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Manchmal glaube ich hier ja auch, dass ich im falschen Film bin.

Heute morgen marschiere ich also wie gewöhnlich zum Bundestag. An der Spreebrücke fallen mir zum ersten Mal die zahlreichen Polizisten auf, die alles abgesperrt haben. Da ich ja aber einen Mitarbeiterausweis des Bundestages besitze, lassen die mich problemlos durch. Ich wunder mich also nicht und laufe weiter.

Am Reichstagsgebäude angelangt rauscht auf einmal an mir eine riesige Fahrzeugkolonne vorbei: Motorradpolizisten, dutzende Fahrzeuge von Polizei und Grenzschutz, Notarzt der Bundeswehr und vor allem zahlreiche schwarze BMWs und Mercedesse. Über mir kreisen Hubschrauber und die Polizisten gucken mich schief an.

Ich also schnell ins Bürogebäude, komme natürlich auch mit dem Ausweis problemlos rein. Vor dem Saal des auswärtigen Ausschusses tummeln sich allerdings viele schwarzgekleidete und böse guckende Gestalten, die mich dann auch tatsächlich noch einmal kontrollieren. Aber kein Problem- Termo hat je ’nen Ausweis.

Dabei kann ich allerdings den Grund des ganzen Aufstandes feststellen: Anscheinend ist der israelische Staatspräsident Mosche Katzav im Haus. Und gerade eben sehe ich von meinem Fenster aus, wie die ganze Kolonne wieder abfährt, stockt, haufenweise Leute aufgeregt aus den Autos springen und irgendwo hinrennen. Aber es hat sich wohl geklärt, denn nu sind sie weg, ohne dass es gekracht hat.

Viel witziger ist allerdings die Tatsache, dass die ganzen Mitarbeiter hier im Büro alle mit Verspätung eintrudelten, weil sie an allen Ecken und Enden vom Sicherheitspersonal aufgehalten worden sind. Nur der Bundes-Termo ist offenbar wichtig genug, um alle Absperrungen ohne Verzögerung passieren zu dürfen.

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Hier gabs gestern das große Fressen: Im Bundestagsrestaurant wurde die ostfriesische Woche eröffnet. Mein hinterhältiger Gedanke, dass ich ja somit als einziger ostfriesischer Pressemensch diese Geschichte hatte, erwies sich als Fehlschlag. Die ganze ostfriesische Presse war persönlich anwesend.

Und über den Kanzler mag man sagen, was man will, aber ist ein sehr geselliger Typ. Als er diesen ostfriesischen Großheider Kräuterbitter gekostet hatte, meinte er: „Vor dem Zeug kann ich nur warnen. Dagegen ist Bullenschluck ja eine Delikatesse.“

Und dann habe ich mir den Magen mit allerlei fetten ostfriesischen Köstlichkeiten vollgeschlagen, von der Pinkelwurst über Updrögt Bohnen bis hin zu Griespudding.

Uke köderte mich dann mit einem weiteren Buffet bei der Eröffnung des Sehsüchte Filmfestivals in Potsdam. Das Essen war allerdings schon alle, als ich da war. Naja, ich konnte ja noch vom Grünkohl zehren.

Da war dann so eine junge Frau, eine Kollegin von Uke bei der Ufa. Was soll man sagen? Hübsch, nett, lustig, fröhlich, intelligent… Bei so einer Frau wartet man dann geradezu auf den kleinen Haken, und der kam postwendend:

Sie: „Uke und Temmo, das sind ja komische Namen. Wo kommt ihr denn her?“
Uke: „Aus Ostfriesland.“
Sie: „Haha. Und jetzt im Ernst…“

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Es läuft sich langsam warm hier, sowohl diesseits der „Beamtenlaufbahn“ als auch jenseits.

Ulf bekräftigte beispielsweise seinen Ruf als selbsternannter cineastischer Sachverständiger: „In dem Film werden Frauen gequält. Ein guter Film.“ Welcher Film auch immer.

Patricks Praktikant Mirko hingegen ist wohl nach einem nächtlichen Besäufnis von seinen Kollegen versehentlich schlafend in der U-Bahn sitzen gelassen worden und anschließend, ganz dem Klischee entsprechend, mehrfach in Berlin hin und her gefahren. Er war dann wohl erst gegen 11 Uhr zuhause.

Uke wurde dafür in einem Café sein Kaffee mit den Worten „Ein Kaffee für Dirk Nowitzki“ kredenzt.

Zu guter letzt konnten wir auch noch beobachten, wie ein Halbwüchsiger, offenbar südländischer Herkunft, sich über einen Balkon lehnte und glücklich zu einer dort stehenden Frau hinunter rief: „Ey isch hab disch voll angespuckt Alta!“

Eben war ich mit Clement essen. Mehr oder weniger. Was hier bei den Politikern auffällt: Wenn die miteinander über Ihresgleichen reden, dann reden die nicht von „Uschi“ oder „Klaas“, sondern von „der Uschi“ und „dem Klaas“, es heißt sogar „der Wolfgang (Clement) hat gesagt“ und nicht „Wolfgang sagte“ oder gar „der Minister hat angeordnet…“

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Hocke hier nu im Bundestag. Es gibt viel zu sehen. Gefallen hat es mir, dass eine Spreebrücke zwischen zwei Verwaltungsgebäuden im Volksmind „Beamtenlaufbahn“ genannt wird. Außerdem hat der Bundestag nen eigenen Emstunnel (bzw. Spreetunnel) und sogar eine Turnhalle.

