingeplant.

Leicht angefressen stieg ich also in Scheessel aus dem Auto und prompt fing es an zu schütten. Mahlzeit. Das war zum Glück der letzte große Regen des Wochenendes. Naja. Dann erst einmal auf zum Pressecontainer. Und da verlor ich dann wieder anderthalb Stunden in der Warteschlange. Und warum es bei den Kollegen so lange dauerte, dass habe ich bis jetzt nicht verstanden. Denn als ich endlich dran war, dauerte es keine zwei Minuten. Ich bekam mein leuchtend-blaues VIP-Bändchen und mein leuchtend-pinkes Foto-Bändchen und fertig. Böse Überraschung allerdings: Obwohl ich zwei Personen angemeldet hatte, war meine Begleitung Nina nirgendwo auf der Presseliste verzeichnet. Glücklicherweise war sie, die sie ja schon Tags zuvor aus Cottbus angereist war, patent genug, sich ein reguläres Bändchen zu besorgen. Und am nächsten Tag hab ich ihr dann doch noch das VIP-Bändchen organisieren können.

Naja. Auf zum Zeltplatz. Als VIP hätte ich zwar auf den VIP-Campingplatz gedurft, aber ich wollte ja zu den normalen Leuten. Und das waren neben meiner „Assistentin“ Nina zunächt einmal ihre Mitbringsel aus Cottbus: Vier überraschend nette und hübsche Studentinnen (da kann man bei Studentinnen heutzutage nicht von ausgehen), ein langhaariger Bayer (auch ein netter Kerl) und Don Diego (irgendwo aus Lateinamerika, ebenfalls ein angenehmer Zeitgenosse). Dazu kam die Ostfriesenfraktion: Birte (irgendwie kann die Frau ja alles), Janneke (die ist sehr gut darin, mich wieder runterzuholen, wenn ich mich wieder etwas zu sehr aufrege), später noch Andreas (ein bevorzugtes Opfer der Security). Und noch Birtes Freund Christian (VIP wie ich).

Die Gruppe war exzellent darin, alle meine Mängel auszugleichen. Sei es, mein Zelt aufzubauen (hab ich mir vor Moritz geliehen, der muss da vorher mit in der Sahara gezeltet haben) oder mir warmes Essen aufzutischen. Unsere Nachbarn waren auch sehr nette Menschen. Nie zu laut, nie strunzendun, angemessenes Alter und ein vernünftiges hochdeutsch sprachen sie auch. Und als ich eines Nachmittags nach einem kleinen Nickerchen verschlafen mein Zelt verließ, wurde ich von den Nachbarn gleich flaxend begrüßt und bekam ein Kottelett und zwei Putenfilets als „Frühstück“.

Apropos schlafen. Das war die größte positive Überraschung. Jedesmal sehr gut geschlafen. Nicht zu kalt, nicht wirklich zu laut, keine Kopulationsgeräusche weit und breit. Wunderbar. Nur einmal hat ein paar Zelte weiter jemand ganz elendig laut geschnarcht.

Zu meinem VIP-Status: Die VIP-Privilegien hatten zwei Funktionen. Zum einen für Journalisten. Diesen sollte die Arbeit dadurch etwas erleichtert werden. Sie konnten gesonderte Eingänge und Parkplätze nutzen und hatten im VIP-Zelt ihre Ecke, wo sie sich ausruhen durften, Kameras und Telefone aufladen konnten und mit aktuellen Infos versorgt wurden. Praktisch waren zudem die günstigeren Getränke und die VIP-Toiletten.

Die andere Funktion des VIP-Daseins, war die, dass die Veranstalter irgendwelchen unwichtigen Leuten das Gefühl geben konnten, dass sie wichtig wären. Denn ein VIP durfte mitnichten in den Backstage-Bereich. Dort waren nämlich die wirklich wichtigen Leute. An „Prominenten“ ließen sich bei den ach so wichtigen VIPs bestenfalls mal Elton oder der eine oder andere Schauspieler sehen, von denen ich nicht mal die Namen wusste.

