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Vadder kam gestern mit einem leeren Suppenteller in die Küche und sagte zu meiner Mutter: „Also das war eine sehr gute Suppe, hat wirklich lecker geschmeckt. Sie hatte nur einen Schönheitsfehler, der sie dann doch ganz gewaltig abgewertet hat.“ Dramatische Pause. „Sie war zu heiß.“

Als ich meinte, dass er sie ja noch einen Moment hätte stehen lassen können, bevor er sie hineingeschlugengen hatte, da baute er sich Schulmeisterlich vor mir auf, stemmte die Hände in die Hüften und sagte mit einer um eine halbe Oktave erhöhten Stimme: „Temmo, ich muss sagen, dieser Vorschlag kommt durchaus zu spät!“

Aber verriet uns auch, wie er sich rettete, nachdem er sich böse den Mund verbrannt hatte: er warf nämlich schnell ein kaltes Würstchen hinterher…

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Die Plattdeutsch-Kursstunden sind immer irgendwie bizarr. Neulich ging das zum Beispiel darum, dass Hilko over ‚d Straat lopen sall und heute wurden unter anderem Schuppen angezündet und Zwieback bestellt. Besonders auffällig erschien mir, das gliek twee Lüü in hör Unnericht wat mit Kamelen to doon harren. Daar was toeerst maal ick mit mien Plattdütsk-Stünn over Arabers un de Sahara un dat Wüstendeer un so al un denn was daar noch de anner Froo, de wat van d‘ Zoo un Kamelen un so vertellde.

Un daarbi full mi de oll Witz in mit de Elefant un dat Kamel. Waar de Elefant heel knippsk an dat Kamel seggt: „Wo kummt dat egentlik, dat du dien Titten up d‘ Rügg dragen deist.“ Do see dat Kamel: „Dat is en heel raar Fraag för een, de sien Krüll in’t Gesicht hett.“

Okay, so spaßig is dat neet, man wenn du daar so achter en lang Dag in d‘ Volkshoogschool sitten deist, denn hest du ok bi sükse Gedachten dien Pläseer.

Aber ich habe so das Gefühl, dass ich das Diktat heut nur mäßig hinbekommen habe. Irgendwann lässt halt mal die Africa Concentration auch nach.

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Ich war ja nun auf einigen wahnsinnig wichtigen Veranstaltungen in den vergangenen Tagen. Und wenn es dann Abends zum „inoffiziellen“ Teil einer solchen Zusammenkunft kommt, dann habe ich persönlich immer ein wenig Angst, dass die versammelten Minister, Landräte, Bürgermeister etc. sich tierisch bedaufen und es dann zu peinlichen Szenen kommt. Dem war aber nicht so. Es war im großen und Ganzen sogar rechts lustig. Besonders die Musik. Kennt ihr „Mr. Bojangles“ auf Plattdeutsch?

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Tz. Heinricht Heine schrieb seinerzeit über die Norderneyer (Auszug): „…sehnen sie sich wieder zurück nach ihrer Sandinsel, nach ihren kleinen Hütten, nach dem flackernden Herde, wo die Ihrigen, wohlverwahrt in wollenen Jacken, herumkauern, und einen Tee trinken, der sich von gekochtem Seewasser nur durch den Namen unterscheidet, und eine Sprache schwatzen, wovon kaum begreiflich scheint, wie es ihnen selber möglich ist, sie zu verstehen. Was diese Menschen so fest und genügsam zusammenhält, ist nicht so sehr das innig mystische Gefühl der Liebe, als vielmehr die Gewohnheit, das naturgemäße Ineinander-Hinüberleben, die gemeinschaftliche Unmittelbarkeit. Gleiche Geisteshöhe, oder, besser gesagt, Geistesniedrigkeit…“

Und was macht man auf Norderney? Man setzt dem Herrn Heine ein Denkmal

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Ich mach dieses Jahr so ein bisschen Insel-Hopping. Morgen geht es erstmal los mit einer Dienstreise nach Norderney. Wat schade, dass wir diese paar heißen Tage nicht jetzt haben. Naja. Freitagabend hab ich dann kurz Zeit zum Erholen, denn Sonnabend in aller Frühe geht es dann nach Borkum. Da ist dieses Fußballturnier, wo ich nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder spiele. Und Anfang Juni geht es für ein paar Tage nach Helgoland. Da bin ich noch nie gewesen. Nachdem ich feststellen musste, dass die Jugendherberge schon längst ausgebucht in der Zeit des Friesentreffens, hatte ich rasch ein Zimmer gebucht, um einer Ausbuchung zuvorzukommen. Ich buchte sogar, bevor mein Urlaub genehmigt war.

