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Ich wagte gestern einen kleinen Abstecher auf das Stadtfest einer unweit gelegenen Großstadt. Das war ein etwas wunderliches Erlebnis, muss ich gestehen. Es sollte mal jemand eine Doktorarbeit zu den Schönheitsidealen verschiedener Subkulturen schreiben.

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Man ist ein paar Wochen nicht in der Heimat und schon geht hier wieder alles dwars un dweer. Zu unserem ja bereits sehr reichhaltigen Angebot an wöchentlich erscheinenden Anzeigenblättern sind noch zwei weitere hinzugekommen. Jetzt bekommen wir Sonntags drei Zeitungen und Mittwochs, Donnerstags und Sonnabends je eine weitere.

Man merkt, dass ich nicht mehr so ganz tief in den hiesigen Presseinsidergeschichten drin stecke, denn das eine oder andere Detail in dieser Aufstockung unseres Gratiszeitungsmarktes erscheint mir nicht so ganz logisch. Naja, da werde ich schon noch hinter kommen. Jedenfalls machen sich hier alle jetzt noch schön gegenseitig den Anzeigenmarkt kaputt.

Aber vielleicht ist das ganze ja auch nur von der Recyclingindustrie finanziert. Neulicht stritten hier noch drei private Entsorger gegeneinander und gegen die kommunale Müllabfuhr darum, wer das Altpapier entsorgen darf, das sich mittlerweile teuer auf dem Rohstoffmarkt verscheuern lässt. Es wird jetzt einfach so viel Altpapier produziert, dass für jeden genug dabei ist.

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Ach, wat was dat moi. Auf meiner Tour von Kiel ins heimische gelobte Land hatte ich ein Wicht mit im Auto, wat Platt konnte. Und zwar anständiges Platt, wo ich nicht jeden zweiten Satz von mir erläutern musste.

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So. Heute feiern wir sieben Jahre Termos Taten. Wie die sieben biblischen Plagen oder die sieben Todsünden. Oder doch wie die sieben Zwerge, die sieben Geißlein, oder vielleicht doch eher wie die sieben Weltwunder oder die sieben Tugenden oder das sprichwörtliche Buch mit sieben Siegeln.

Ich glaube, zur Feier des Tages esse ich mal wieder sieben Schnitzel diese Woche.

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Eine meine Mitbewohnerin traf gerade aus ihrem Urlaub wieder ein. Die andere rief heute morgen hier an und fragte mich, warum ich am Telefon sei. Und die Dritte hat als einzige bisher keine Post mit der neuen Lebenslangen Steuernummer bekommen. Die existiert bestimmt gar nicht.

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So. Ich bin seit vergangener Nacht wieder zurück aus der Bretagne. Dennoch war ich noch nicht von den Franzosen befreit, denn heute im Zug nach Hamburg gruppierte sicht prompt eine französische Familie um mich herum und las immer die Haltestellen laut vor („Nääschte Aalt: Ambüürg-Dammtoor“).

Hab ich mich eigentlich hier schon mal über dieses wunderliche Tarifsystem der Bahn ausgelassen? Bestimmt. Aber es wurde mir heute wieder bestätigt. Als Bahncardinhaber fahre ich von Kiel deutlich günstiger nach Hamburg, wenn ich kein Ticket nach Hamburg, sondern darüberhinaus kaufe, etwa nach Scheeßel. Bekloppt.

Naja, egal. Ich werde in Kürze hier die Erlebnisse meiner Reise bloggen, wie ich sie mir unterwegs notierte, und zwar jeweils mit dem entsprechenden Datum versehen. Die Artikel tauchen also VOR diesem hier auf. Nicht, dass ihr euch wundert.

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Heute war unser letzter Tag in der Bretagne. Zunächst besuchten wir das Ofis ar Brezhoneg, also das Institut für die bretonische Sprache. Da erfuhr man ganz interessante Sachen. Zum Beispiel ist in der Bretagne ja fast alles zweisprachig, also nicht nur hie und da ein Ortschild wie bei uns, sondern zahllose Wegbeschilderungen und so al. Allerdings nicht auf den Autobahnen, denn die liegen im Zuständigkeitsbereich des Zentralstaats, der mit Bretonisch nix am Hut hat.

