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Heute war Yasmin da und ich hab Stadtführung gemacht. Wie der Zufall es wollte, ist auch noch Stadtfest heut. Furchtbare Veranstaltung. Überall so Bühnen mit Cover-Bands und so ein Unfug.

Aber der nicht sehr groß gewachsene Dennis stand dort in ungewohnt erhöhter Position: Er musste in einer Bierbude arbeiten. Er sagte jedoch, dass er sich sowieso nicht gerne selbst auf solchen Festen unters Volk mischen würde. „Da seh ich mit meiner Größe eh nur Beine und dicke Bäuche.“

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Ich habe Vadder heute meinen Sechserträger Lidl-Bier, der noch vom Hurricane über war, als Schneckengift mitgegeben. Ich wusste doch, dass die Plörre doch noch zu irgendwas gut ist.

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Draußen rennt der Makler rum und versucht lautstark, die leerstehenden Haushälften und Bauplätze an die noch lautstärkeren Kunden zu bringen. Na, dann wollen wir doch gleich mal auf den Balkon und einen schlechten Eindruck bei der potenziellen neuen Nachbarschaft hinterlassen…

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Mutter war heute etwas konfus. Wenn sie gleichzeitig denkt und redet, dann kommen da mitunter so Sätze bei raus wie „Unter den Kartoffeln sind die ja nicht wie Äpfel“. Außerdem musste sie, nachdem sie bereits gegangen war, noch zweimal wiederkommen. Einmal hatte sie ihre Schuhe vergessen und einmal ein Buch. Und ich bekam die Schuld.

Dafür denkt sie an so Dinge wie Wind- und Sichtblenden für meinen Balkon. Nicht schön, aber zweckmäßig.

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Nach den jüngsten Ereignissen muss ich dann doch noch heute bloggen.

Ich bin also heute von Frieso direkt zur kirchlichen Trauung von Dino nach Bochum gegurkt. Mir war zuvor zu hören gekommen, dass ich als einer von Dinos Bundesbrüdern in der Kirche chargieren, also mich in abenteuerliche Studentenklamotten schmeißen und am Rade würdevoll dastehen sollte (für Laien ausgedrückt). Da aber meine Münsterschen Bundesbrüder eine halbe Stunde zu spät kamen, wurde da nix von.

Nachdem ich bei der Trauung jedenfalls ein paar Tränchen verdrückt hatte, ging es nach Essen zum Essen. Dort war nämlich die zugehörige Feier angesetzt. Dino ließ erstmal vor der gesamten Festgemeinde einen unanständigen Witz über seine Braut (im Übrigen eine äußerst liebenswürdige und hübsche Braut) vom Stapel, was angeblich fast dazu geführt hätte, dass er zu uns an den „Single-Tisch“ gesetzt wurde.

An diesem „Single-Tisch“ saßen neben mir noch vier Damen, ein Bundesbruder aus Münster und zwei Bundesbrüder aus Kiel. Als ich kurz danach mit der Braut sprach, verstand ich auch, wie diese Konstellation zustande gekommen war. Sie sagte nämlich: „Dino hat gesagt: ‚Wingolfiten sind beleidigt, wenn es um sie herum nicht genug Bier und schöne Frauen gibt.'“ Na Bravo.

Ein weiterer Münsterscher Bundesbrüder wurde an den „Tisch für junge Eltern“ gesetzt, da er vor einem knappen Jahr Vater geworden war. Er zeigte auch Fotos von seinem Sohn herum, den er liebevoll seine „kleine Kröte“ nannte.

Nebenan war der „Pärchen-Tisch“. Von da drüben wurden im Laufe des Abends ein paar Rufe laut, dass sie lieber bei uns sitzen würden, weil es bei ihnen so langweilig sei. Bei uns war es in der Tat nicht langweilig, allerdings lag das vor allem daran, dass böse Gerüchte getreut wurden. So hatte ich auf einmal den Ruf, dass wegen mir meine Sitznachbarin keine Mousse au Chocolat mehr bekommen hatte. Abwegig…

Wie dem auch sei, ich habe mich im Großen und Ganzen sehr amüsiert. Und dass auch ohne Betrinken, denn ich hatte seit der Kirche das unbestimmte Verlangen, unbedingt heute Nacht noch nach Hause zu müssen. Und als ich dann zuhause war, stellte sich auch heraus, was mein berühmter sechster Sinn mir sagen wollte.