Und wegen der neuen Versicherungsvermittlerrichtlinie hätte das mit dem Urlaub auch nicht klappen können. Aber das habe ich eigentlich nur erzählt, damit ich das Wort. „Versicherungsvermittlerrichtlinie“ benutzen kann. Das bringt näich bestimmt ein paar Google-Treffer.

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Es wird vielleicht mal Zeit für eine Eingabe beim Presserat wegen andauernder Minderheitendiskriminierungen in den deutschen Zeitungen. Heute in der „Berliner Zeitung“ stand zum Beispiel im Feuilleton in einem Artikel über Pop oder Grateful Dead oder was auch immer, dass Hippies „in ihrer stoischen Witzfigürlichkeit fast zwei Jahrzehnte lang so etwas wie die Ostfriesen des Pop“ gewesen seien.

Unverschämtheit!

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Es ist dieser Tage so sommerlich, dass ich sogar wieder bis spätabends auf dem Balkon sitzen kann. Nur das fehlen der Blätter an einigen Bäumen lässt die Illusion des Hochsommers platzen.

Und die Fledermäuse, die mir um die Ohren flattern, sind neu. Die haben sich sicher standesgemäß in dieser ruinenartigen Schule  hier nebenan einquartiert.

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Und dann sagte Vadder hinterher noch: „Manchmal, da sind die Leute einfach so aufgesprungen, obwohl gar keine spannende Szene war. “ Das musste ich ihn aufklären, dass man auch tatsächlich aufsteht, wenn im Fanblock gesungen wird: „Steht auf, wenn ihr für Werder seid…“

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Bei der Fahrt am Sonntag zum Werder-Spiel war Vadder weniger von dem mäßigen Kick als von dem ganzen Drumherum fasziniert. Er skandierte noch bis gestern Abend immer wenn man es gerade nicht erwartete: „Werder: EINS! Nürnberg: NULL! Dankeschön. BITTESCHÖN!“

Die Musik auf so einer Busfahrt ist ja aber reichlich gewöhnungsbedürftig, als da wären etwa das „Kaninchenlied“ oder „Er kommt nach Haus er kommt nach Haus er kommt nach – Fußball kommt nach Haus.“ Von irgendeiner früheren Tour war Vadder auch irgendwie traumatisiert. Immer wenn ein neues Lied angespielt wurde, dann zuckte er zusammen. Er erklärte, dass er mal bei einem Fußballspiel mitgefahren sei und auf der Rückfahrt seien alle so besoffen gewesen, dass sie die ganze Fahrt über in eine Mordslautstärke immer und immer wieder „Da steht ein Pferd aufm Flur“ gespielt hätten, dass er nun jederzeit erwartete…

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Ich bin heut recht spontan mit zu Werder gefahren. Das Spiel war ein ziemliches Gestocher, aber im Bus wurden zwei Getränke ausgegeben: einmal ein roter Schnaps namens „Jheringsfehntjer Stürmerblut“ und dann, wie der Fanclubchef es nannte: FKK – „Fein koll Kruiden“.

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Heute haben wir ein wenig in der Kneipe in Joachims Geburtstag reingefeiert. Sogar Basti war da, wegen Harald und Joachim. Er sagte: „Die zwei hässlichsten, unförmigsten und windschiefsten Gestalten der Welt in einer Stadt? Muss ich sehen.“

Im Laufe des Abends drehte er mir ein Getränk an, dass – so sagte er zumindest – irgendwann berunken im Circle in Warsingsfehn erfunden hatte. Er habe zum Barkeeper gesagt: „Ich will das da und das das und das da zusammen gemischt. Mit Eis.“ Und im mit den Jahren habe er das Getränk dann „Gurki“ getauft. Naja, ich habe jedenfalls zwei Gurkis getrunken.