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Hatte heute ein schlimmes Erlebnis auf der Post. Ich bin ja sehr kinderlieb, aber irgendwann ist einfach die Schmerzgrenze erreicht. Zumal ich von einigen äußerst nervigen Blagen in der Kirche an Heiligabend noch etwas mitgenommen bin.

Dabei fing es irgendwie ganz amüsant an. Ich kam in die Post und da war eine extrem lange Schlange vor dem Schalter. Machte mir nix, ich hatte Zeit. Der Frau die kurz nach mir die Post betreten hatte, der machte es aber offenbar sehr wohl was aus.

Da sich die Schlange nicht rührte, fragte sie mich erstmal, ob ich schon lange stehen würden. Dann unterhielt sie sich mit meinem Vordermann, der (ernsthaft) meinte, an der Schlange sei die „68er-Regierung“ Schuld, aber nun würde alles besser. Die Frau aber meinte, das läge nicht an der 68er-Regierung, sondern jede Regierung sei schlecht und es würde immer alles schlechter. Zu guter letzt beschwerte sie sich noch über einen herumsitzenden Postmitarbeiter im Postbankbereich, der da nur herumsaß und auf Leute wartete, die den heutigen „Baufinanzierungberatungs-Aktionstag“ in Anspruch nehmen wollten. Sie meinte, der solle nicht nur rumsitzen und Schiffeversenken spielen, sondern auch ein paar Briefkunden abfertigen.

Soweit so lustig. Dann stellte sich jedoch eine junge Frau mit zwei Kindern in die Schlange. Ein junge, vielleicht 6 Jahre und ein kleines Mädchen, das gerade man laufen konnte. Und davon auch reichlich Gebrauch machte.

Aber zunächst war es der Junge, der meine Nerven bis zum zerreißen spannte. Der hatte nämlich ein lautes Organ, das er ebenso reichlich einsetzte. Er wuselte durch den gesamten Schalterbereich, packte alles an und rief irgendwelche Kommentare oder Forderungen zu seiner entsprechend überforderten Muttter in der Schlange hinüber.

„Mama, Heft?!“ Er wollte, weil da ein paar Schreibhefte auslagen, ein solches haben. „Mama, Heft?!“ Immer wieder wiederholte er diese zwei Worte. Dabei muss man sich das in einer extremen Lautstärke vorstellen, mit einer beißenden Stimme, deren Tonlage jedesmal zum Satzende noch in die Höhe schnellte. „Mama, Heft?!“ Ihre Erklärungen, dass er keines brauche und doch ruhig sein möge, fruchteten nichts.

Denn weil er kein Heft bekam, wollte er ein Herz. Was auch immer für eins, irgendwo muss ein rumgelegen haben. „Mama, Herz?!“ Meine ersten Vermutungen, der Junge sei etwas zurückgeblieben und könne einfach nicht in ganzen Sätzen sprechen, erledigten sich auch bald. Offenbar war er einfach zu faul für ganze Sätze, denn auch mit diesen zwei Worten bekam er auch alles von Mama. „Mama, Herz?!“ -  „Ja, nachher kriegst du eins, aber nun sei ruhig.“

War er natürlich nicht. Denn jetzt bequemte er sich auch zu ganzen Sätzen. „Mama, gehen wir da links lang zum Karussell?“ – „Ja, wenn ich hier fertig bin. Solange musst du aber eben ruhig sein.“ Haha.

Er stapfte weiter und gelangte zu den Handyangeboten. „Mama, ist das ein Telefon?!“ Natürlich war es das, aber das wusste er ganz genau. Er wollte nur Aufmerksamkeit schinden. Denn als er zwei Minuten später wieder an der gleichen Stelle entlang wuselte, fragte er diesmal fachmännisch: „Mama, krieg ich dieses Handy?!“ Und immer mit dieser durchdringenden Stimme, die zum Ende des Satzes immer noch eine Oktave in die Höhe ging.

Derweil war seine kleine Schwester abenteuerlustig geworden und losgestiefelt. Als sie aber die ersten zwei Meter hinter sich gelassen hatte und dank eines Prospektständers ihre Mutter nicht mehr sah, fing sie an zu brüllen und zu heulen. Und lief immer weiter. Immer von der Mutter weg. Die Mutter gab ihren Platz in der Schlange erst auf, als das kleine Mädchen schon fast in den Bereich vorgedrungen war, der Mitarbeiter der Post vorbehalten war. Sie holte das Mädel zurück, das aber wie auf Knopfdruck still wurde.

