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Mein Bruder ist ja ein sehr vorausschauender Mensch und hat in den vergangenen zwölf Monaten sein Geld in einer krisenfesten Anlage deponiert: Pfandflaschen. Heute war nun der Tag der Ernte gekommen und wir sind losgezogen, um den Lohn der Mühen einzusacken.

Und es gab sogar Zinsen: Wir blockierten 20 Minuten den einzigen Pfandannahmeautomaten weit und breit. Alle Leute, die nur ein oder zwei Flaschen dabei hatten, hielten ihren Sparertrag nicht des Wartens wert und steckten uns ihre Flaschen auch noch zu.

Dat Geld ham wa gleich aufn Kopf gehauen. Man hats ja, ne.

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Ein italienischer Kellner überschüttete mich gestern mit Wein. Immerhin musste ich den Wein dann nicht bezahlen.

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Ich konnte endlich mein Auto halbwegs günstig instand setzen lassen, weil jemand ein nahezu identisches Auto für die 2500 Euro Abwrackprämie zum verschrotten freigab.

Hallo? 2500 Euro für so einen Wagen? Da würde ich ja nicht ansatzweise dran denken. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist der mindestens das Doppelte wert. Wie kommen Leute auf sowas? Naja, mir soll es recht sein.

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Ich lernte gerade einen neuen Fachausdruck, und zwar für das massenhafte stumpfe Reinprügeln von Wissen vor der Klausurenschwemme, das man wenige Tage nach der Klausur eh wieder vergessen hat: Bulimie-Lernen. Kennt angeblich jeder, ich kannte es noch nicht.

Zynisch, aber irgendwie passend

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Normalerweise harrt mein Navigationsgerät ganz still und brav in meiner Schreibteischschublade seines nächsten Einsatzes. Aber heute sprang es wie von Geisterhand an und orakelte lautstark in den Raum: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Mal ganz davon abgesehen, dass ich furrchtbar erschrocken war, ist das auch noch eine dreiste Lüge. Wenns denn man so wär. Aber leider wartet noch ein Stapel Klausuren auf mich.

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Gelegentlich ist ja auch das mir eher abseitige Gebiet der „Neuen Deutschen Literatur“ ein Quell der Freude. Zum Beispiel, wenn das Werk der regimetreuen DDR-Literatur „Der geteilte Himmel“ in dem „schwanzlastigen“ Wenderoman „Helden wie wir“ zu „Der geheilte Pimmel“ wird.

Von der Sorte gibts beim Studium der „Neuen Deutschen Literatur“ leider eher selten Kostproben. In Friesisch haben wir dagegen dauernd so Schoten. Wie damals als wir in dem sylterfriesischen „Di lekkelk Stjüürman“ von dem glücklichen Steuermann lasen, der eine hübsche aber taubstumme Frau heiraten sollte und sich dachte: „Nicht das Schlechteste, was einem passieren kann.“

Oder die saterfriesische Erzählung, als nach einer Kindstaufe so gesoffen wurde, dass das Kind erst mit einem Ferkel verwechselt wurde und später dann kopfüber nach Hause getragen wurde, bis es blau angelaufen war und nur durch Klappse wieder zum Atmen animiert werden konnte.

Oder der westfriesische Zeitungskommentar, in der Derrick als „humorlose Klöte“ bezeichnet wird.

Nicht zu vergessen die detaillierten Geldstrafen bei den alten Friesen für allerlei körperliche Angriffe („Ziehen am Bart: ein Schilling“). Da ist besonders interessant, dass angenommen wird, dass man bei Verlusst des rechten Hodens noch als voll zeugungsfähig gilt, während einem nach Verlusst des linken Hodens die vollen neun Mark (für die neun Kinder, die man hätte zeugen können) zustehen. Da ist die „Neue Deutsche Literatur“ mit dem „geheilten Pimmel“ dem Altfriesischen ausnahmsweise mal ein wenig voraus.

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Stolt.

Jau, ik bün je neet altied so klook as ik utsehn doo. Güstern, ehr an d‘ Mörgen, harr ik’n Termin bi d‘ Kusendokter. Dat was al de Twede, verleden Week harren’s mi en Füllen maakt un bünd d’r neet heel klaar mit worden. Daarum sull ik güstern noch maal komen, daar wullen se de Füllen „utarbeiden“. Un dat sull heel gau gahn, hebben’s tegen mi seggt.

