Das ist es wieder, pünktlich wie die Maurer: Termos Silversterorakel für alle, die es verdient haben und haben wollen. (Und Bescheid gesagt haben und einen Platz bekamen und die ich nicht vergessen habe).

Ich habe lange überlegt, was ich denn dieses Mal für Euch anstelle. Sollte es eine altbekannte und -bewährte Quelle der kosmischen Weisheit sein? Bleigießen war ja im vergangenen Jahr sehr erfolgreich. Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich selbst, das mächtigste Orakel der westlichen Welt, hatte ja kürzlich erst ein Werk produziert, das – aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet – eine Unmenge an orakeligem Material enthält.

Silvesterorakel 2017

Dazu muss man wissen: In diesem Jahr habe ich es zum ersten Mal geschafft, den NaNoWriMo erfolgreich abzuschließen, das ist diese Aktion, wo man versucht, in einem Moment (November) einen Roman im Umfang von 50.000 Wörter zu verfassen.

Da ich aber weiß Gott genug anderes zu tun hatte, entstand der Text fast ausschließlich in einem Zustand, der sich ganz gut als Feierabenddelirium beschreiben. Dabei befinden sich Körper und Geist in einem Stadium zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Leben und Tod, zwischen Pommes und Schranke. Während des Verfassens dieses Texts badete ich also quasi fortwährend in der kosmischen Energie, die ein Medium mit Zukunft und Vergangenheit verbindet.

Der Roman, den ich damals verfasste – seine literarische Qualität soll hier nicht zur Debatte stehen – lag einen Monat lang unbeachtet in einer Schreibtischschublade. Diese unbearbeite Rohfassung ist also 1A-Material für das Orakel.

Euch wird es diesmal dadurch allerdings auch nicht gerade leichtgemacht. Das diesjährige Orakel fällt in jene Kategorie, in der ich keinen zusätzlichen Deutungsvorschlag mache, wie es beim Bleigießen oder Tarot der Fall ist. Ihr kriegt den nackten Spruch, eine Textstelle aus der besagten Rohfassung des Romans, in ausgiebiger Meditation für jede einzelne und jeden einzelnen von Euch gefunden.

Eine besondere Schwierigkeit besteht für Euch darin, den speziellen Ton herauszufiltern, der sich in diesem als Roman intendierten Werk an der Oberfläche befindet, das feine Seidentuch der Fiktion, das sich sanft über die kosmische Wahrheit gelegt hat.

Viel Spaß. (Orakel gleichzeitig kostenlose Vorab-Leseprobe.)

Anja: Es war ein äußerst prächtiges Bienenvolk gewesen, mit der schönsten Bienenkönigin, die das Land je gesehen hatte. Also zog der Imker aus, um sein Bienenvolk zu suchen. Er suchte hier und dort und gelangte nach vielen Tagen endlich an die Küste.

Anke: Keine Sorge. Nichts passiert. Hier lagen Kissen. Ich bin weich gefallen. Das war sehr vorausschauend, dort Kissen hinzulegen. Sehr gut mitgedacht.

Anna: Du kannst dem Publikum nicht jedes künstlerische Experiment zumuten. Der Hut alleine war schon am Rande des Erträglichen. Das Publikum merkt es sofort, wenn der Hut dann auch noch von seinem Träger nicht als künstlerisches Accessoire mit ironischer und verfremdender Wirkung erkannt wird.

Anton: Die Elefanten mussten fortan im Garten des neureichen Kerls leben, der sie sich angeschafft hatte. Sein Herrenhaus nahm fortwährend Schaden und ein bis zweimal im Jahr musste in der Oberstadt Elefantenalarm gegeben werden, weil die beiden Tiere, Wambo und Wumpel, regelmäßig ausbüxsten.

Balduin: Deswegen sind die Jungs oben. Als Vogelscheuchen sozusagen. Oder Drachenscheuchen. Kannst auch hoch, wenn du willst, dann kannst du später erzählen, dass du Drachen gescheucht hast.

Benni: “Irgendwas ist anders an dir”, sagte er schließlich und schien intensiv zu überlegen. “Das ist es! Du siehst so normal aus. So kennt man dich ja gar nicht.” Ein reiner Witzbold war er, dieser Kapitän.