Das Rathaus von Carhaix hatte anlässlich unseres Besuchs extra friesisch aufgeflaggt (neben der bretonischen, französischen, europäischen und tibetischen Flagge. Allerdings Westfriesisch. Aber man will man auch von den Jungs erwarten, dass sie die friesische Kleinstaaterei durchschauen. Die Westfriesische Flagge hatten sie aber wohl vorrätig, da alljährlich westfriesische Ringer Carhaix besuchen. Der gute Wille zählt ja aber, und neben den ganzen Nordfriesen und dem Ostfriesen hatten wir auch zwei Westfriesen dabei. Ganz umsonst war es also nicht. Und wir haben das ganzen dann wohlwollend ergänzt.

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Auf dem Rückweg nach Brest hielten wir in irgendeinem kleinen Touristenfallenort, der einen so genannten keltischen Wald beherbergte. Wie keltisch das Gelände war, kann ich nicht beurteilen, aber es war ganz schön. Beim Kraxeln zwischen der Teufelsgrotte und den Felshöhen habe ich mich – wie es sich bei einem Instantabenteuer gehört – natürlich im glittschigen Schlamm auf die Fresse gelegt.

Der Nachmittag war frei, denn der Busfahrer brauchte seine vorgeschriebende Ruhezeit. Abends fand der bretonisch-friesische Kulturabend statt, zu dem wir alle eingeladen hatten, die uns unterwegs untersützt hatten. Und heute Nacht um 2 gehts auf nach Haus.

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Der Tag begann damit, dass ein Zimmergenosse den anderen des Gelegenheitsschnarchens. „Temmo schnarcht ja zumindest die ganze Zeit, da kann man sich dran gewohnen. Aber du schnarchst alle paar Minuten einmal. Das ist genauso nervig wie jemand, der irgendwo im Raum steht und alle paar Minuten einmal klatscht.“

Das offizielle Tagesprogramm bestand vor allem in der intensiven Beschäftigung mit dem bereits angesprochenen DIWAN-Schulsystem. Wir besuchten eine Schule und das Lehrerausbildungszentrum in Quimper. Am Nachmittag hatten wir ein wenig Freizeit. Als ich zwischendurch vor den Touristenmassen in einen kleinen versteckten Park geflüchtet war. Ausgerechnet hier lief mir ein deutsches Touristenpärchen über den Weg. Sie schimpfte mit ihm: „Ich dachte, du kannscht Französisch!“ Er verteidigte sich: „Ja das isch halt schwer hier. Die spreschen a gansch komischen Dialekt.“

Abends trafen wir uns mit DIWAN-Eltern und Lehrern. Bei mir am Tisch saß eine Cornwaliserin, die als Englischlehrerin arbeitete. Die sprach Cornisch, Walisisch und Bretonisch. Hochinteressant.

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Heute gings in aller Frühe in einer Stadt, wo Häuser auf einer Brücke gebaut sind. Ganz hübsch, aber ich versuchte verzweifelt eine aktuelle deutsche Zeitung aufzutreiben. Keine Chance. Entweder gar nix deutschsprachiges da oder drei Tage alt.

Anschließend besuchten wir eun bretonisches Radio. Die senden da tatsächlich 24 Stunden am Tag auf Bretonisch, nicht wie in Ostfriesland 7 bis 8 Stunden die Woche Platt oder die 3 Minuten Friesisch die Woche in Nordfriesland. Aber aussehen sah das da tatsächlich ein wenig wie bei Radio Ostfriesland.

Nachmittags waren wir dann tatsächlich auch mal ein wenig in Brest. Da nächtigen wir nun schon ein paar Tage, ohne groß was von der Stadt gesehen zu haben. Es ist auch mittlerweile ein running gang, das wird von Bräist (friesisch für Bredstedt) nach Brest gereist seien.

Naja, Brest. Die meisten fuhren allerdings zur Jugendherberge, um ein Nickerchen zu machen oder den nahe gelegenen Ozeanerlebnispark zu besuchen. Ich verließ den Bus allerdings mit ein paar wenigen anderen in der Innenstadt.