Ich war recht flott, denn wenn man die A 31 erst einmal wiedergefunden hat, ist man ratzfatz aus dem Pott wieder in Ostfriesland. Kaum jedoch, dass ich spätnachts wieder in der Heimat aus meinem Wagen stieg, hielt ein weiterer Wagen vor meinem Haus. Diesem entstieg ein reichlich angetrunkener Groene, der von einem kleinen privaten Umtrunk kam und mich zuallererst einmal anpöbelte, wüst beschimpfte und „eine üble Nachrede“ nannte.

Seine Fahrgelegenheit war schon wieder weg, da fing er nervös in seinen Taschen an zu wühlen und stellte fest, dass er seinen Schlüssel nicht dabei hatte. Merke: Wäre Termo nicht noch nach der Hochzeit aus Essen wieder nach Leer gefahren, hätte der Groene betrunken und hilflos im Regen gestanden. Ich nahm ihn aber erstmal mit zu mir und wir überlegten, was zu tun sei.

So kamen wir schließlich darauf, seine Fahrgelegenheit anzuklingeln, den die war mit dem entsprechenden Schlüssel ausgestattet. Er war zunächst erbost, dass ich deren Nummer nicht in meinem Handy gespeichert hatte. Wir kamen dann aber auf die Idee, bei seinen Eltern anzurufen, wo diese Fahrgelegenheit gleich wieder eintreffen musste.

Da machte sich der Groene dann bei seiner Mutter unbeliebt, denn es brauchte drei Versuche, bis er sie dazu bewegen konnte, zu so nachtschlafender Zeit das Telefon abzuheben. Das war ihm im Nachhinein sehr peinlich und so brabbelte er seinen Unmut heraus und sagte Dinge von bösartigen Müttern und Geschichten, die er nicht erzählen wollte und wieder irgendwas mit dieser ominösen „üblen Nachrede“, die ich sein sollte.

Ich versuchte, ihn mit einem Bier zu beruhigen, was aber nur mäßig gelang. Schließlich trudelte seine Fahrgelegenheit wieder ein und erzählte, sie habe ihn extra noch gefragt, ob er alles habe. Groene ließ sie dann aber erst wieder fahren, als sicher war, dass er in seine Wohnung konnte.

Zu guter Letzt verabschiedete er sich von mir mit den Worten: „Trotz allem – danke.“ 😉

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Bin in Witten. Gestern waren wir in einer Kneipe, wo man Donnerstags zehn Prozent bekommt, wenn man eines der ausgelegten Spiele spielt. Das wird dann offenbar auch mal von den Eingeborenen für einen ausgiebigen Familienabend in der Stammkneipe genutzt. Allerdings war die Familie vom Tisch nebenan offenbar ganz glücklich, dass ihr kleiner Sohn sich mehr für das Jenga-Spiel auf unserem Tisch interessierte, als für ihre Gespräche.

Heute muss ich zur Hochzeit nach Bochum. Ich hoffe, ich mache da nix kaputt, denn heute morgen hab ich in Friesos Wohnung schon alles umgeschmissen, was man umschmeißen konnte.

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Ganz toll. Da will man sich gerade aufmachen, die Heimat für ein paar Tage zu verlassen und prompt zerschmeißt man noch ehm eine Flasche Soja-Soße in der Küche. Hier siehts aus, als hätte ich ein Schwein geschlachtet.

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Birte erzählte van von einem frischen Vetter, den sie bekommen hatte. Das lenkte die allgemeine Diskussion auf Hebammen und zwielichte Gynäkologen sowie ehemalige Berufssoldaten, die zu Hebammen umgeschult wurden.

„Was, sie bekommen ein Kind? Schwester, holen Sie Zeitungen und heißes Wasser. Aber eine Ausgabe von heute, die Frau ist Privatpatientin.“
„Zeitungen und heißes Wasser? Ich dachte Sie sind Arzt.“
„Das dauert noch ein Weilchen, bis das Kind kommt, da werde ich doch wohl noch in Ruhe meine Zeitung lesen und einen Tee trinken dürfen…“

oder:

„Hören sie auf zu jammern! In Vietnam hatten wir täglich 20 Geburten aufm Truppentransporter! Und ich habe 35 Tage neben meinen toten Kameraden im Dreck gelegen, und sie heulen bei so einer kleinen Geburt!“ Natürlich nur ein Auge und dabei auch noch ne Zigarre im Mund.