Carolin: Mit tränenden Augen und nach wie vor kaum in der Lage, ihr Lachen zu unterdrücken, näherte sich mir die Frau. Sie hatte ihre Hände beschwichtigend vor sich gestreckt, als wolle sie mich von ihrer friedlichen Absicht überzeugen.

Carter: Das Orakel ergab, dass ich nach Osten reisen sollte. Das war selbstverständlich nicht anders zu erwarten gewesen.

Dino: Ich fand vor allem exotisch bebilderten Groschenromane vor, daneben ein paar Navigationslehrwerke, zwei Gesangbücher (“Lieder für lustige Luftleute” und “Singen und Saufen – Unterhaltsames Liedgut mit simplen Texten”) und eine Rezeptsammlung namens: “Raffinierte Variationen mit Schiffszwieback – Der Hartkeks als unterschätzte Köstlichkeit”.

Dirk: Tief in dem Unrat sollen sich aber uralte Katakomben befinden, die unglaubliche Geheimnisse und unbezahlbare Schätze in sich bergen. Aber wer mag sich dafür schon durch den ganzen Dreck vergangener Zeiten graben?

DocDee: “Einen gemütlichen Abend? Bist du bescheuert?” fuhr Bokko mich an. “Vergnügen ist ja kein Spaß! Vergnügen ist ein hartes Stück Arbeit! Mit gemütlich hat das nichts zu tun!”

Dorothy: “Zieh doch deine lustige Ausgehuniform von gestern wieder an, ja? Die wirkt bestimmt gut.” Dann knallte die Tür erneut und er war fort.

Elena: Aber keine Kunstwerke, Alkoholika, Tänzerinnen und Stinkstiefel konnten meine Gedanken von der Kriegerin lösen. Was für ein wildes, faszinierendes und unglaubliches Land must es sein, das eine solche Kunst hervorbringt?

Floris: Vor dem Schiff stand Brutus und trug einen Gesichtsausdruck zur Schau, als hätte er auf eine Zitrone gebissen und sich den Saft dann in eine offene Wunde gespuckt. Was mochte geschehen sein? Ich hatte da so eine Ahnung.

Freya: Wie lange war wohl niemand dort, in den tiefsten dieser Räume, gewesen? Welche Schätze lagen dort verborgen, die einfach vergessen worden waren, nachdem irgendwo ein nachlässig gebauter Gang eingestürzt war?

Fritze: Der Erfinder war der Überzeugung, dass sein Milchvieh zu viel Energie damit verschwendete, sich Insekten von Hals – beziehungsweise vom Hinterteil – zu halten. Er hatte ausgerechnet, dass seine Tiere fast doppelt so viel Milch geben würden, wenn man ihnen die Schwanzarbeit abnehmen oder zumindest erleichtern könnte.

Gerrit: Ich musste respektvoll anerkennen, dass der Maschinist sich mit Feuereifer seiner Aufgabe widmete und erstaunlich viel von dem Schuhwerk verschlang. Aber schließlich musste er eingestehen, dass er sich bei seiner Ankündigung wohl etwas überschätzt hatte.

Gunnar: Er zog mich am Arm denselben Weg hinaus, den ich gerade hereingekommen war, brüllte aber noch einmal ohrenbetäubend zu seiner Mannschaft ins Schiff: “Und ihr putzt weiter! Pause is ausverkauft und kommt dies Jahr auch nich wieder rein!”

Hannes: Ich weiß noch, dass ich auf einmal wieder sehr klare Gedanken fasste. “Warum am Nacken?” fragte ich mich. “Das Blut sprudelt doch an anderen Stellen viel besser.”

Hauke: In solchen Momenten wird mir immer bewusst, was für ein konservativer Knochen ich doch bin. Das ganze Badehaus war leer und ich setzte mich exakt in dieselbe Badewanne, in der ich vor wenigen Stunden erst gebadet hatte.

Helge: Das Militär des Landes schlug sich, wie die Frau es ausdrückte, nur noch “mit Lumpen, Gesindel und flegelhaften unterbeschäftigten Junggesellen” herum.

Henrike: Pechschwarz, habe ich gesagt. Pechschwarz. Wie Bokko nach der Arbeit, habe ich gesagt. Auch wenn es das nicht häufig gibt, habe ich gesagt. Bokko arbeitet nämlich nicht gerne.