Dafür waren die VIPs sehr interessante Leute. Besonders eine Tuse ging mir auf die Nerven, schon in der Schlage vorm Pressecontainer. Quatschte (und fasste) alle an, benahm sich wie die Königin. Das Maß war voll, als sie quiekte: „Elton! Ich bin dein Groupie!“ Auch Birte berichtete von irgendeinem Mädel, was sich an „wichtige“ Leute heranschmeißen wollte. Christians Kommentar, dass dies ja wie der Arsch auf den Eimer passe, bekräftigte Birte mit: „Eher wie der Tanga in die Kimme!“

Naja, bei den Journalisten war auch so manche Gestalt dazwischen. Die Zunft hat mich ein wenig an die Erzählungen von meinem Bruder erinnert, wie sich die Leute in der Werbebranche benehmen. So mit Küsschen und Umarmung, falscher Freundlichkeit und unterschwelligem Protz. Aber genug davon. Es klingt hier schon wieder so, als wäre alles scheiße gewesen, dabei hatte ich eigentlich nur am Freitag miese Laune. Hoffe, habe mich nicht zu häufig daneben benommen.

Ein glücklicher Umstand war die Tatsache, dass sich das Hurricane nicht als das befürchtete „Kinderfestival“ entpuppte, also besoffene Kiddies die Mehrheit stellten. Man hat immer so die Horrorvorstellung, dass man Knietief durch irgendwelche minderjährigen Schnapsleichen stapft. Aber ganz im Gegenteil: Es waren auffällig viele relativ alte Leute da, und das anwesende Jungvolk hat sich, zumindest soweit ich das mitbekommen habe, gut benommen.

Das lag alles wahrscheinlich am Line Up. Es waren nur wenige wirkliche Pop-Acts da. Da meiste waren so halbe Insider. Das einzige Mal, wo ich mich auf einmal in einer Traube von kreischenden kleinen Mädels wiedergefunden hatte, war beim Auftritt von Patrice. Von dem hatte ich vorher noch nie was gehört. Aber man lernt ja nie aus. Sehr gut gefallen haben mir auch Seed, Turbonegro, Apocalyptica und einiges mehr. Mit dem Elektronik-Kram ala Björk konnte ich hingegen wenig anfangen. Naja. Jedem das Seine.

Das klassische Festival-Leben kam auch nicht zu kurz. Eine angemessene Schmutzigkeit gepaart mit ein wenig Party, alles unter freiem Himmel. Mit angemessener Schmutzigkeit meine ich den Gemütlichkeits-Siff und nicht den oftmals propagierten Suff- und Kiff-Siff. Und Party bedeutet lustiges Feiern und Trinken und nicht abschädeln, bis man ins Zelt kotzt und dann auf einem Müllhaufen nächtigt.

Über dem Campingplatz wehten erfreulicherweise eine Menge Ostfriesland-Fahnen. Allerdings habe ich keine Rheiderländer finden können. Sowieso habe ich erstaunlich wenige beannte Leute getroffen, gerade wenn man bedenkt, wieviele dagewesen sein müssen. Ganz am Anfang auf dem Parkplatz habe ich den Szyska mit Anhang getroffen, zwischendurch sah ich mal einen, mit dem ich vor Jahren mal zur Schule gegangen bin und zu guter Letzt, als ich gerade im Begriff war, das Festival-Gelände endgültig zu verlassen, lief mir noch der Jungle-Boogl über den weg. Aber es war vielleicht ganz gut so, dass man sich nicht ständig in überflüssigen Small-Talk verwickeln lassen musste.

So viel erstmal dazu. Im großen und ganzen, von dem einen oder anderen Ärgernis mal abgesehen, habe ich mich königlich amüsiert. Kann man ruhig mal wieder machen. Die Rückfahrt dauerte übrigens nur etwa anderthalb Stunden.

