Aber eigentlich war der Tag der Niedersachsen ganz nett. Hier vielleicht mal ein paar Anekdoten:

Ein Polizist, mit dem mein Chef geredet hat, war ziemlich entnervt davon, dass einfach nichts böses passiert ist. Er konnte jedoch dann am Sonntag erleichtert mitteilen: „Heute Mittag konnten wir endlich jemanden in Gewahrsam nehmen.“

Dann gab es da die Vertriebenenverbände. Die hatten sich in der Orientierungsstufe einquartiert. Ausgerechnet hinter der Jugend-Bühne. Nichts gegen Vertriebenenverbände, aber was die auf dem Tag der Niedersachsen zu suchen hatten, weiß der Geier. Insbesondere, da sie ja betonen, KEINE Niedersachsen zu sein. Naja, jedenfalls gab es da wohl einen kleinen Eklat. Einer der Vertriebenen war wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen und hatte ein wenig Blut-und-Boden-Literatur in seiner Auslage. Ein Besucher entdeckte das Pamphlet und feuerte es mit Karacho gegen die Wand. Weiß ich leider alles nur aus dritter Hand. Hätte ich gerne gesehen.

Dann habe ich noch meinen alten Radio-Ostfriesland-Mentor Balou getroffen. Der humpelte und sah aus, als hätte er gesoffen. Neben seiner Radio-Ostfriesland-Tätigkeit besitzt er ja auch noch ein kleines Platten-Label und ist der Kopf einer modern ausgerichteten Folk-Band. Jedenfalls traf ich ihn äußest mürrischen Blicks neben einer Bühne, auf der gerade ein niederdeutscher Heimatverein aus dem angrenzenden Niedersachsen schunkelnderweise, in Tracht und ziemlich dröge ein paar Lieder intonierte. Balou grunzte: „Diese verdammten Traditionalisten haben die Folk-Szene schon mal kaputt gemacht, damals ’45.“ Nun ja, vielleicht neigt er ein wenig zum dramatisieren. Ein Lied später musste er auch noch entsetzt feststellen: „Das Lied hab ich geschrieben!“

Sonnabend ist dann diese Yvonne Catterfeld aufgetreten. (Die ist in echt viel hübscher als im Fernsehen. Normalerweise ist das umgekehrt.) Jedenfalls wartete ich (zwecks Fotos machen) mit den anderen wichtigen Journalisten und Fotografen vor dem Presse-Eingang auf den noch wichtigeren Security, der zu entscheiden hatte, wer rein durfte. Die Kollegen hatten zum Teil die Aufseher schon ziemlich bequatscht, ihre Presseausweise abgegeben und ähnliches. Nur ich stand dabei, ohne großartig was zu sagen oder zu tun. Schließlich kam der wichtige Mann raus, sah kurz in die Runde und wies schließlich auf mich. „Sie dürfen jetzt rein!“ Schwupps, war ich drin. Die Kollegen hatten wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, denn sie kamen erst später. Warum, weiß ich nicht so genau. Wahrscheinlich hab ich am wenigsten genervt und sah am seriösesten aus. Zudem hatte ich mir mein Rheiderland-Zeitung-Schild angeheftet, damit auch ja niemand auf die Idee kam, dass ich privat der Veranstaltung beiwohnte. Denn die Coverband und der Radiomoderator auf der Bühne waren echt peinlich.

Apropos privat: Gerade Politiker können sich nicht vorstellen, dass Journalisten überhaupt Privatleben haben. Sobald ich irgendwo Politiker treffe, denken die, ich wäre nur da, um sie zu fotografieren. Selbst, wenn wenige Meter entfernt so ’ne Schnitte wie die Catterfeld rumrennt. Was für ein Selbstverständnis.

Dann die vielen Leute. Habe sooo viele Leute getroffen. Sei es die lütte Praktikantin damals beim SR, sei es der Rollenspiel-Kristian (nicht erkennbar, ob strunzendun, furchtbar miese Laune oder gar beides) oder sei es der fußkranke Kneters mit siegerländischem Journalisten-Anhang. Oder Mutter und Vadder. Bei lezterem stellte sich heraus, dass Vadder wohl Mutter absichtlich eine viel zu frühe Abfahrtszeit des Busses unterjubelt hatte, um noch genug Zeit zu haben, am Fußballplatz vorbeizuschauen. Der alte Schelm.

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