(Untitled)

Hier war letzte Nacht wat los. Nachbarn hier im Haus, zwei junge Hüpfer, veranstalteten eines ihrer üblichen kleinen Besäufnisse. Da sitzen se immer mit ’nem Haufen anderer Kerle draußen auf ihren Balkon und kippen sich wat dahinter. Wenn se dat am Wochenende tun, ist mir das in der Regel egal. Aber diesmal war es anders.

So gegen 3 Uhr schien das gros der Gäste verschwunden zu sein, die Lautstärke nahm ab und der übliche Gesang verstummte. Das übriggebliebene Volk schien nun ernstere Töne anzuschlagen. Und immer wenn die Stimmen gehoben wurden (was die meiste Zeit der Fall war), konnte ich verstehen, worum es ging: die beiden Unnösel diskutierten im Suff ihre WG-Probleme.

Es stellte sich natürlich sehr schnell heraus, dass der alkoholisierte Zustand nicht die optimale Grundlage für so eine Diskussion war. Die Konstellation war rasch klar. Bewohner A, offenbar ein Student vom Typ „arroganter Fatzke“, suchte Gründe, um seinem Mitbewohner einen Auszug nahelegen zu können. Bewohner B, dagegen scheinbar eher vom Typ „unbeholfener Schloof“, konnte das alles nicht so recht nachvollziehen, war aber auch ein bisschen beratungsresistent.

Bewohner A wurde dabei zusehends unfreundlicher, wenn er sich auch mit leichten Artikulationsschwierigkeiten herumschlagen musste. „Und als du den ganzen Tag den Schlüssel draußen in der Tür stecken gelassen hast, da war dir das scheißegal. Da hast du einfach gesagt ‚Tut mir leid‘ und sonst nichts.“ Bewohner B war sich keiner Schuld bewusst: „Was hätte ich denn sonst sagen sollen?“

So wurde das eine oder andere mehr oder weniger nichtige Problem auf den Tisch gebracht.

„Und gleich im ersten Monat hast du deine Miete erst zu spät bezahlt!“ – „Ja okay, das war nicht in Ordnung. Aber deswegen musst du mir doch gleich mit sofortigem Rausschmiss drohen.“ – „Das Recht behalte ich mir vor, wenn du hier einziehst und nicht mal auf die Idee kommst, irgendwo was unterschreiben zu müssen! Ich stehe alleine im Mietvertrag also kann ich dich auch rausschmeißen! Du kannst schließlich jederzeit wieder bei Mama einziehen.“

Und so schaukelte sich nach und nach sich die Stimmung hoch. Bewohner B versuchte zu retten, was zu retten war. „Schau dir mal die WGs von XXX oder YYY an und wie das da aussieht. Dagegen läuft das bei uns doch echt gut. Einen perfekten Mitbewohner wirst du nie finden. WG heißt auch, dass man ein bisschen tolerant sein muss. Und man muss halt über Probleme sprechen. Gibt es zum Beispiel irgendwas an mir, das dich so sehr stört, dass du nicht mehr mit mir zusammen wohnen willst?“ Er konnte die Frage gar nicht ganz aussprechen, da platzte Bewohner A schon dazwischen: „Ja! Deine Füße!“

Was denn an diesen Füßen nun das Problem war, das konnte ich nun nicht verstehen. Jedenfalls wurde es langsam kritisch. Es gipfelte schließlich in folgendem Satz, den Bewohner A seinem Noch-Mitbewohner ins Gesicht schleuderte. „Als ich vor zwei Monaten die Wohnung von meinem Bruder übernehmen konnte, warst du sowieso nur vierte Wahl als Mitbewohner.“

Daraufhin war von Bewohner B erst einmal nichts mehr zu hören. Stattdessen schaltete sich an dieser Stelle ein verbliebener Gast ein. Er betonte, er könne nicht beurteilen, wie es in der WG laufe, aber es sei „menschenunwürdig“, was Bewohner A in den letzten Minuten Bewohner B ins Gesicht gesagt habe. „Ich bin halt betrunken“, verteidigte sich A. Das sei doch kein Grund, so der Hausgast, aber Bewohner A bestand lautstark darauf. „Ich habe ihm angeboten, nüchtern darüber zu reden, aber das wollte er nicht!“

Der Hausgast ließ sich aber nicht beirren. „Du kannst ihm doch hier aber nicht einfach sagen, dass er nur vierte Wahl ist.“ Doch daran ließ Bewohner A keinen Zweifel. „Doch, das war er. Zuerst habe ich gefragt…“ Dann zählte er drei Leute auf, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mit ihm zusammenziehen wollten.“ Der Hausgast stelle fest: „Du hattest also gar keine Wahl. Die wollten ja alle nicht.“ Doch Bewohner A war überzeugt: „Doch hatte ich. Und er war nur vierte Wahl.“

Jetzt versuchte der Hausgast zu retten was zu retten ist: „Ihr solltet hier jetzt aufhören. Wenn ihr morgen wieder nüchtern seid, dann müsst ihr euch nochmal zusammen setzen. Wenn ihr beide eure Sturheit ablegt, dann könnt ihr Eure WG vielleicht noch retten.“