Kiek. Un denn satt ik d’r weer bi de beid lüttje Studentskes up d‘ „Gynäkologenstohl“ (de Studenten maken dat billiger as en utwussen Dokter un de Kass betaalt vandag ja nix mehr), un daar meenden se: „Heer Bosse, wo Se daar je al bünd, denn könen wi je ok noch een van de lüttjeder Steden maken, waar en Füllen hen sall. Dat geiht ok leep gau un deit bold neet sehr. Dat is blot so heel’n bietje wat boverst up de Kuus.“

„Jo“, doch ik. Waar ik daar al bün, sallen’s dat man ok maken. „Un wenn’t neet sehr deit“, so doch ik wieder, „denn bruuk ik ok kien Betäuben.“ Denn as ik verleden Week en Betäuben kregen harr, daar was ik de hele Dag van d‘ Padd off un dat wull ik neet weer, umdat ik för’n Klasuur lehren mussd.

Up Stee, ik kreeg also kien Betäuben.

Dat was neet de best Gedacht, de ik de lesde Tied harr, mutt ik seggen. Vlicht leeg dat daar an, dat ik fröh an d‘ Mörgen noch neet so denken kann, vlicht hebb ik mi sülvst ok blot för harder hollen as ik bün. Denn dann mussd ik marken: dat deit doch sehr. Un wo dat sehr dee. Harrijasses nee.

Ik harr natörelk alltied seggen kunnt: „Ollskes, nu is’t vörbi mit ‚d Uthollen, geeft mi man doch so’n Spritz. Un twars en Groten, allens wat ji van dat Tüüg daar hebben. Ik will achteran de Engelkes singen hören“ Man dat hebb ‚k neet daan, daar kummt dann doch mien Stolt för. De sülvke Stolt, wat mi neet in’n Buss instiegen lett, wenn de to full is. Un de sülvke Stolt, wat mi in d‘ Mensa de „Gemüsesticks“ eten lett, wenn de Rieg bi dat Cordon Bleu to lang is.

Un so harr ik güsten kien Betäuben un ok kien Cordon Bleu. Free na mien oll Geschichtsmester: „Een kunn dat seker as Stolt beteken. Ik dee dat dat as Dummheid beteken, man een kunn dat as Stolt beteken…“

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Aus der Rubrik „Aufgeschnappt in der Kantine“:

Studentin: „Ich möchte einen perfekten Abschluss machen, damit ich später im Leben einmal etwas Sinnvolles für die Menschheit erreichen kann.“
Student: „Und was hat die Menschheit davon, wenn du dann Telefondame bei Europcar bist?“

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Da ich ja bekanntlicherweise je nach Notwendigkeit Student, Journalist, Politiker, Putzfrau, Medienhure, Teemeister, Popstar, Revoluzer, Reaktionär, Künstler, Verreißer, Privatermittler, Wiesnöös, Mr. Wissenschaft und dergleichen sein kann (also, wie mein alter Kollege Manila-Jan sagen würde, ein „Hans-Wurst-in-allen-Gassen“ bin), trete ich heute mal wieder als Chronist und Archivar des Weltwissens in Erscheinung.

Und zwar sammeln wir hier jetzt mal Wörter oder Ausdrücke, von denen wir das Gefühl haben, dass sie aussterben, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht oder kaum mehr verwendet werden. Ich mache hier mal den Anfang und bitte um rege Beteiligung.

– Brettergymnasium
– affengeil
– futschikato

(Ob es schade ist um die Ausdrücke, steht auf einem anderen Blatt)

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In Sprachwissenschaft lernten wir, dass Briten und Deutsche eher mit Anal- oder Fäkalausdrücken fluchen und schimpfen, während Niederländer und Westfriesen eher genitale Ausdrücke bevorzugen.

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Ich hatte einen wunderlichen Traum vergangene Nacht:

Ich wurde gezwungen einen Kindergeburtstag zu beaufsichtigen, was eine ziemliche Qual war. Insbesondere als die Kinder auf die Idee kamen, einen Cheerleadergeburtstag daraus zu machen und die ganze Zeit cheerleaden wollten. Nun tauchten auch Hilko und seine Fußballmannschaft auf dem Geburtstag auf, die waren wohl auch eingeladen. Während Hilko das Cheerleaden für eine ziemlich dumme Idee hielt, war der Rest der Fußballer mit Begeisterung dabei. Und dann haben die Cheerleader gegen die finnische Nationalmannschaft Fußball gespielt, und zwar auf dem Knabenplatz des SV Stikelkamp. Dabei schien sich außer Hilko niemand dran zu stören, dass die Finnen ihr Tor mit einer Berlinerbude blockierten. Hilko beschwerte sich beim Linienrichter, dass war mein Bruder in einem Dirk-Nowitzki-Trikot. Der sagte aber, die Bude sei rechtens, denn die Berliner seien von Hertha BSC (!) gesponsort. Dann (und das war die Krönung der Beklopptheit) kam auch noch mein alter Spießgeselle Basti an und sagte zu Hilko, er solle sich nicht so haben. In seinem letzten Spiel habe er schließlich nicht nur eine, sondern zwölf Buden gemacht…

Ich bin noch ganz verstört.