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Ich habe letzte Nacht mal Strichliste geführt. Bei jedem Aufwachen einen Strich. Sieben Stück warens heute Morgen.

Da frage ich mich, wann ich dann noch Zeit hatte, so ein komisches Zeug zu träumen. Aber ich habe, und zwar in etwa Folgendes:

Mein Auto ist kaputt, deswegen muss ich anders zur Arbeit kommen. Ich entscheide mich zunächst für eine Fähre, die über die Ems ins Rheiderland fährt. Da muss man durch so ein komisches Industriegebiet hin. Außerdem sind eine Menge Kühe, ein paar alte Autos und ein paar Leute von der FDP mit da drauf. Es wundert dann zwar, dass bei der Abfahrt die Fähre von einem Kran auf einen Laster geladen, über die Jann-Berghaus-Brücke gefahren und in einem sumpfigen Gebiet bei Bingum wieder zu Wasser gelassen wird, aber Hauptsache, ich bin drüben.

Nun will ich mich auf den weiteren weg zur Arbeit machen und per Anhalter weiterfahren, werde aber vorher von eine jungen Dame gebeten, ein Verbrechen aufzuklären. Dazu muss ich in einen mysteriösen unterirdischen Gang.

Ich komme auf der anderen Seite aus einer Geheimtür beim Bingumer Kirchturm wieder heraus und habe offenbar das Verbrechen aufgeklärt, denn die Dame dankt mir überschwänglich. Ich schwinge mich anschließend auf einen Heukarren, der mich nach Weener zur Arbeit bringt.

Dort angekommen gehe ich in mein Büro (ich habe eigentlich gar kein eigenes Büro) und muss feststellen, dass es leergeräumt wurde. Der Chef erklärt mir, dass aus Kostengründen ALLE Mitarbeiter des Verlags in ein Großraumbüro im dritten Stock gepfercht worden sind (wir haben keinen dritten Stock).

Da finde ich meinen Platz zwischen zwei Druckern, die immer irgendwelche Druckplatten über meinen Schreibtisch werfen. Dann passiert nicht mehr viel. Nur noch der Kollege Hanken zeigt mir seine neueste Erfindung: Er hat einen Drucker an die Telefonleitung angeschlossen, damit er nicht mehr mit all den Leuten telefonieren muss. Der Drucker druckt jetzt ganz einfach aus, was die Leute sagen wollen.

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Was man aus schlafloser Langeweile nicht alles Tut: Ein Persönlichkeitstest verglich meine Persönlichkeit am ehesten mit der von Luke Skywalker.

Und laut eines Biorhytmus-Test ist mein körperlicher Zustand heute schlecht, mein seelisch-emotionaler Zustand ist auch schlecht und mein intellektueller Zustand ist heute ebenfalls schlecht.

Für diese Erkenntnisse hätte ich keinen Test machen müssen.

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Rock am Deich: Es war nass, kalt und großartig (von den üblichen menschlichen Ärgernissen abgesehen).

Fing schon mal sehr gut am Presse/Gästeeingang an. Da bekam ich als Pressevertreter nicht einfach so den Kram ausgehändigt, sondern man steckte mir unauffällig einen neutralen Umschlag zu. Das hatte Stil…

Zunächst war ich jedoch etwas überrascht, dass von meinen Leuten kaum jemand aufzutreiben war. Anfags traf ich glücklicherweise Birte&co, erst recht spät kam die Moritz-Truppe, die hatten da schon einiges verpasst. Und der Rest? Moritz drückte es recht treffend aus: „Mit Frieso, Hannes und Joachim haben sich genau die richtigen zusammengetan, um ‚pünktlich‘ hier aufzukreuzen.“

Gesundheitlich war das Festival aber ehrlich gesagt eine recht dumme Idee. Ich war eigentlich noch reichlich angeschlagen vom Ärzte-Konzert, aber wat hilfts? Ich hatte mich dank kluger Klamotten- und Regenschirmpolitk eigentlich ganz gut über den Tag gebracht. Als allerdings Kettcar spielten, bekam ich von einem Stagediver (oder wie auch immer die sich nennen) einen ziemlichen Tritt an den Schädel, der mich kurzzeitig außer Gefecht setzte.

Glücklicherweise durte ich ja in den Backstagebereich und habe mich da mit Kaffee wieder hochgepäppelt. Nachdem allerdings Fettes Brot gespielt hatte, war meine Stimme ruiniert. Interessant war an dieser Tatsache vor allem, dass mich wenig später ein alter Bekannter im Dunklen an der Stimme erkannt haben wollte.

