Ich habe heute unbeabsichtigt die jahrelange Erziehung eines Kindes bzw. dessen Respekt vor seiner Mutter zunichte gemacht. Das kam so.

Eine Studentin in meinem Seminar heute morgen hatte ihre kleine kränkelnde Tochter dabei, die sie nicht alleine zuhause lassen konnte. Das war auch kein Problem, die Lütte saß in stiller Beschäftigung ohne zu stören dabei. Dann allerdings ließ ich unüberlegt ihre Mutter ein Gedicht vorlesen, und zwar von Albrecht Johannsen dem Jüngeren das Werk „Kike än Kake“. In dem Stück werden ein wenig die friesischen Gewohnheiten der Namenstradition auf die Schippe genommen. Dabei werden die beiden titelgebenden Namen, nämlich „Kike“ und „Kake“, wortspielerisch und zu nicht zu knapp in dem Text eingesetzt.

Dazu muss nun allerdings erläutert werden, dass in der nordfriesischen Rechtschreibung ein einfach geschriebener für einen kurzgesprochenen Vokal steht. Die Namen werden also „Kicke“ und „Kacke“ ausgesprochen.

Während die Mutter, ernstzubleiben bemüht, den Text vortrug, horchte die Tochter nun auf. Und jedes mal, wenn der Name „Kake“ fiel, wurde Tochterns Blick entsetzter. Das Ganze gipfelte schließlich in einem vorwurfvoll hereingerufenen „Mama!“, beantwortet durch ein entschuldigendes „Tut mir leid, Schatz, das steht hier so. Ich muss das sagen.“

Tochter wirkte wenig überzeugt. Mich interessiert nun ehrlich gesagt, wie die Lütte heute immer wieder Fehlverhalten und Danebenbenehmen mit einem „Du hast heute Morgen auch die ganze Zeit ‚Kacke‘ gesagt“ entschuldigt…

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