(Untitled)

Alle paar Jahre gerate ich ja unrühmlich mit irgendeiner einer alten Frau an einer Bushaltestelle aneinander. Vielleicht ist das der letzte Rest eines langsam verschwindenden, tausende Jahre alten Fluchs, der auf meiner Familie liegt. Wer weiß. Jedenfalls lief ich dieser Tage am frühen Abend durch die Gegend und kam dabei an einer Bushaltestelle vorbei, die ich nicht einmal plante, in Anspruch zu nehmen. Ich trug einen Mund-Nase-Schutz, wie man das heutzutage ja so macht.

An besagter Bushaltestelle stand eine säuerlich dreinblickende ältere Dame, wartete offenbar auf einen Bus. Die Frau trug keinen Mund-Nase-Schutz. Sie wurde meiner gewahr. Warum auch immer sie sich gerade mich erwählte, um ihrer offensichtlich schlechten Laune Luft zu machen, ist unklar, aber vielleicht lag es an meiner Maske. Oder halt am Fluch.

Jedenfalls raunzte sie mich – mit so weit nach unten gezogenen Mundwinkeln, wie ich es seit Jahren nicht mehr gesehen habe – unvermittelt an: „Junger Mann, nun setzen Sie doch die Maske ab, damit man sich nicht so erschreckt!“ Ich antwortete (wie leider so häufig ohne Impulskontrolle): „Setzen SIE doch bitte eine Maske auf, damit man sich nicht so erschreckt!“

Es wurde nicht goutiert.