Auch ansonsten hatte ich ein paar interessante Begegnungen. Da war zum Beispiel der Bürgermeister von Leer. Der war Schirmherr der Veranstaltung, muste sich also zwangsläufig mal blicken lassen. Er fühlte sich augenscheinlich nicht sonderlich wohl und war offenbar glücklich, als er mit mir jemanden erspähte, den erkannte. Wir schnackten also ein weilchen über dies und jenes, er gab mir ein Bier aus und schließlich stieß auch noch Moritz zu uns. Der erkannte nicht, wen er vor sich hatte, ließ einige Sätze über Polizeigewalt und Staatsterror ab und verschwand wieder.

Oder auf der Toilette vom Backsagebereich. Da traf ich den Bassisten (glaub ich, ich hatte wegen Rockens meine Brille schon abgelegt, was eine kluge Idee war, wenn ich an den Fußtritt denke) von Kettcar. Der wollte sich dort aufwärmen, weil es der wärmste Ort Backstage war. Aber er bot mir gleich das „Du“ an (Berufskrankheit: Ich sieze ja alles und jeden zunächst einmal, obwohl ich die Siezerei gar nicht sonderlich gut abkann.)

Was auch gewundert hat: Ich bin aus den verschiedensten Gründen irgendwie recht bekannt. Bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Die harmlosere Variante ist da, dass mich Leute erkennen und anquatschen, die ich aus alten Zeiten von Fehn kenne oder die mich über Mutter und Vadder von mir wissen, ob ich sie nun kenne oder nicht. Die Tatsache, dass ich meine Brille nicht auf hatte, erleichterte mir das erkennen der Leute allerdings nicht.

Dann ist da noch die andere Variante. Leute die mich kennen, ohne das ich großartigen Bezug zu ihnen hätte. Da gibt es zunächst jene, die mich aufgrund der Wahl-Kandidatur im vergangenen Jahr anquatschen. Davon gab es gestern keine. Dafür hielt mich gestern jemand an und fragte: „Ey, machst du Fotos für Termostat?“ Noch besser war es, als mir während des Fettes-Brot-Konzerts in den rockenden Menschenmasse auf einmal jemand sagte: „Ey Bosse, astreines Weblog.“ Aber das nur am Rande.

Hinterher, als das Festival durch war, gingen wir noch zur Aftershow-Party ins Zollhaus. Da traf ich den Szyska, der mir erzählte, er hätte jemanden getroffen, der ihm gesagt hätte: „Ey, du hälst mich jetzt bestimmt für Uke Bosse, der bin ich aber nicht.“

Von unseren Leuten ging ich als letzter. Dachte ich. Als ich gerade zuhause eingetroffen war, läutete mein Telefon. Moritz und Konsorten, die eigentlich 20 Minuten vor mir das Etablissement verlassen hatte, standen noch immer bei ihrem Wagen, der nicht ansprang. Ich konnte leider nicht helfen. Weiß bis jetzt noch immer nicht, ob die heile nach Hause gekommen sind.

Naja. Ich mache jetzt mal ein paar Stimmübungen, damit ich im Laufe des Tages wieder zu Konversation fähig bin.

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Das kann wat werden heute. Habe vergangene Nacht trotz hinreichender Erschöpfung kaum ein Auge zugetan. Hier im Haus treibt sich nämlich mitunter ein kleiner Teufel („Blixen“) rum. Und immer, wenn ich gerade am Einschlafen bin, piekt er mir mit seinem kleinen Dreizack in den Nacken.

Das wird ein langer Tag.

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So. Mal wieder schönes Ärzte-Konzert hinter mich gebracht. Ich bin ziemlich zerschlagen, aber hilft ja nix.

Interessant war die Tatsache, dass ich von ganz hinten in die Masse rein bin, aber bevor das erste Lied vorbei war, stand ich ganz vorne. Das hatte verschiedene Gründe. Zunächst: Viele, die sich bereits übereifrig ab 18.30 Uhr (da war Einlass) an den vordersten Plätzen in Stellung gebracht hatten, unterschätzen die Wärmewirkung, die so eine Veranstaltungsalle hat.

Die Meisten „überlebten“ zwar die Vorband, die halbstündige Pause, die dann folgte, war für manchen jedenfalls zu viel des guten. Man schwitze schon wie ein Tier, auch wenn man sich nicht bewegte. Das hatte erste Abwanderer zur Folge.

Die zweite „Emigrationswelle“ gab es dann, als die „Ärzte“ schließlich anfingen, zu spielen. Insbesondere der Zuschauertyp „junges Mädchen, das zum ersten Mal auf einem Konzert ist“ kam nicht darauf klar, wie auf einmal vor der Bühne „getanzt“, gedrückt und gequetscht wurde.

Dritter Grund, der mein Fortkommen maßgeblich erleichterte: Standortvorteil Nüchterheit. Wenn man nicht betrunken ist, dann ist man koordinierter, zielstrebiger, hält mehr aus und ist auch rücksichtsvoller. Naja, jedensfalls war ich, ehe ich mir versah (ich möchte fast sagen: schwups) ganz vorne. Lediglich zwei Reihen Mädels waren noch vor mir, die alle jedoch ein bis zwei Köpfe kleiner waren als ich und somit kein Hindernis darstellten. Da bin ich dann auch geblieben. Zweieinhalb Stunden, bis zur letzten Note.

