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Ich habe in der letzten Zeit wiederholt sehr sonderbar geträumt. Leider erinnere ich mich meist nur bruchstückhaft. Am wunderlichsten war der Traum von dem im Weltraum fliegenden Einkaufszentrum, dass von Borg und Katzenmenschen angegriffen wurde und die wir später mit Fesselballons vertrieben.

Ich sollte mich mal wieder um einen Platz in der Klapsmühle bemühen.

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Hm. Ich frage mich, ob nicht eine breite Zuschauerschicht nach dem Konsum eines aktuellen Kinofilms der festen Überzeugung ist, dass der GröFaZ nicht 1945 in einem Bunker in Berlin durch seine eigene Hand starb, sondern 1944 durch einen Anschlag in einem Pariser Kino.

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Man nötigte mich gestern zu dem Spiel „Stadt-Land-Fluss“ und ich lernte dabei viele neue Dinge. Zum Beispiel hörte ich erstmalig von dem großen mitteleuropäischen Staat „Mailand“, von dem beliebten alkoholischen Getränk „Imkerhonigschnaps“ und dem zukunftsträchtigen Beruf „Ärmelkanalschleusenwärter“. Zudem durfte ich mich in Diskussionen darüber ergehen, ob „Nonne“ und „Wanderer“ Berufe sind, ob ein „Mammut“ ein Tier ist und ob „Jack Sparrow“ unter die Kategorie „V.I.P.“ fällt.

Ich bin sehr gealtert gestern.

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Pünktlich zum bevorstehenden heißesten Tag des Jahres verrichtet die Klimanlage in meinem Wagen wieder tadellos ihren Dienst. Dafür funktioniert das Autoradio nicht mehr. Der Herr gibt es und der Herr nimmt es wieder.

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„Und als kleines Kind war ich mal beim Kinderturnen. Da durfte ich dann aber bald nicht mehr hin, weil ich nicht begriffen hatte, dass ich mich immer hinten anstellen muss…“

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Gestern zwangen mich die Umstände dazu, um die Mittagszeit herum mein Haus zu verlassen, so dass ich in die Massen der Schüler geriet, die aus den umliegenden weiterführenden Schulen quollen. Und die ostfriesischen Schülergespräche, die ich somit gezwungen war anzuhören, erreichen manchmal eine ähnliche Qualität wie die studentischen Busgespräche in Kiel. Man Favorit von gestern war:

„…ey, und dann hat die Gerda (Name von der Redaktion geändert) soooo einen riesen Burger gegessen. Voll das Riesenteil. Dabei hat die doch schon so nen fetten Arsch!“ (Kurze Denkpause) „Ich wusste nich, was ich lieber in die Finger kriegen wollte: den Burger oder den Arsch.“

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Auf einer Abschiedsparty am Wochenende konnte ich mich nicht verabschieden, weil die zu Verabschiedende zu besoffen war um die Abschiedsgrüße entgegen zu nehmen.

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Wir haben bei den Eltern jüngst den Dachboden entrümpelt und dabei allerhand sonderbare Dinge aufgetan (z.B. einen Grindelwald-Schlitten – und den aus einer Zeit lange vor Harry Potter). Und heute haben wir damit begonnen, unsere vom Dachboden geretteten alten Lego-Sachen zu waschen, damit wir sie neu und besser verstauen können. Und dabei fanden sich noch viele mehr oder weniger zusammengebaute Dinge, die unseren bereits im Kindesalter überragenden Humor dokumentierten.

Relativ harmlos ist da noch der Affe, der den eingesperrten Gouverneur mit einem Säbel piesackt. Sonderbarer war da schon das Polizei-Raumschiff, das neben dem etatmäßigen galaktischen Banditen im schwarzen Raumanzug auch eine Piratenbraut und (wieder einmal) einen Affen im Zellenblock verstaut hatte. Mein persönlicher Liebling war allerdings das wunderliche Zwitterwesen aus einem mittelalterlichen Fußsoldaten und einem Goldschatz:

Goldwesen

Muss man auch erstmal drauf kommen, auf sowas. Oder die Legosteine waren irgendwo in Fernost hergestellt worden und enthielten psychoaktive Substanzen. Das würde auch erklären, warum die selbstentworfene Skisprungschanze das Innenleben einer Rakete hatte oder warum ein Zwergelefant und ein Gespenst das Hauptquartier der Wolfsbande bewohnten.

Ich erinnere mich auch noch gut, dass wir im Prinzip in jeder Zeitebene der Legowelt die gleichen Charaktere hatten. Der Archetyp des Trottels war bei den Rittern der Wachsoldat Jonny (niederster Dienstrang), bei den Piraten war es der Ausguck Gustl (nach eigenen Angaben in einer übergeordneten Position tätig und immer dabei, wenn ein Kompott oder ein Punsch gegen den Käpt’n gemacht werden musste) und in der Gegenwart („Lego Stadt“) war es der Klempner Walter (sowas wie ein Schuhverkäufer bei „Married with Children“).