Hannes sagt zudem, er sei gar nicht so trottelig. Das sei in den letzten sechs Jahren schon etwas besser geworden.

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Meine Kusine nimmt demnächst in den Vereinigten Staaten Quartier. Diesbezüglich wurde ich heute Zeuge einer Diskussion zwischen ihr und ihrer Mutter. Es wurde darüber gestritten, was denn nun ins Handgepäck kommt: Essen, das Notebook oder das Beautycase.

Ich glaube, Essen ist das wichtigste. Wer weiß, wann man drüben denn wieder was Anständiges bekommt.

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I’m as blue as a boy can be…

Ich und Mutter streichen das Treppen-Geländer blau. Und nun bin ich einer Art moderner König Midas. Nur wird aber nicht alles gold, was ich anfasse, sondern alles wird blau. Mysteriös…

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Voll die Unwetterwarnung heute. Und dann? Ein paar dunkle Wolken, ein kleiner Blitz, ein bisschen Grummeln – das wars. Das kann man eigentlich mit mir nich machen, aber heute war ich zu träge, um mich zu beschweren.

Dafür war ich mal wieder bei einem Tee-Empfang im Rathaus. Aber den Tee hab ich nicht angerührt, ich hatte Angst vor der Kondensmilch…

Aber wie hieß es doch schon so schön bei Pumuckl:
„Spiel’n wir doch mit Sägespän‘,
das ist doch genauso schön.“

Tee mit Kondensmilch schmeckt wie Sägespäne. Da haben wir die an den Haaren herbeigezogene Verbindung.

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Gestern kam Mutter mit ihrer Schulklasse vorbei. Das Erste, was einer ihrer Schüler gemacht hat: Seinen Müll über den Zaun zu meinen Nachbarn in den Garten werfen.

Heute lief ich in der Nachbarschaft an einem „Stand“ vorbei, den zwei kleine Mädchen aufgebaut und darauf einen Haufen kleiner Steinchen ausgebreitet hatten. „Wollen Sie Steine kaufen?“ fragten sie.

„Nun…“, versuchte ich mich rauszureden. „Ich wüsste gar nicht, wohin damit…“

„Auf den Schrank legen“, rief eine, rannte hinter mir her und drückte mir ein Steinchen in die Hand. „Hier, der erste ist umsonst.“

Dann kehrte sie jauchzend zu ihrer Freundin zurück: „Juchu, jetzt haben wir schon zwei Steine verkauft…“

Geschäftstüchtig.

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Kleine Wochenendnachlese.

Ich kenne niemanden, der so nervtötend geräuschvoll isst wie mein Bruder.

Am Freitag sollte ich „ehm schnell ein Foto“ von einem Kunstwerk machen, was hier in einer Schule eingeweiht wurde. Als ich jedoch da war, geriet ich plötzlich in einer fast zweistündige Einweihungsfeier, die aufwändiger jede Jahrgangsabschlussfeier. Na gut, das Ding ist ja auch nett geworden und die haben da viel für gearbeitet und Schweiß und Blut drin stecken, aber bei dem Vortrag über „Interpretationsansätze“ zu dem Kunstwerk hätte ich mein Nervenkostüm zusammenfegen können. Jedenfalls wars nix mit „ehm schnell ein Foto“.

Sonnabend waren wir dann bei den Störtebeker-Festspielen. Sehr amüsant, wenn auch etwas Effekthascherei, so mit brennenden Menschen und so. Die Musik war schön lokalpatriotisch („So lang de Wind is free as de See, so lang sünd wi Freesen free…“ und sowat al). Kann ich nur empfehlen, gibts sicher bald hier zu bestellen.

Das ganze gab dann auch mal die nötige Motivation, die lange geplante Sammlung von lustigen oder interessanten Texten zum freien Friesentum zu beginnen. Ich bin für Anregungen immer dankbar.

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Da Uke mal wieder im Land ist, gab es zuhaus bei Muttern groß was zu Essen. Und zwar Gänsekeulen. Allerdings bezeichnete Vadder diese wiederholt und mit Nachdruck als „Gummiente“, weil ihm die Konsistenz seiner Speise nicht so recht zusagte.

Uke hingegen starrte einen Moment entgeistert über den Tisch. Jeder, also Mutter, Vadder, er selbst und meine Wenigkeit, hatte eine solche Keule vor sich liegen. Uke war dadurch allerdings ganz verstört und fragte: „Was war das denn für eine Gans, die vier Beine hatte?“