Als erstes muss man sagen, dass es einen nicht mehr verwundert, das Brest und Kiel Partnerstädte sind. Beide im Krieg platt gemacht und wenig ansehnlich wieder aufgebaut, beide Seehafenstädte und Zentren maritimer Wissenschaften und viele andere Kleinigkeit. Ein Unterschied ist allerdings, dass das Kieler Schloss sich optisch dem Rest der Statt angeglichen hat, während das Château von Brest doch noch ziemlich stattlich ist.

Nach wie vor ist die Festung, die als römisches Feldlager ihren Anfang nahm, in militärischem Gebrauch. Da ist irgendwie noch das Kommando der französischen Antlatikflotte drin untergebracht, denn gegenüber liegt der Kriegshafen. Allerdings ist das Marinemuseum auch in der Festung. Bei der Besichtigung wunderte ich mich, dass es in heutigen Zeiten möglich ist, nur mit einem kleinen Hopser über einen Zaun vom Besichtigungsrundgang in militärische Sperrgebiet zu gelangen.

Was mir auch aufgefallen ist, dass ich die beste Toilette meines gesamten Frankreichaufenthalts im Museum in der Brester Festung vorfand. Es sind bestimmt schon Millionen Bücher über Französische Toiletten geschrieben worden, deswegen will ich mich da nicht groß drüber auslassen. Die Klosetts in der Herberge waren jedenfalls furchtbar. Dass ausgerechnet in Festeung eine gute Toilette war, wirft die Frage auf, ob die Toilette extra in die Festung eingebaut wurde, oder ob die Festung seit 2000 Jahren die beste Toilette des Landes schützen soll.

Während ich also in der Festung war, suchten ein paar meiner Zimmergenossen ein Hallenbad auf und erlebten da ein offenbar traumatisches Erlebnis. Denn sie durften dort ihre Badeshorts nicht tragen und müssten hautenge Badehosen erstehen. Seitdem ist das Wort „Schlüpper“ das meistbenutze Wort in unserer Schlafbutze und die Jungs bewerfen sich gegenseitig mit den Dingern.

Abends gab es dann den großen Empfang im Rathaus für uns, mit Champus und so. Zuhause gestand mein Zimmergenosse Sören, dass sein Lateinlehrer ihn immer „Sörenfried“ genannt habe.

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Ein vorläufiger Höhepunkt der Reise war der heutige Brauereibesuch. Bretonische Privatbrauerei namens Britt. Gefiel mir sehr gut. Das leckerste Bier war das Siebenkornbier: „Sieben Körner – Sieben Prozent“. Spitzensache das. Den Lacher des Tages sicherte sich unser Boss, als er sagte, er sei ganz „finanziert“ davon, wie die Bretonen Ökonomie und Identität verbinden.

Danach waren wir auf dem Bretonischen Kulturfestival „Le Filets Bleu“. Die Bretonenische Sprache hat unter der Repression des frankophonen Zentralstaats arg gelitten, aber das hat die bretonische/keltische Identität des Landes nur gestärkt. Überall ist die Bretonische Flagge aufgezogen und dazu meist auch noch die Flaggen von Irland, Schottland, Wales, Man und Cornwall. Außerdem ist alles voller Irisch Pubs, Shops für keltische Accessoires und sowat al.

Und alles voller Volkstanz- und Dudelsackgruppen. Und die spielten zuhauf auf diesem Festival. War sehr cool. Habe mir aber sagen lassen, dass es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gar keine Dudelsäche in der Bretagne gab. Aber weil die als so keltisch gelten, haben die Bretonen den Dudelsack sozusagen adoptiert. Elk sien möög.

Der Aufreger des Tages war es, als wir uns alle zum vereinbarten Zeitpunkt am Fähranleger trafen, um zurück zum Bus zu schippern. Alle waren da, nur einer fehlte. Alles suchte und suchte und guckte und sorgte sich -  aber er war schon mal früher auf die andere Siete gelangt. Aus Langeweile. Kinners nee…

Abends zurück im Herbergssiff fragte mich einer meiner Zimmergenossen nach meinem Namen. „Wie heißt du eigentlich? Bisher hat es immer gereicht, wenn ich ‚der Ostfriese‘ oder ‚Ossi‘ gesagt hab.“

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Heute waren wir in Morlaix. Das ist ein schöner Name für eine Stadt, den kann man nämlich so schön ausspeien. MORRLÄH! Und beim L die Zunge schön weit aus dem Mund: MORRLÄH!