Hilko: In meiner Familie gibt es natürlich kein traditionelles Wehklagen. Bei uns tanzen die Mütter stattdessen einen wilden Veitstanz zur Melodie der eigens von einem mäßig talentierten Familienmitglied komponierten „Wiederkehrpolka“.

Jan G-Punkt: Auf dieser Insel besteht nämlich die Möglichkeit, es sich ausgesprochen gutgehen zu lassen – wenn man denn will und es sich leisten kann.

Johanna: Und so gelang es meinen Eltern – auch dank meiner Unaufmerksamkeit – diese lästige Pflicht auf mich abzuwälzen. Damals verfluchte ich sie dafür, aber im Nachhinein musste ich ihnen doch dankbar dafür sein.

Julia: Ich hatte nicht viel Erfahrung im Umgang mit diesem Menschenschlag, daher konnte ich nicht beurteilen, ob ihr Verhalten dem üblichen Benehmen entsprach, oder ob ich es hier tatsächlich mit einer etwas sonderbaren Truppe zu tun hatte.

Jutta: Dann sah er sich um. “Wo sind wir?” fragte er mich. Dann verschwand sein Grinsen. “Und wann sind wir?”

Karl Kanal: “Dir zuliebe werden sie sich nicht allzu schlecht benehmen”, erläuterte er, “und wenn du mir dann hilfst, ein bisschen aufzupassen, dann passiert schon nichts allzu Schlimmes.”

Kathrin: “Na, Okschalla, magst du Kühe?” Offenbar tat sie das. “Seht Ihr? Alle Kinder mögen Kühe.”

Keike: “Oh du Stadt der Götter Gnaden, keine Worte reichten, dich / mit dem Lobe zu beladen, der deinen Zaubern wahrlich glich.” Ich habe nie verstanden, wer solche Worte in die Stadthymne der imperialen Hauptstadt schreiben konnte.

Lena: Wusste der Herzog, dass er eine goldene Kriegerin im Keller stehen hatte? Ich konnte es mir kaum vorstellen.

Lotta: Das Militär des Landes schlug sich, wie Frau Immenvisser es ausdrückte, nur noch “mit Lumpen, Gesindel und flegelhaften unterbeschäftigten Junggesellen” herum.

m4rten: Es war sehr viel Arbeit mit sehr wenig Ertrag, aber es war unglaublich spannend. So viel Spaß hatte ich nicht mehr mit einem Buch gehabt, seitdem ich als Kind heimlich mein Sparbuch geleert hatte, um ein altes Maultier zu kaufen, das ich heimlich in mein Zimmer schmuggelte.

Manta: Als ob an irgendeinem Zeitpunkt im Leben irgendjemand die Realität leicht verschoben hat, was einem aber erst viele Jahre später auffällt.

Marc: Es fühlte sich falsch an. Wie konnte man sich in den Almosenkarneval trauen, aber die Insel der verlorenen Söhne dankbar annehmen? Erbärmlich, dachte ich mir.

Meikepopeike: Eigentlich wollte man sie zu Kriegszwecken einsetzen, aber das erwies sich nicht als machbar. Sie entpuppten sich nämlich als zu vorsichtig, zu wenig aggressiv, zu kuschelbedürftig und zu langsam, als dass sie irgendwie für den Krieg geeignet gewesen wären.

Mel: Nein, sie bestanden offenbar auch auf einem richtigen Verkauf. Keine Tricksereien drumherum, sondern ein ganz normaler demütigender Vertrag mit allem Drum und Dran. Inklusive zwei Jahren Garantie und dreißig Tagen Umtauschrecht.

Merle: In seine Planungen hatte er allerdings meine neue Begleiterin nicht einbezogen. Blixa war ein freundliches Geschöpf, aber auch nicht dumm.

Michaela: Die Kaiser haben im Laufe der Jahrhunderte mit ihren Armeen fast einen ganzen Kontinent ihrer Herrschaft unterworfen. Aber ein Badehaus mit fließend Wasser, das sucht man vergebens.

Miki: Mutter hätte mir zur Strafe den blanken Hintern versohlen können und ich hätte es im Nachhinein bestenfalls als etwas unangenehme Erfahrung eingeordnet und mich vielleicht ein bisschen geschämt. Aber wenn meine Kalligraphielehrerin mich zu fassen bekam, dann hatte ich die reale Angst, dass sie mir mein Ohr abreißen könnte.