In einem der oben angedeuteten Chemiekalienphantasien kamen wir dann auf den Gedanken, alle diese Charaktere (es kam dann auch noch „Lego Raumfahrt“ hinzu) zusammen auf das große zeitreisende Piratenschiff zu versetzen. Als hier Gustl auf Jonny traf, wurde der denkwürdige und vielzitierte Aussrpuck geprägt: „Hallo Vorfahr. Ich bin dein Nachfahr.“

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So. Anstelle eines Urlaubs gab es in diesem Jahr den 30. Geburtstag meiner besten Freundin aus Jugendtagen. Dazu hatte sie eine Hütte im Odenwald gemietet (mein Bruder bemerkte sehr geistreich dazu, dass es da bestimmt auch einen Enisbach und ein Ösental gibt), in der wir uns das ganze Wochenende austoben konnten. Die Anreise gestaltete sich dann aber mysteriös. Erst kam man an der Burg Frankenstein vorbei, dann musste man über Straßen, die nur in eine Richtung befahrbar waren und schließlich sah man keine Einheimischen mehr. So fängt jeder Zombiefilm an.

Dank des überraschend unproblematischen Verkehrsflusses waren mein Bruder und ich dann aber auch sehr früh bei dem besagten Haus („Jugendgästehaus St. Michael“). Sogar noch vor der Gastgeberin. Das war aber kein Problem, denn es gab jemanden, der noch früher da gewesen war. Und zwar eine ganze Woche zu früh. Das ganze Wochenende hindurch wurde diskutiert, wer blöder war: Eben jener, der sich trotz Email-Bombardements der Gastgeberin nicht an das rechte Datum halten mochte oder jener, der statt zum Gästehaus St. Michael im Odenwald zum Gästehaus St. Martin am Bodensee gefahren war…

Dann waren da natürlich die Geschenke. Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Es begab sich zum nun schon einige Jahre zurückliegenden 18. Geburtstag der Gastgeberin, dass mein Bruder und ich uns was ganz Tolles als Geschenk für sie einfallen lassen wollten. Da damals gerade eine Mordshitze herrschte, kauften wir ein großartiges Planschbecken bzw. einen handlichen kleinen Pool für den Garten. Ich weiß noch genau, dass wir den fast selber behalten hätten, weil wir den so gut fanden. Aber wir dachten uns, für unsere Freundin sei nur das beste gut genug und so ging es in der sicheren Erwartung zu der Feier, ihr damit eine Mordsfreude zu machen.

Aber nix da. Ich höre es noch heute: „Was soll ich denn mit dem Scheiß?“ Nicht mal ein Standard-Danke oder ein Funken gespielter Freude. Gut, da hätten wir mit leben können und uns selbstkritisch sagen müssen, wir hätten einfach nicht gut genug darüber nachgedacht, was ihr hätte gefallen können. Als die Dame dann aber von jemandem einen ganz furchtbaren – etwa 50 Zentimeter hohen und ausgesprochen kitschigen und hässlichen – Porzellanelefanten geschenkt bekam, den sie ganz offensichtlich auch ganz schrecklich fand, aber trotzdem mit Hingabe Gefallen heuchelte, da waren mein Bruder und ich zutiiiiefst gekränkt.

Und da Ostfriesen Gedächtnisse wie besagte Elefanten haben, bekommt sie seitdem nix oder ausgesuchten Unsinn zum Geburtstag. („Schön, dass ihr nicht nachtragend seid“, sagte disbezüglich jemand zu mir.) Für den Dreißigsten wollten wir uns dann natürlich nicht lumpen lassen und namen uns viel Zeit, den erstbesten Sonderpostenmarkt von vorne bis hinten nach Dingen zu durchforsten, die dem Anlass angemessen erschienen. Wir entschieden uns schließlich für ein fieses kleines kitschiges Fließbandölbild von Amsterdam, für eine Mistforke (die größer war als die Gastgeberin) und – mein persönlicher Favorit – für einen Kanister mit destilliertem Wasser.

Aber man kann sagen was man will, die Dame hat in all den Jahren dazugelernt und (mehr oder weniger) erfolgreich Freude zum Besten gegeben.

Ansonsten ein sehr nettes Wochenende. Ich persönlich war vor allem überrascht, dass die Heidelberger Mädels der Gastgeberin mich alle auch nach sieben Jahren noch wiedererkannten. („He, du bist doch Temmo. Wir waren doch damals zusammen im Kurpfälzischen Museum.“) Böse Worte musste ich mir allerdings anhören, weil ich den Kruiden zuhause vergessen hatte. Wahrscheinlich habe ich ihn im tiefsten Innern meiner Seele einfach niemand anderem gegönnt.