So. Anstelle eines Urlaubs gab es in diesem Jahr Carolins 30. Geburtstag. Dazu hatte sie eine Hütte im Odenwald gemietet (Uke bemerkte dazu, dass es da bestimmt auch einen Enisbach und ein Ösental gibt), in der wir uns das ganze Wochenende austoben konnten. Die Anreise gestaltete sich dann aber mysteriös. Erst kam man an der Burg Frankenstein vorbei, dann musste man über Straßen, die nur in eine Richtung befahrbar waren und schließlich sah man keine Einheimischen mehr. So fängt jeder Zombiefilm an.
Dank des überraschend unproblematischen Verkehrsflusses waren Uke und ich dann aber auch sehr früh bei dem besagten Haus (“Jugendgästehaus St. Michael”). Sogar noch vor der Gastgeberin. Das war aber kein Problem, denn es gab jemanden, der noch früher da gewesen war. Und zwar eine ganze Woche zu früh. Das ganze Wochenende hindurch wurde diskutiert, wer blöder war: Eben jener, der sich trotz Email-Bombardements der Gastgeberin nicht an das rechte Datum halten mochte oder jener, der statt zum Gästehaus St. Michael im Odenwald zum Gästehaus St. Martin am Bodensee gefahren war…
Dann natürlich die Geschenke. Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Es begab sich zu Carolins 18. Geburtstag, dass Uke und ich uns was ganz Tolles als Geschenk für sie einfallen lassen wollten. Da damals gerade eine Mordshitze herrschte, kauften wir ein großartiges Planschbecken bzw. einen handlichen kleinen Pool für den Garten. Ich weiß noch genau, dass wir den fast selber behalten hätten, weil wir den so gut fanden. Aber wir dachten uns, für Carolin sei nur das beste gut genug und so ging es in der sicheren Erwartung zu der Feier, ihr damit eine Freude zu machen.
Aber nix da. Ich höre es noch heute: “Was soll ich denn mit dem Scheiß?” Nicht mal ein Standard-”Danke” oder ein Funken gespielter Freude. Gut, da hätten wir mit leben können und uns selbstkritisch sagen müssen, wir hätten einfach nicht gut genug darüber nachgedacht, was Carolin gefallen könnte. Als die Dame dann aber von jemandem einen ganz furchtbaren – etwa 50 Zentimeter hohen und ausgesprochen kitschigen – Porzellanelefanten geschenkt bekam, den die offensichtlich ganz schrecklich fand, aber mit Hingabe Gefallen heuchelte, da waren Uke und ich zutiiiiefst gekränkt.
Und da Ostfriesen Gedächtnisse wie besagte Elefanten haben, bekommt Carolin seitdem nix oder ausgesuchten Unsinn zum Geburtstag. (“Schön, dass ihr nicht nachtragend seid”, sagte jemand zu mir.) Für Carolins 30. wollten wir uns dann natürlich nicht lumpen lassen und namen uns viel Zeit, den erstbesten Sonderpostenmarkt von vorn bis hinten nach Dingen zu durchforsten, die dem Anlass angemessen erschienen. Wir entschieden uns schließlich für ein fieses kleines kitschiges Fließbandölbild von Amsterdam, für eine Mistforke (die größer war als Carolin) und – mein persönlicher Favorit – für einen Kanister mit destilliertem Wasser.
Aber man kann sagen was man will, Carolin hat in all den Jahren dazugelernt und (mehr oder weniger) erfolgreich Freude zum Besten gegeben.
Ansonsten ein sehr nettes Wochenende. Ich persönlich war vor allem überrascht, dass Carolins Heidelberger Mädels mich alle auch nach sieben Jahren noch wiedererkannten (“He, du bist doch Temmo. Wir waren doch damals zusammen im Kurpfälzischen Museum.”) Böse Worte musste ich mir allerdings anhören, weil ich den Kruiden zuhause vergessen hatte. Wahrscheinlich habe ich ihn im tiefsten Innern meiner Seele einfach niemand anderem gegönnt.
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