Der Junge machte sich derweil an den zahlreichen Prospekten zu schaffen, ergatterte einen Stapel und ging damit zurück zur Mutter. „Mama, guck mal?!“ Ja, das Fragezeichen ist absichtlich gesetzt, denn die Stimme ging zum Ende wieder nach oben, als sei es eine Frage. Es war aber mitnichten eine. „Nico, bring die zurück. Die brauchst du gar nicht.“ (Der hieß wirklich so, das hab ich mir nicht ausgedacht.)

„Doch ich brauch die, Mama!“ Dann wirds wohl so sein. Als ich das Irrenhaus schließlich verließ, machte er sich gerade an dem Stapel mit Kopierpapier zu schaffen und versuchte seine „Mama?!“ davon zu überzeugen, dass er das ganz dringend brauche. Gruselig war das.

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Achja. Das alljährliche Rapalje-Konzert im Limit. Inklusive des Dudelsackers und der kleinen Sekretärin.

So ein Schotten-Folkkonzert animiert ja offenbar das männliche Publikum zu einem besonders lächerlichem Outfit (z.B. eingewickelt in Mutters karierte Tischdecke), das weibliche dagegen zu einem besonders billigem Outfit. Trauriger Höhepunkt war es, als sich eine Dame ihre Brüste von den Künstlern signieren ließ.

Während ich aber im vergangenen Jahr zumindest ein paar Leute dazu bewegen konnte, mit mir das Konzert zu besuchen, war ich heuer wieder einmal mutterseelenallein. Ist schon irgendwie erschreckend, wenn die einzigen bekannten Leute im Laden die kleine Schwester eines Kumpels, eine Bekannte aus einer Arbeitsamt-Fördermaßnahme und eine ehemalige Kindergärtnerin von einem sind.

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Ach, das war was. Nach der Kirche sind wir zuerst noch zu unserem alten Kindermädchen gegangen, wo auch ihre halbe Familie war. Da hörten wie so schöne alte Geschichten aus dem Dorf, etwa von dem betagten Herrn mit dem Spitznamen „Arriba“, der zu seiner Zeit gerne mal Leute verkloppen wollte, mit der immer passenden Begründung „Du hast mein Freund beleidigt“.

Die aktuelle Prügelei verpassten allerdings vorgestern Vadder und Bruder, die sich Abends noch in der Dorfkneipe vergnügt hatte.

Mein Bruder hatte zuvor bereits einen Gürtel und Unterhosen von seiner Freundin geschenkt bekommen, die mit Totenköpfen verziert waren. Eigentlich freute er sich darüber, doch als man ihm die Überlegung mitteilte, dass seine Freundin offenbar meine, an den Stellen sei „Tote Hose“, da wurde er doch etwas nachdenklich.

Des Abends bei meiner Tante versuchte meine Mutter mit ebenso hinterhältigen wie aussichtslosen Taktiken, mir einige Elemente des Festessens schmackhaft zu machen, die ich eben einfach nicht mochte. („Komm, die kannst ruhig essen, die schmecken jeeeeedesmal anders.“)

Anschließend haben wir gewohnt schief gesungen. Aber heute wird schon wieder gefuttert. Ich bin ja kein Kostverächter, aber wo soll ich denn damit noch hin? Man bräuchte so ein paar Mägen zum Essen einlagern, das man dann so ne Woche nach der Mahlzeit wieder abrufen kann oder so…

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Fast jedes Jahr um diese Zeit beginne ich einen Eintrag in etwa mit den Worten „Gestern war wieder die alljährliche und berühmt-berüchtig-legendäre Groene/Hilko-Geburtstagsparty“. So auch in diesem Jahr.

Gestern war wieder die alljährliche und berühmt-berüchtig-legendäre Groene/Hilko-Geburtstagsparty. Ich kam erst spät, da ich mir zuvor auf der Firmenweihnachtsfeier trefflich den Magen vollschlagen konnte. Und es auch ein klein wenig übertrieben hatte. Es war also schon alles gut am Gange, aber ohne großartig auszuufern, soweit ich es überblicken konnte.

Nur das übliche: Frieso wurde mit steigendem ALkoholkonsum immer anzüglicher; Harm jun. entwickelte in Gedanken eine Süßigkeitenkollektion unter dem Nestlé-ähnlichen Markenschriftzug „Nerd“ und den Produkten „Naps“, „Noobs“ und „Ad-Mints“; Groene hatte eine Torte auf dem Kopf; Hilko organisierte Pferderennen (bei denen der Groene einen STuhl zerstrümmerte); die Zunge vorn Birtes Freund sah ihrer Meinung nach wie ein Penis aus und Hannes lernte, wie man einem frisch gejagten Hasen das Fell abzieht.