Danach wurde es einige Zeit lang ruhig, die Jungs müssen rein gegangen sein. Ich dachte, ich würde nun vielleicht ein wenig Schlaf finden. Aber weit gefehlt. Die nächsten Minuten wurden offenbar genutzt, um sich nochmal ordentlich wat reinzutun. Denn irgendwann begann großes Geschrei und Gebrüll, es krachte, es klirrte und klatschte. Irgendwann wurde der tobende Bewohner B – seine Zurückhaltung nun vollkommen aufgebend – vom Hausgast offenbar aus dem Haus gezerrt. „Beruhige dich, ich bin ja auf deiner Seite. Aber es hilft nichts, wenn du hier ausrastest.“

Doch Bewohner B hatte einen Tobsuchtanfall sondergleichen. „Dieser verdammte Wixer! Ich will dem nur noch auf die Fresse hauen!“ – „Beruhige dich, der ist vollkommen fertig. Der kann nichts mehr.“ Bewohner B’s Stimme änderte sich nun von reinem Geschrei zu einem Heulen aus Wut und Enttäuschung: „Der verdammte Wixer! Wir sind hier vor zwei Monaten eingezogen, weil wir da beide Bock drauf hatten! Und jetzt sagt der mir, ich soll raus und bin eh nur vierte fünfte Wahl gewesen! Und klebt mir ’nen Zettel hin, ich hätte zwei Tage nicht abgewaschen…“

An dieser Stelle wurde mir das alles etwas zu doof. Ich setzte mir einen Kopfhörer auf und beschallte mich mit lauter Musik. Wenn schon mitten in der Nacht Krach und Hauerei, dann wenigstens von Manowar.

(Untitled)

Kleine Peinlichkeiten des Alltags. Heute:

Nur 50 Cent an Bargeld dabei haben und deswegen die 55-Cent-Briefmarke bei der Post mit EC-Karte bezahlen müssen.

(Untitled)

Und bei der Gelegenheit setzen wir unsere Reihe von denkwürdigen Zitaten von Frauen aus meinem Umfeld fort.

Gut gefallen hat mir zum Beispiel: „Ich sterbe den Menstruationstod.“

Schön war auch, als kleine Frau zu großer Frau sagte: „Sag mal, möchtest du dein Top eigentlich wieder haben, dass ich immer als Kleid anziehe?“

(Untitled)

„Also wenn ich mich mit anderen Leuten treffe, dann will ich unterhalten werden. Wie mit dir zum Beispiel, Temmo. Über dich kann ich mich den ganzen Abend aufregen.“

Das nehme ich mal als Kompliment.

(Untitled)

Meine Highlights der letzten Tage.

Zum einen: Briefwahl. Ich empfehle, Wahlbriefe nie in irgendwelche Postkästen einzuwerfen, sondern bei einer Postfiliale abzugeben. Ich weiß nicht, wer die Postkäste leert, aber sonderlich verlässlich sind die Leute wohl nicht. Ich muss davon ausgehen, dass mein Wahlbrief, den ich in eben so einen Postkasten einwarf, von irgendjemandem geöffnet worden ist. Ein Teil des Inhalts kam nämlich zu mir zurück und der Rest ist verschwunden. Da werde ich mir noch irgendeine kleine Rache an der Post überlegen müssen. Vielleicht eine als Wahlbrief getarnte Stinkbombe oder so.

Zum anderen: Moderne kommunale Verwaltung in einem fortschrittlichen Staat: Man muss sich lange anstellen, um eine Nummer zu bekommen, damit man sich nicht anstellen muss…

(Untitled)

Ich habe schon wiederholt in den vergangenen zehn Jahren über ein bestimmtes Phänomen berichtet. Und zwar über die sonderbare Tatsache, dass bei einem lockeren Beisammensein, bei welchem Frauen deutlich in der Mehrzahl sind, eben diese Frauen früher oder später so tun, als seien auch die letzten paar Männer nicht mehr anwesend. Und so werden die Männer auf einmal Frauengesprächen ausgesetzt, die sie naturgemäß überhaupt nicht verarbeiten können.

Gestern war es wieder so weit. Anlässlich meines Geburtstages sahen ich und mein Kollege Hauke uns einer ganzen Fußballmannschaft von Frauen gegenüber. Da hört und sieht man dann Dinge wie aus einer völlig anderen Welt. Weisheiten wie „Wenn man einen Bademantel besitzt, dann braucht man keine Unterhosen mehr“ oder Diskussionen darüber, ob männliche Schimpansen ihre Geschlechtsorgane bei Nichtbedarf einziehen können, sind noch harmlosere Ausschnitte aus diesem Füllhorn an Kuriositäten.

Aber das soll gar nicht negativ gemeint sein. Als Mann befindet man sich dann nämlich in einer Blase der Unwirklichkeit, die für kurze Zeit alle Bedürfnisse und Nöte der echten Welt verdrängt. Diese absolute seelische Entspannung und Entrückung macht es einem aber gelegentlich etwas schwer, wieder den Weg zurück in die Realität zu finden. Es soll schon Leute gegeben haben, die nach einer solchen Begebenheit daran verzweifelt sind, dass sie anstelle eines rosaroten Einhorns nur ein rostiges Hollandrad vorfanden.

(Untitled)

Frau lackiert sich vor versammelter Mannschaft die Fingernägel und sagt dann verträumt: „Das ist auch ein schöner Farbton. Sieht aus, als hätte man sich den Finger geklemmt.“

(Untitled)

Ich freue mich ja immer irgendwie, wenn sich blöde Klischees bestätigen. Aber dass eine Damenfußballmannschaft wegen Tupperparties auseinander bricht, das muss doch nun wirklich nicht sein.