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So. Ich werde morgen eine harte Dienstreise antreten. Ich muss für die RZ an einem Symposion in der Nähe von Bremen besuchen. Es geht um Popkultur von Jugendlichen und heranwachsenden. Und schlafen muss man im Zelt. Aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft.

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Der Chefredakteur heute zu mir: „Herr Bosse, im Innersten ihres Wesens sind sie doch ein erzkonservativer Knochen, oder nicht?“

Dabei bin ich hier doch der Progressivste.

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Ich habe gerade Leute gesehen, die Abitur gemacht haben. Ein bisschen inflationär ist das aber auch geworden…

Und das Interessanteste war: Die Leute, die am meisten besoffen waren, hatten mit den Abiturienten nix zu tun. Das waren immer andere.

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Ich muss mich korrigieren, was mein kleines Gedicht von gestern angeht. Ich muss die Textstelle „…und ’ne Ladung Schrot“ irgendwie durch meinen Bruder ersetzen. Allerdings reimt sich sich das dann gar nicht mehr. Dafür wird aus dem Fünkchen Wahrheit ein ganzer Batzen.

Die Vorgeschichte ist noch relativ harmlos. Zwar torpedierte mich der Mann über den Abend hinweg mit Kurznachrichten und Anrufen auf meinem Mobiltelefon („Mein Kaktus blüht! Mein Kaktus blüht!“), aber das war noch erträglich. Das erste kleinere Ärgerniss war sein Anruf, als ich mich gerade zu Bett begeben hatte. Er wollte, dass ich auf ein Getränk in einer Kneipe in der Nähe vorbeischaute, obwohl ich im bereits zuvor mitgeteilt hatte, dass ich aus arbeitsstrategischen Überlegungen früh schlafen gehen wollte.

Naja. Mit Schlaf war allerdings zunächst nichts. Ich wälzte mich hin und her, bis mir dann endlich doch die Augen zu fielen. Jedoch weilte ich nicht lange in Morpheus Armen, den bald ging wieder das Telefon. Wieder war Brüderchen dran. Mit Mühe, sich zu artikulieren, fragte er mich, ob er bei mir pennen könnte weil wegen und so aal, ’ne? Ich konnte, trotz eines gewissen Unmuts, meinen Bruder ja nicht mitten in der Nacht betrunken auf der Straße stehen lassen also stapfte ich die Treppen runter (der Türöffner geht nicht) und ließ ihn ein.

Er, strunzendun, faselte irgendwas und die Frau, mit der er unterwegs gewesen wäre hätte ja und weiß nicht was und er wäre sauer. Zudem ging sein Handy dauernd, aber er ging nicht ran. Ich verfrachtete ihn also widerwillig aufs Sofa (dat müffelt immer so, wenn er dauaruf pennt) und ging dann entnervt wieder ins Bett.

Eine halbe Stunde später, ich war gerade eingenickt, ging die Türklingel. Ich, die Laune langsam aber sicher auf einem nie gekannten Tiefpunkt angelangt, schleppte mich also zur Sprechanlage. Es war die Dame, die mit Brüderchen unterwegs gewesen war. Sie wollte wissen, ob er hier wäre. Er würde nicht an Telefon ging und sie würde sich Sorgen machen. Nachdem das also endlich auch geklärt war, ich wieder ins Bett. Und endlich etwas Schlaf.

In den frühen Morgenstunden bemerkte ich jedoch, wie mein Bruder in mein Schlafzimmer kam und begann, das Licht an und aus zu schalten. Ich fragte gereizt: „Was willst du denn jetzt hier?“

Er: „Ich muss Pipi.“

Ich: „Aber doch nicht hier drin!“

Er: „Nee, aber ich wollte eben ein bisschen an dem Schalter hier rumspielen.“

Und am nächsten Morgen war er auch schon wieder weg, bevor ich wach war und ihn zusammenstauchen konnte.