Naja, da gabs jedenfalls dies und jenes zu sehen. Die Organisatoren unserer Reise haben überall jemanden aufgetan, den sie kannten oder jemanden von nem örtlichen deutsch-französischen Verein. In Morrläh war ein Lehrer unserer Führer. Der Sprach ein so deutliches Französisch, dass sonderbarerweise sogar ich das verstehen konnte. Das war unheimlich. Aber immer wenn irgendwasn auf Französisch passierte, wurde das eh simultan auf Friesisch übersetzt.

Ich ließ es mir jedenfalls nicht nehmen, auf das örtliche Eisenbahnviadukt zu steigen und die ostfriesische Fahne über Morrläh wehen zu lassen.

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Nach der Stadtbesichtigung sahen wir uns ein paar alte Kirchen an. In der Bretagne sind die alle mit einem heiligen Bezirk umgeben und es gibt ein Kalvarienhaus. Bei der zweiten Kirche gerieten wir unversehens in eine Hochzeitsgesellschaft. Mit trällerten ihnen was auf Friesisch, was sie verwirrt, aber freudig zur Kenntnis nahmen.

Abends trafen wir zum ersten Mal mit den DIWAN-Leuten zusammen. DIWAN ist ein Verein, der vor 30 jahren begonnen hat, ein privates Schulsystem aufzubauen, dass komplett auf Bretonisch funktioniert. Auch nicht schlecht. Ein redseliger Bürgermeister und allerlei andere begrüßten uns freudig. Nach dem Gedankenaustausch gab es geistige Getränke. Eine örtliche Spezialität ist wohl Weißwein mit Johannesbeersaft gemischt. Das war ganz wunderlich, das Zeug, weil es sehr schnell ganz sonderbar knallte. Die Stimmung wurde rasch ausgelassen. Unser Lehrerführer sang ein Liedlichen über seinen Großvater, ein hinzugekommener Journalist hatte zufällig ne Tröte dabei und trötete uns was bretonisches. War alles sehr unheimlich.

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Hm, das mit der einzelnen Dusche kann ja heiter werden hier. Gibt bestimmt Gedränge. Mich hat das heute Morgen aber nicht betroffen, denn als ausgesprochener Langschläfer bin ich heute recht früh aus den Federn gekommen. Klingt zunächst etwas unlogisch, ist es aber gar nicht. Als jemand, der seinen besten, erholsamsten und tiefsten Schlaf am Vormittag hat, muss ich also tatsächlich entweder sehr lange pennen oder aufstehen, bevor ich mich dieser Phase annähere. Denn dann komm ich den ganzen Tag gar nicht in die Gänge. Also früh raus, und das am Besten regelmäßig, damit man ne Struktur da drin hat. Außerdem hasse ich es beim Frühstück zu hetzen.

Die Dusche war am frühen Morgen jedenfalls noch verwaist, also schon mal ein Problem weniger. Wegen des dort reichlichst vorhandenen Schimmelpilzes, habe ich aber dennoch auf ein ausgiebiges Duschbad verzichtet.

Das Frühstück war auch ein kleines Abenteuer. Gestern Abend bei der Einweisung wurden wir eindringlichst darauf hingewiesen, dass wir nach dem Morgenmahl die Tische zu säubern hätten. Da dachte ich mir noch, dass wir doch keine Schulklasse seien, die mit dem Essen spielt und alles vollkleet. Aber es war so, dass es zum Frühstück keine Teller gab. Man musste auf dem blanken Tisch essen.

Man stelle sich vor, wie der Termo früh Morgens als einer Ersten den Speisesaal betritt und auf den Tischen neben einer Schale mit Weißbrot, einem Stück Butter, einem Schälchen Kakaopulver und ein wenig Marmelade an seinem Platz nur eine kleine Kumme, einen Löffel und ein Messer vorfindet.

