Pünktlich zum diesjährigen Gallimarkt fand ich just ein fünfzehn Jahre altes Schriftstück wieder. Die kleine Glosse mit satirischer Intention, die auf einer Gallimarkt-Themenseite erschien, gehört zu meinen frühesten Zeitungsbeiträgen und war eine meiner ersten eigenständigen Veröffentlichungen in dem Blatt, bei dem ich damals ganz frisch tätig war:

Die Geisterbahn

Warum teuren Eintritt bei der Geisterbahn bezahlen? Dieser Gedanke verfolgte mich kontinuierlich in den letzten Tagen beim Flanieren über unseren Gallimarkt. Man brauchte sich nur mit Verstand umzugucken und schon wurde jedes Spukschloss überflüssig. Nehmen wir beispielsweise eine durchschnittliche Bierbude. Man setze sich unauffällig mit einem kleinen Bierchen in die Ecke und warte. Spätestens nach fünf Minuten trampelt eine pöbelnde Horde herein (vorzugsweise alle im gleichen Trainingsanzug mit einer Aufschrift wie „TSV Concordia Amisia Kleiklutenmoor e.V.“) und schon beginnt das Schauspiel. Diese erlesene Auswahl an trinkwütigen Individuen birgt alles, was man von einem Kuriositätenkabinett erwartet. Aber auch Einzelschicksale bieten ein angemessenes Maß an Unterhaltung. So habe ich Rambo persönlich über den Gallimarkt stapfen sehen: Lange Haare, Stirnband, ein Messer im Gürtel, breitbeiniger Gang und grimmiger Gesichtsausdruck lassen keinen anderen Schluss zu. Und als Dreingabe gibt es schließlich noch einen Abstecher in die hiesige Wachsfigurenaustellung. Besonders die Fraktion der 12- bis 15-jährigen Mädchen liebt es scheinbar, das eigene Gesicht durch ein hohes Maß an Make-up unkenntlich zu machen. Doch auch so manche Mittvierzigerin hätte wenig Probleme damit, einen Job bei Madame Tussauds zu bekommen. Irgendwann schwenkt meine Stimmung jedoch von „Unterhaltung“ auf „kaltes Grausen“ um, so dass ich mir doch noch eine Karte für die Geisterbahn kaufe. Dort weiß ich, dass der Schrecken spätestens dann ein Ende nimmt, wenn ich das Etablissement wieder verlasse.

Das gute Stück erregte damals angeblich den Unmut des Geschäftsführers, unbestätigten Gerüchten zufolge, weil er seine Frau wiederzuerkennen glaubte… War jedenfalls ein angemessener Einstand damals.

One Comment

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