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Ich habe es ja bestimmt schon wiederholt erwähnt: Ich bin ein Gewohnheitstier. Ich bewältige die kleinen Hindernisse des Alltags trotz meiner etwas konfusen Natur durch fest antrainierte Verhaltensweisen. Ich komme auch zu Unzeiten aus dem Bett, weil das Weckerklingeln bei mir ein automatisches Aus-dem-Bett-Stürmen hervorruft, bevor ich drüber nachdenken kann, wie mir geschieht. Ich verlege nicht allzu häufig Dinge wie Schlüssel, Portemonnaie, Fernbedienung oder Mobiltelefon, da ich feste Örtlichkeiten habe, an denen ich sie ablege. Und ich komme auch eher selten zu spät zur Uni/Arbeit, da trotz eventuellen geistigen Halbschlafes zu jeder Uhrzeit die notwendigen Abläufe relativ fest in mir eingebrannt sind. Das klingt zwar nach roboterhaftem Verhalten, spart aber Denkenergie, die man besser woanders investieren kann. Etc…

Hat natürlich auch Nachteile, denn gelegentlich muss man ja aus seinen Gewohnheiten ausbrechen. Umso bewundernswerter fand ich es bislang, dass die hiesigen Busfahrer da offenbar gar keine Probleme mit hatten. Seit dem Beginn meines Studiums gab es nämlich bei den Buslinien eine Umleitung, da eine Straße anderhalb Jahre lang aufgerissen war. Von heut auf morgen war es damit dann vorbei. Das war für den Gewohnheitstermo erst einmal schwierig, da er auf einmal eine andere Bushaltestelle zu seiner Stammhaltestelle machen musste. Aber die Busfahrer hatten offenbar gar kein Problem damit. Wo sie anderthalb Jahre lang links abgebogen waren, fuhren sie nun anstandslos wieder geradeaus.

Das ging ein paar Wochen vollkommen problemlos gut. Gestern bekam das bewundernswerte Bild aber einen ersten Sprung. Ein Busfahrer hatte sich schon in der falschen Spur eingeordnet und wurde gerade noch rechtzeitig von einem Fahrgast darauf aufmerksam gemacht, dass die Umleitung doch seit ein paar Monaten nicht mehr gelte. Der Busfahrer schlug sich an den Kopf und korrigierte rechtzeitig.

Heute wurde die Bewunderung allerdings in Scherben gelegt: Der betroffene Busfahrer bog eiskalt links ab und bemerkte erst dann seinen Irrtum. Klug wäre gewesen, stumpf die Umleitung zu fahren und sich souverän bei den Fahrgästen dafür zu entschuldigen. Unklug war jedoch die spontane – aus juvenilem Leichtsinn heraus geborene – Entscheidung, ein waghalsiges Wendemanöver einzuleiten. Dies führte zu einem lauten Knall, einem Stirnrunzeln des Busfahrers und zu der über Funk an wen auch immer durchgegebenen Erkenntnis, er käme nun auf einmal „weder vor noch zurück“. Auch funktionierte nur noch eine Tür (wie das durch eine leichte Kollision rechts vorne passieren kann, sollte mir mal ein Busspezialist erklären).

Das Beste an der Sache war aber, dass für das misslungene Wendemanöver der Einmündungsbereich einer nahegelegenen Straße genutzt werden sollte, die der ausladende Gelenkbus nun komplett blockierte. Das gab ein Hallo… Ich setzte meinen Weg anschließend zu Fuß fort. Besser ist das.

Was lerne ich daraus für meine geliebten Gewohnheiten? Ich muss damit rechnen, dass zu irgendeiner x-bliebigen Zeit irgendeine veraltete und bereits lange abgelegte Gewohnheit bei mir durchbricht und mich in die Scheiße reitet. Zum Beispiel, dass ich mich am Telefon irgendeines zukünftigen Arbeitgebers mit „IHK Emden, was kann ich für Sie tun?“ melde oder beim Tennis „Tor!“ rufe, wenn jemand den Ball ins Netz haut. Ich bin schon ganz gespannt…

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Als es vorhin anfing zu Gewittern, beschloss Mutter, aufs Dach zu klettern und den Wintergarten zu reinigen. Erst eine halbe Stunde später diagnostizierte sie „einen ungünstigen Zeitpunkt“ für das Vorhaben.

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Als ich heute das Haus verlies, kam ich zufällig mit dem Halter eines 17jährigen – etwas tattrigen und verwirrten – Hundes ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass der Hund, trotz (oder wegen) seines fortgeschrittenen Alters eine Angewohnheit hatte, die es entgegen den Unwegsamkeiten seiner altersbedingten Trägheit notwendig machte, täglich den gewohnten Weg mit ihm Gassi zu gehen: er mag nämlich nur hinter den Glascontainern scheißen, an die er gewöhnt ist.

So möchte ich auch mal sein, wenn ich alt bin.

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Neulich war ich so freundlich äußerst kurzfristig um 8 Uhr morgens einen Zahnarzttermin wahrzunehmen, damit die mir zugteilten Zahnmedizinstudentinnen („Melli“ und „Franzi“) keinen Leerlauf in ihrem Plan hatten. Und was sagt man mir zum Dank? „Für ’nen Ostfriesen sind sie ja ziemlich spontan…“

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Als ich vorhin nach Hause kam, lungerten auf dem Parkplatz bei der hiesigen Schule ein paar gangsta-mäßig gestylte junge Leute um einen tiefer gelegten aufgemotzen VW Golf herum und hörten mit laut aufgedrehten Bässen „Ace of Base“. Das war gruselig.

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Mal wieder Kubb-Turnier der Nordisten. Wir wurden spontan noch zugelassen und fertigten schließlich das Dozententeam der Skandinavistik mit einem Kantersieg ab. Da kannte ich nix, schließlich muss ich bei denen ja keinen Abschluss machen.

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Manmanman. Wenn sie hier schon nachts nicht lautstark saufen, randalieren, rumhuren und kotzen, dann denken sie sich was anderes aus. Vergangene Nacht lief das Spezialkommando „Kein Schlaf dem Termo“ zu höchstform auf und zündete einfach kurzerhand ein benachbartes Haus an. Nur die Discos im Keller, die sind natürlich wieder heile geblieben…

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Ich wurde gestern Zeuge zweier sportlicher Großereignisse. Zunächst wohnte ich mal wieder ein paar Spielen der Unifußballliga bei. Da war erstmal das ungleiche Duell zwischen Sport und Geschichte – ein Lehrstück drückender Überlegenheit gepaart mit katastrophaler Chancenauswertung. Ik kunn mi beölen för lagen. So häufig habe ich noch nie in einem Spiel das Aluminium klingen hören. Von den zwei verschossenen Elfmetern mal ganz abgesehen. Unterhaltsamer war da die folgende Partie zwischen Klumpfuß Psychologie gegen X-Bein Biologie.

Danach gab es Highlandgames light anlässlich des 60. Geburtstags unseres schottischen Friesischdozenten. Ganz groß. Das Turnier musste abgebrochen werden, als unser Professor es irgendwie schaffte, den zu schleudernden Gummistiefel rückwärts auf das Dach des Unterstandes zu befördern, der den Grill schützte. Hätte von mir sein können, der Wurf.

Heute war dann wieder tanzen angesagt. Meine Partnerin hat zum Glück viel Geduld mit mir. Aber der Kurs ist ein gutes Mittel um die eigene Schamgrenze zu verschieben. Irgendwann ist einem einfach nichts mehr peinlich.