Die Kumme ordnete ich natürlich zunächst Müsli oder Cornflakes zu. Aber nach der Frage beim Personal, woraus man denn seinen Tee trinken solle, deutete man auf die Kummen. Also saß man zu Tisch, trank seinen Tee aus Suppenkummen und schmierte sich seine Brote auf der nackten Tischplatte. Zur Auswahl gab es Weißbrot mit Marmelade und sonst nichts. Jeden Morgen ausnahmslos. Da zeigte sich ein weiterer Vorteil meiner Frühaufsteherei: Um irgendwie zumindest Ansatzweise ein Sättigungsgefühl zu bekommen, musste man sich Unmengen von diesem Weißbrot zwischen die Rippen schieben. Weißbrot gab es nämlich ohne Ende, man hatte während der Frühstückszeit sozusagen eine Weißbrotflatrate. Aber nach so einem Weißbrotmarmeladengelage auf der Tischplatte ist das gute Möbelstück natürlich gut versaut. So erklärte sich die eindringliche Putzaufforderung.

Heute ist übrigens der wunderliche katholische Feiertag, von dem ich jüngst berichtete. Also war für heute angesetzt, durch die Gegen zu juckeln und die Landschaft und so zu begutachten. Die ganze Küste ist hier voller alter Militärischer Anlagen. Das wäre ein Fest für Vaddern gewesen. Aus dem 17. Jahrhundert, aus dem 19. Jahrhundert und der deutsche Atlantikwall. Diese Bunker werden von Durchreisenden allerdings offenbar gerne als Lokus verwendet, denn regelmäßig fanden sich in den Gewölben Aufschriften wie: „No Toilettes / Keine Klo“.

Keine Klo

Der Gral, den ich ja bei meinem letzten Frankreichbesuch fand, verfolgt mich auch hier. In einer kleinen schmucken Touristenfallenstadt war eine Ausstellung über das gute Stück. Ich wollte da eigentlich ein paar Korrekturen vorschlagen, aber mein Französisch ist eher mäßig. Immer wenn mich ein Einheimischer anquatschte, lächelite ich Freundlich und sagte Dinge wie „Je suis la kückücksüühr“ und machte mich dann davon.

Am Strand waren wir auch. Die haben hier nen gewaltigen Tidenhub, deswegen konnten wir schön das auflaufende Wasser beochbachten. Ein dicker Tourist saß näher am Wasser als wir. Er hockte zufrieden mit sich unter Welt hinter seinem kleinen aufgeschaufelten Damm und dachte, da sei er vor den immer höher auflaufenden Wellen sicher. Ich habe sehr gelacht, als plötzlich eine Welle seine Bauwerk kräftig überspülte und er sich nur mit einem beherzten hochwuchten seiner Pfunde vor der völligen Durchnässung retten könnte.

Unweit des Strandes war ein Hinkelsteinfeld. Wat haben die nur mit den Dingern gemacht damals. War wohl so ne Art Statussymbol a la „Wer hat den Größten“. Und jeden Sonntag sind sie alle mit ihrem größten Hinkelstein auf den Sportplaz gekommen und haben verglichen. Nach einem dieser Sonntage muss die ganze hiesige Bevölkerung verstorben sein, denn die Steine stehen da immer noch, nach tausenden von Jahren.

Am Abend nahmen wir eine warme Mahlzeit in der Jugendherberge. Das wird in den kommenden Tagen aber wohl eher selten passieren. Allerdings kein Verlust. Das Essen schmeckte nach gar nix. Strategisch gar nicht dumm vom Koch. Was nach nichts schmeckt, schmeckt zumindest niemandem nicht.

Als ich danach einen Verdauungsspaziergang am Strand machte, traf ich die Deutsche Bundeswehr. Die sind auch überall.