Ich muss allerdings zugeben: „Bequem“ ist was anderes. Eingekeilt zwischen jungen Dingern, die sich aus ihren Klamotten schälen (okay, es gibt schlimmeres) und stinkenden Punks (solche, die draußen den Anwohnern in die Vorgärten schifften und jene dann als Nazis beschimpften, wenn sie ihren Unmut über die Urin-Attacke kundtaten) sind die ersten Reihen eine „Entscheidung für Leben“. Denn da kommt man nur wieder raus, wenn man sich von den Securitys rausziehen lässt. Und, he, dass ist nur was für die angesprochenen „kleinen Mädchen“.

Jedoch hatte ich ein ums andere Mal das Gefühl: „Jetzt ist vorbei.“ Doch immer dann, wenn der Kreislauf vom Rocken in die Knie gezwungen wurde, verteilten die Security-Leute reichlich Wasser an die ersten Reihen. Ein Segen. Wer dahinter war, ging allerdings leer aus. Um mich herum, Wasser hin oder her, fand jedoch ein Massensterben statt. Da machte sich der Alkoholverzicht bei mir erneut positv bemerkbar.

Man ist da vorne in der Menge ja auch nun mal nicht mehr so wirklich Herr seiner Bewegungen. Trotzdem tat es mir immer wieder leid, wenn ich jemanden, der zwei Köpfe kleiner war als ich wegen der Drucks aus dem Hinterraum zusammenquetschen musste. Gerade bei den Mädels grenzte das an sexuelle Belästigung (von denen). Aber ich bin da ja tolerant.

Als dann schließlich Schluss war, war ich dermaßen zerschlagen und verschwitzt, dagegen ist der Ossiloop wie ein Spaziergang zu nächsten Bäcker. Ich konnte die Füße kaum noch heben, meine Stimme kratzte und das Pfeifen hab ich jetzt noch im Ohr. Allerdings dauerte es noch eine ganze Weile, bis ich an die frische Luft konnte (der einzige Vorteil, wenn man hinten steht: man kommt schnell weg). Da lief mir auch noch Hinni, der Maler, über den Weg. („De seggen neet blot, dat se de „beste Band der Welt“ sünd, de sünd dat ook.“)

Draußen traf ich noch auf Lotta. Die hatte ich schon mit hingekarrt (neben dem Kneters, seiner Freundin und Birte), weil weder sie noch ihr Bruder Willens waren, selber zu fahren. So mussten sie (und drei weitere Kollegen) von ihrem Vater kutschiert werden. Um den überfüllten Wagen zu entlasten, nahm ich Lotta also ein Stückchen mit.

Was hatte ich davon? Nun neben dem einkalkulierten Risiko („Ich muss auf Toilette“) noch ein Ärgernis. Aus Mangel an Parkplätzen ließ ich sie vor der Halle raus und parkte weit abseits. Als ich dann zur Halle gelatscht kam, drückte sie mir als erstes meine Kamera in die Hand, die sie versehentlich mit rausgenommen hatte. Bedeutete: Ich durfte wieder ganz zum Auto zurücklatschen, da ich dat Ding natürlich nicht mit reinnehmen konnte. Himmel, hatte ich einen Hals.

Was wollte ich eigentlich erzählen? Ach ja, ich traf Lotta, die ähnlich fertig war wie ich. Sie entwickelte dennoch auf einmal eine große Energie, um mich anzuzetern. Ich hatte ihr eröffnet, dass ich einen von Belas Drumsticks gefangen (meine Größe macht das relativ leicht), diesen jedoch einem kleinen pummeligen Mädchen geschenkt hatte, die so traurig war, weil sie ihn bekommen hatte. Lotta dazu: „Geh weg, mit dir will ich nichts mehr zu tun haben.“ Auch meine Beteuerung, dass der Stick eh für Moritz zum Geburtstag gewesen wäre, und nicht für sie, beruhigte sie nicht.

Naja. Ich dann endlich Zuhause (Birte ist dankenswerterweise gefahren), musste daan dringend meinen Salzhaushalt in Ordnung bringen. Selten hat mir eine Tüte Chips so gut geschmeckt.

Dass ich allerdings heute um 7 wieder raus musste, war (ist) tödlich. Aber morgen ist Rock am Deich, da muss ich wieder fit sein.

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Ich habe vergangene Nacht geträumt, dass ich wieder in der Schule wäre. Schön war das nicht. Ich hatte Unterricht bei Madame Monsieur und habe dabei nichts gelernt.

Verschwendete Zeit. Damals wie auch vergangene Nacht.