(Ich würde hier an dieser Stelle gerne das entsprechende Video einbinden, aber meine Software macht da Zicken. Also guckt es euch hier an.)

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Sogar die Zahnarzthelferin echauffierte sich heute gewaltig über das hiesige Lokalblatt. Aber nicht, ohne vorher sicherheitshalber einmal nachgefragt zu haben, ob ich da nicht vielleicht arbeite…

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Die Telekom rief an.

Telekom: „Schönen guten Tag. Wir haben Ihnen Informationen über unsere neuen Tarife zugeschickt und Sie haben darauf noch nicht reagiert.“
Termo: „Hätte ich denn müssen?“
Telekom (reagiert nicht auf die Frage): „Ich möchte Sie gerne auf einen von unseren günstigen Tarifen umstellen.“
Termo: „Aha.“
Telekom: „Ich kann Ihnen hier anbieten: Telefon- und Internetflatrate mit DSL 6000…“
Termo: „DSL 6000 ist bei mir hier gar nicht möglich.“
Telekom: „Ach? Und warum nicht?“
Termo: „Das frage ich SIE!“
Telekom: „Oh.“

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Wenn ich heut Mittag nach Hause geh, trete ich meinen Jahresresturlaub an. „Jahresresturlaub“ – das klingt ein wenig wie „Endjahresblues“ oder „Geschäftsjahresabschluss“ oder sowas.

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Ach ich könnte mich wieder den ganzen Tag über diese Zeitung aufregen, die Holtgaste und Hohegaste nicht auseinander halten kann. Das ist in etwa vergleichbar damit, als wenn man Mannheim und Ludwigshafen nicht auseinander halten kann. Oder so ähnlich.

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Ich freu mich immer wieder, wenn ich aus dem deutschen Fernsehen noch was lerne: „Europa – da ist Schottland nicht weit!“

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Ach, die Welt ist schlecht. Da kauft man fleißig Weihnachtslose um dem armen Kinderschutzbund zu helfen, und dann gewinnt ein und dieselbe Person in den ersten beiden Ziehungen jeweils ein Auto. Strategisch ungünstig. So kauft doch nie wieder jemand Lose.

(Die letzten beiden Autos hol ich mir…)

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Einkaufen ist ja auch immer ein Abenteuer. Besonders Sonnabends und in er Vorweihnachtszeit. Das reichte heute von Verkäuferinnen, die an der Kasse die Ware zerschmissen, die ich gerade erstehen wollte, bis hin zu Müttern, die sich mit ihrem Einkaufswagen mitten in der Menge quer in den Ausgang stellen, um auf den trödelnden Nachwuchs zu warten.

Aber im Laden ist mir dreimal eine Frau über den Weg gelaufen, die immer „Tatschiki“ statt „Zaziki“ sagte. Und vor allem überall.

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Mutter ist immer noch ein bisschen durcheinander.

Mutter: „Was sagtest du vorhin noch, was ich am Wochenende zu Uke mitnehmen soll?“
Termo: „Badesachen.“
Mutter: „Ach ja, stimmt. Ich wusste nur noch, das es etwas gaaanz Bizarres war…“

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Manmanman… Ik hebb Sweejt noch för d‘ Kopp!

Ich war heute Abend bei meinen Eltern zu Besuch. Da ich wusste, dass meine Mutter vor mir gehen musste, stellte ich meinen Wagen wie gewohnt so seitlich auf die Auffahrt, dass Mutters nagelneuer Bolide da noch gut dran vorbei passte.

Wir tranken also erstmal Tee, aber Mutter war allgemein schon etwas hektisch, gestresst und van d‘ Padd of. Und als sie dann schließlich zur ihrem Termin loshetzte, musste sie erst noch einmal zurückkommen, weil sie versehentlich meinen statt ihren Autoschlüssel genommen hatte.

Sie wetzte also zur Tür heraus und ich ging zu meinem Vadder in sein Fußballfernsehzimmer, das direkt neben der Auffahrt liegt. Wir nahmen am Rande wahr, wie Mutter ihren Wagen startete und energisch zurücksetzte.

Und dann krachte es auf einmal martialisch. Vor meinem inneren Auge sah ich schon meinen schönen Wagen brennend auf der Seite liegend, der Länge nach aufgeschlitzt von Mutters Boliden, auslaufendes brennendes Benzin steckt die ganze Nachbarschaft in Brand und das ABC-Abwehrbattaillon rückt an.