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So, heute in aller Herrgottsfrühe, so gegen halb 3 Uhr morgens, verließen wir Risum-Lindholm und kamen tatsächlich kurz vor Mitternacht in Brest in der Jugendherberge an. Ich hätte da vor der Abfahrt nicht drauf gewettet, denn als ich in den Bus einstieg, erblickte ich folgendes Bildnis auf dem Bus:

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Ich fürchtete, dass jeder Busfahrer eine Europakarte auf seinen Bus malen durfte, um seine Geographiekenntnisse zu beweisen. Mich tröstete nur, dass Westeuropa -  unsere Zielrichtung – zumindest relativ korrekt dargestellt war. Wären wir in den Osten oder Südosten gefahren, hätte ich schwarz gesehen. Diese großen Einheitsstaaten da machten mir ein wenig sorgen. Die UdSSR und Ostrom könnten das vielleicht sein.

Naja, ich habe von der Fahrt nicht allzuviel mitbekommen und gottseidank ne Menge geschlafen. Kann die Orientierungskünste des Fahrers also kaum beurteilen. Nur ein paar Dinge sind mir unterwegs aufgefallen: Zunächst einmal mitten in Frankreich ein Rasthof namens „On the Run“. Und ich dachte immer, in Frankreich wird alles niedergebrannt, was englich beschriftet ist.

Und dann war da noch die Autobahnbrücke über die Seine-Mündung, die mit Fahrrad- und Fußgängerstreifen ausgestattet war. Habe allerdings weder Fahrräder noch Fußgänger gesehen. Nicht verwunderlich, da wäre man ja lebensmüde.

Die Jugendherberge, in der wir nächtigen werden, sieht auf den ersten Blick gar nicht so übel aus. Unsere Reisegruppe bewohnt alleine ein kleines Nebengebäude. Allerdings habe ich für unsere knapp zwei Dutzend leute bislang nur zwei Klos und eine Dusche entdecken können. Das kann ja heiter werden.

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Morgen Nacht geht es los zu meinem diesjährigen Urlaubsersatz, einer kleinen Fahrt nach Kleinbritannien. Das erinnert mich an den „Jahrhundertsommer“ vor fünf Jahren, in dem ich mich auch um diese Zeit in Frankreich aufhielt. An einem Tag wäre ich fast verhungert und in irgendeinem Dorf gestrandet, weil ein ominöser katholischer Feiertag war, mit dem kein normaler Mensch rechnen konnte, und ALLES dicht hatte. Inklusive Tankstellen. Naja, den Tag treffen wir diesmal sicher auch noch an.

Aber was ich eigentlich erzählen wollte: als ich in der Redaktion vorhin in das Büro einer Vorgesetzten kam, hörte ich nur: „…und unser Nachbar sammelte das Blut dann immer in einer großen Tonne. Das hat mein Vater dann immer übers Erdbeerbeet gekippt. Die sind dann gewachsen….“

Da bin ich so wieder gegangen.

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„Herumirren“ ist im Moment eine meiner Hauptbeschäftigungen. Die kleine Tätigkeit, die ich zurzeit ausübe, findet ausnahmsweise mal nicht in einem eher kleinen Betrieb statt, sondern bei einer größeren Hausnummer. Dementsprechend unübersichtlich ist die ganze angelegenheit. Zumindest baulich.

Und wenn ich dann mal wieder im Gebäude herumirre, dann heißt es meistens: „Falsches Treppenhaus“. Ich suche zum Beispiel meine Redaktion und bin mir hundertprozentig sicher, im korrekten Stockwerk zu sein. „Ja stimmt“, sagt man mir, „aber Sie sind durchs falsche Treppenhaus gekommen. Denn hier sind die Büros einer anderen Firma im Weg, da kommen sie nicht durch.“ Oder ich will speisen und finde die Kantine nicht. „Oh, da sind Sie ja im ganz falschen Treppenhaus.“ Und in eben jenem wäre ich wahrscheinlich elendiglich verhungert.

Naja, aber auch wenn ich draußen im Einsatz bin, irre ich herum. Aber das ist dann nicht meine Schuld. Als ich heute zum Beispiel bei meinem Termin in Husum schließlich entnervt ankam, da bestätigte man mir: „Da können Sie nichts für. Die ganze Stadt besteht nur aus Einbahnstraßen und Sackgassen.“

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Schön ist auch, wie am Spielfeldrand unter fadenscheinigen Gründen Schnaps an die Akteure ausgeschenkt wird:

„Hest Kuuspien*? Hier hest d’r wat tegen…“

* Zahnschmerzen