Den U-Boot-Bunker muss ich noch finden…

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Schon ein Abenteuer, mit dem Simona-Ulf, dem Elvis-Patrick und Maat Haak quer durch die Republik zu gurken. War aber sehr interessant.

Ansonsten hat Maat Haak noch die These in den Raum gestellt, Deep Purple wären „Schwachstruller“.

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Zwei wichtige Ereignisse heute:

1. Ich habe die Heizung ausgestellt und die kommt bis zum November nicht mehr an.
2. Ich habe neue Schuhe. Wenn ich daran denke, dass meine Alten damals (1999 oder wann das war, die haben sich exzellent gehalten) nur 50 Mark (!) gekostet hatten, bin ich fast ein bisschen traurig.

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Es ist leider Abends noch etwas zu kühl, um lange auf meiner Dachterasse zu verweilen. Trotzdem: Das Geplapper der Nachbarn ist wie das Geplätscher eines klaren Baches, der bellende Hund von Gegenüber ist der Wolf, der in der Ferne den Mond anheult und die Sonne geht malerisch über den Berufsbildenden Schulen unter.

Ich bin eben ein hoffnungsloser Romantiker.

Ich weiß nur noch nicht, wie ich diese Baustellen hier umdeuten soll…

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Als meine Mutter vor ein paar Monaten meinen Bruder im Krankenhaus in Dresden besuchen wollte, irrte sie stundenlang in der Stadt herum, weil sie die Klinik nicht fand. Also marschierte sie in ein großes Haus, vor dem ein Polizeiauto stand, weil sie sich dachte: „Wo ein Polizeiauto steht, muss eine Polizeiwache sein und die Polizisten können mir sicher weiterhelfen.“

Sie marschierte da also rein und wäre fast festgenommen worden, weil das Gebäude, wie man ihr dann mitteilte, das Haus des Ministerpräsidenten war. Ein „netter Herr“, wie Mutter erzählte, erklärte ihr dann aber ausführlich, wie sie zur Klinik kommen konnte.

Gestern schaute Mutter sich nun diese nichtsnutzige Christiansen-Sendung an. Und eben krähte sie am Telefon: „Das war damals der Ministerpräsdident. Der Milbradt. Ich hab ihn erkannt. Die gleiche lispelnde Stimme…“

Mutter freut sich. Ich sag: „Mutter, die hätten dich erschießen können.“

Mutter: „Und ich hätte den erschießen können.“

Ich: „Deswegen ja…“

Nur eine weitere Anekdote in dem sprichwörtlichen Buch „Ostfriesen in der großen Stadt“.

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Ach ja, gestern glaubte man mir unterstellen zu müssen, dass ich 50 Cent widerrechtlich an mich genommen hätte. Der unverschämte junge Mann hatte Glück, dass ich gerade im Begriff war, das Etablissement zu verlassen, sondt wäre er nicht einfach so einer simplen Maßregelung meinerseits davongekommen.

Es muss schon ziemlich schlimm um einen stehen, wenn man 50 Cent klaut und es muss noch schlimmer um einen stehen, wenn man x-beliebige Anwesende dieser Tat beschuldigt.

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Nu sitze ich hier aufm Sonntag in der Redaktion und will Fußball-Spielberichte machen und ich bekomme niemanden an die Strippe.

Um da mal einen guten alten hochdeutschen Fluch zu bemühen: Verdammt und zugenäht!

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Ich musste gerade, warum auch immer, an eine Feststellung meines ehemaligen Deutschlehrers denken: „Der Blankvers zügelt der Text in einer Weise, die durchaus positiv zu bewerten ist.“

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Hach, wegen solchen Geschichten liebe ich mein Ostfriesland: Wie ich gerade erfahren musste, ist in Twixlum ein Papagei entflogen. Man kann ihn daran erkennen, dass er Griechisch, Hochdeutsch und Plattdeutsch spricht. Zudem pfeift er mit Vorliebe den River-Kwai-Marsch und beherrscht auch das Lied „Es gibt nur einen Rudi Völler“.

Köstlich.

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Als ich gestern Abend nach Hause kam, sah ich so diverse Nachbarn von mir auf der Straße stehen und sich unterhalten. „Warum nicht?“ dachte ich mir. „Sollen sie doch das schöne Wetter zu einem Pläuschchen nutzen und gute Beziehungen zueinander knüpfen.“

Nix daarvan. Als ich aus einem meinem Wagen stieg, war der erste Satzfetzen, der vom lauen Frühlingswind zu mir herübergetragen wurde: „Wenn sie Ärger haben wollen, dann brauchen sie nur so weiter zu machen.“

Das kann ja wat werden. Wenn die nun einen Kleinkrieg vom Zaun brechen, dann werden die mir entweder damit ganz gewaltig auf den Sack gehen, oder ich habe von meiner Position aus den besten Blick und kostenlose Unterhaltung der Premium-Klasse.

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Wagt es doch der Kai-Uwe zu behaupten, mein Bier wäre schlecht. Er hätte gestern doch nur eines davon getrunken und trotzdem wäre es ihm schlecht ergangen heute morgen.

Der hat wohl eher seinen Döner nicht vertragen.