Stattdessen stürzte aber nur Mutter vollkommen aufgelöst wieder herein und stieß nur noch hervor: „Alles kaputt, es ist alles kaputt.“ Vadder stand nur wie ein Springteufel daneben und rief in wenig hilfreicher Art und Weise: „Und ich hab ihr noch gesagt: Pass auf Temmos Wagen auf, der dahinter steht.“ (Das hatte er tatsächlich getan, aber im Hause Bosse ist es nun mal Usus, dass man etwas mit leicht gehobener Stimme sagt und dann davon ausgeht, das alle im Haus das mitbekommen haben). Wie dem auch sei, Mutter hatte den Kopf so voller anderer Dinge gehabt, dass der Gedanke an meinen armen kleinen treuen Audi da nicht mehr hineinpasste.

Ein erstes Begutachten des Schadens meinerseits ergab allerdings, dass mitnichten „alles kaputt“ war. Im Dunkeln konnte ich nicht viel erkennen, aber an meinem Wagen konnte ich im hinteren Drittel einen Haufen Schrammen entdecken, aber die durch das Krachen implizierte Fahruntüchtigkeit war nicht gegeben. An Mutters Wagen konnte ich in der Dunkelheit erst einmal gar nichts entdecken, was aber offensichtlich daran lag, dass die Schadensseite auf der lichtabgelegenen Seite unser Außenhausfunzel lag. So ein Krachen konnte selbst an diesem Boliden nicht spurlos vorübergegangen sein.

Der Umstand der mangelnden Außenbeleuchtung war Vadder auch bekannt denn er suchte in Sorge um das Auto verzweifelt nach einer Taschenlampe. Alle funktionstüchtigen Exemplare hatte er jedoch zuvor mit in die Schule genommen. Wir fanden nur eine funktionsuntüchtige Lampe, die nach Batterieaustausch zumindest ein klein wenig Licht abstrahlte. Das reichte gerade aus, um zu sehen, dass auch am Täterfahrzeug einige Schrammen vorhanden waren, meinen Wagen hatte es aber schlimmer getroffen.

Mutter hatte inzwischen (noch in Unkenntnis der „Nicht so schlimm wie gedacht“-Sachlage) mit apokalyptischen Worten dem Autofachmann unseres Vertrauens Bescheid geben lassen, beruhigte sich dann nach unserer Teilentwarnung wieder ein wenig. Während ich zur Entstressung noch einmal Tee machte, fuhr Vadder zur Entstressung mit dem Fahrrad in die Schule, um die funktionstüchtigen Taschenlampen zu holen (die andere Lampe hatte er zu diesem Zeitpunkt schon vollends zerstört). Aber nicht zuvor ohne den in seiner schlechten Laune irgendwie bizarren Witz zu machen, dass er in seiner Aufregung jetzt mit seinem Fahrrad auch noch gegen den Wagen gefahren sei und alle Frontlampen zerdeppert habe.

Wenig später kam der alarmierte Automann (mutete ein wenig an wie ein Notarzt irgendwie), der sich erst einmal königlich darüber amüsierte, dass gleich beide Familienautos in dieses Malheur involviert waren. Auch seine Begutachtung (mit den von Vadder herangeschaften Taschenlampen) ergab, dass es wohl hauptsächlich Lackschäden waren, die da angerichtet wurden. Dies löste aber statt der Erleichterung nun die Diskussion aus, ob man am Boliden meiner Mutter die teure Variante mit der völligen optischen Wiederherstellung wählen sollte oder nur eine zweckmäßige Reparatur.

Mutters vorherige Verzweiflung war in Streitbarkeit umgeschlagen. Zuerst erzählte sie, wie Vadder vor gut zehn Jahren unseren und gleichzeitig den Wagen seiner Eltern im Rückwärtsgang ausgiebig beschädigt hatte und schließlich gab sie als „Todesstoß“ zum Besten, dass sie ja vergangene Woche geblitzt worden sei und nun ordentlich Strafe zahlen müsse.

Das warf Vadder erst einmal aus der Bahn und lenkte ihn zunächst von den neu zu lackierenden Autos ab. Er stellte fest, dass er ja wohl wieder für das Strafgeld aufkommen müsse und in nächster Zukunft auf Kaffee und Brötchen verzichten müsse, um das Geld wieder hereinzubekommen.

Man einigte sich aber schließlich darauf, dass der Automann erstmal guckt, was so zu machen ist und dann will man immer noch sehen, inwieweit die Optik wiederhergestellt wird. Ich muss aber zugeben: Als ich anschließend in mein Auto stieg, um den Heimweg anzutreten, hatte ich ein wenig Angst. Ich fürchtete irgendwie, dass der Wagen mir um die Ohren fliegen oder unter mir auseinander fallen könnte. Aber ich bin doch heil nach Hause gekommen. Nur wenn das so weiter geht, dann braucht mein Nervenkostüm in Kürze auch eine neue Lackierung.