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Tja, es ist wieder soweit. Irgendwas Vollmondartiges tut sich am Himmel. Und ich liege im Bett, totmüde aber nicht in der Lage zu pennen. Und ausnahmsweise ist die junge Union nicht Schuld. Da wird mir wieder lyrisch… *räusper*

Drei Dinge sind des Schlafes Tod:
Der Mond, die Union und ’ne Ladung Schrot.
Drei Dinge sind des Schlafes Freund:
Ein Schnaps, ein Schnaps und… noch ein Schnaps.

Okay, reimt sich nicht unbedingt. Aber das Metrum stimmt mit ein wenig Phantasie. Und ein Fünkchen Wahrheit steckt auch drin.

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Lotta wühlt gestern in meinem Zeitungsstapel, bis schließlich ein Exemplar in die Finger bekommt, das eine Woche alt ist. Ihren Augen weiten sich: „Was? Der Möllemann ist tot?“

Naja. Die Schnellst war sie ja nie. Aber es könnte noch schlimmer sein. Mir laufen täglich Leute über den Weg, die gar nicht wissen, wer Möllemann war.

Zurück zu Lotta. Durfte mitansehen, wie sie ganz alleine in kürzester Zeit eine komplette Tafel Schokolade verputzte. Hab gar nicht gewusst, dass da so viel rein geht.

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Irgendwofür muss mich der liebe Gott (oder wer auch immer dafür zuständig ist) doch strafen mit all diesen kleinen Unwegsamkeiten.

So zum Beispiel gestern Abend. Der Termo wollte eigentlich früh zu Bett gehen und schlafen. Letzteres war jedoch nicht so einfach, da unter Termos Schlafzimmerfenster eine Horde junger Leute über die verschiedensten Themen lautstark und ohne Verstand diskutierte. Den durch die Häuserschluchten hallenden Wortfetzen war zu entnehmen, dass die Damen und Herren einer politischen Gruppierung angehörten, wahrscheinlich der Jungen Union. Am interessantesten wurde es, als sie sich darüber ausließen, wie man denn am besten Pressemitteilungen verfasst. Da hätte ich mich beinahe ans Fenster gestellt und gerufen: „Hallo! Hier oben! Ich bin es, den Sie immer mit ihren langweiligen und selbstbeweihräuchernden Pamphleten belästigen! Und verlassen Sie sich drauf: Beim nächsten Mal kommen sie ganz mies dabei weg!“

Aber aus diplomatischen Gründen habe ich es dann gelassen. Auch die Idee, den Thiele oder den Borcherding anzurufen und sie zu bitten, ihre jungen Spünde zur Ordnung zu rufen, habe ich verworfen. Zum Glück war dann irgendwann Schluss nit dem Gezeter.

Naja, aber wer glaubt, dass der Termo nach einer Nacht mit solchem Schlafmangel nicht wirklich wach wird am nächsten Morgen, der hat sich getäuscht. Dass die Dusche nicht warm wurde, tat sein Übriges dazu, dass die Schläfrigkeit sich nicht lange hielt. Und die Abwesenheit von Essbarem im Kühlschrank förderte den quälenden Hunger, der ebenfalls vom Schlaf abhielt.

Auch Bewegung macht ja bekanntlich munter. Besonders Treppensteigen. Termo verlässt seine Wohnung Richtung Arbeitsplatz, merkt ein Stockwerk tiefer jedoch, dass er heute ja den Müll rausstellen muss. Er tapert also wieder hoch und holt die Müllsäcke. Kaum stehen diese an der Straße, bemerkt der Termo, dass er sein Telefon vergessen hat. Nach kurzer Überlegung stapft er nochmal hoch, da man ja nie weiß, wozu man die Handgurke noch braucht.

Schließlich schafft der Termo es bis zum Auto, wirft den Motor an und wundert sich über den sonderbaren Anblick seiner Umwelt – bis er bemerkt, dass er seine Brille nicht auf hat. Also noch mal die Treppe hoch. Der Kreislauf ist danach zumindest in Gang gewesen.

Und dann jeden Morgen die Häme der Kollegen…