Miriam: Seiner Schilderung nach hatten wir uns prächtigst amüsiert. Getrunken, gesungen, getanzt, Armdrücken gemacht. Irgendwann setzte aber auch bei ihm die Erinnerung aus.

Mutter: Das Tier hatte die herzerwärmende Angewohnheit, seiner Freude freien Lauf zu lassen, aber ich malte mir aus, welches Unheil Blixa anrichten würde, wäre sie von normaler Größe und hätte ein richtiges Horn.

Neele: Auf dem kleinen Fressalienmarkt in der Nähe hatte er eine örtliche Spezialität erstanden, eine besonders intensiv duftende Käsesorte. Diesen Käse gedachte er am frühen Morgen in meinen Kleidersack zu schmuggeln, um meiner Garderobe nachhaltig eine besondere Note zu verpassen.

Plytje: Und ich wollte natürlich berühmt werden, ein Explorator, Schatzsucher und Missionar der überlegenen kaiserlichen Kultur. Schon bei dem Gedanken daran fühlte ich mich ausgesprochen edel.

Robert: Sie hielten sich die Bäuche, konnten sich kaum auf den Beinen halten oder lagen schon auf dem Boden. Eine sehr lustige Gesellschaft, konnte man meinen. Der Frohsinn regierte. Ich war noch nicht wieder ganz klar. Feierte man gemeinsam das Binden des gefährlichen Geistes?

Samantha: §2 Da Frauen durch das Tragen von Waffen Aggressionen provozieren, geraten sie sehr rasch in Auseinandersetzungen. Weil aber der weibliche Körper so fragil gebaut ist, dass er bei der geringsten Verletzung seine Gebärfähigkeit verliert, stellt das Tragen von Waffen durch eine Frau nicht nur eine besondere Gefahr für sie selbst und ihre Mitmenschen dar, sondern gefährdet auch die Existenz des gesamten Volkes.

Sandra: Warum er mich dermaßen ansprach, wusste ich eigentlich gar nicht so genau. Vielleicht war das Teil gar nicht antik? Aber das wollte ich nicht glauben. Es passte alles so gut zusammen.

Sinje: Das Schiff ist ein uraltes legendäres Piratenschiff, das seinen Lebenswillen verloren hat und daher auf die offene See hinausfahren will, um dort in Würde unterzugehen. In der Geschichte geht es dann eigentlich darum, dass eine Piratenkapitänin das alte Schiff von diesem Plan abzubringen gedenkt.

Sonia: Das Spektakel dauerte nur wenige Augenblicke, aber noch Minuten, nachdem der Lärm der beiden nackten Männer in der Ferne verhallt war, saß ich da und versuchte, all diese Eindrücke zu verarbeiten.

Steffi: Das gefiel ihr offenbar. “Ich setze euch auf die Gästeliste.” Wir verabschiedeten uns und ich machte mich auf den Weg zum Schlammplatz.

Teelka: An Traditionen festhalten. Wenn die wüsste. Einen weiteren Seitenhieb konnte sie sich nicht verkneifen: “Aber erzählt, wie ist es, wenn Ihr im Imperium um die Hand einer Frau anhaltet? Muss man sie dann noch stärker beleidigen oder haut man ihr gleich eine runter?”

Uke: “Was hast du getan?” rief Ügor ein drittes Mal. “Du hast mich in Butter verwandelt! Du hast den Berg in Butter verwandelt!” Butter?

Verena: Normalerweise beinhaltet die Beschreibung eines Kunstwerks auch die Umstände des Erwerbs – etwa, dass es das Geschenk eines Königs oder des Kaisers ist, dass es in einem Duell erstritten, in einem Glücksspiel gewonnen, von einem legendären Vorfahren in einer Schlacht erobert oder von einem künstlerisch begabten Familienmitglied eigenhändig erschaffen wurde.

Wendy: Das Büchlein war nicht sonderlich aufregend geschrieben und auch nicht sehr detailliert. Der Verfasser war untalentiert, der Druck nachlässig und der Einband stank nach Schimmel.

Wiebke: Das war ein Missverständnis. Ich hatte nicht erkannt, dass ihr aus dem Imperium stammt. Wegen Eurer Büßertracht hielt ich Euch für einen Angehörigen der Zirkusstämme aus dem oberen Waldland, der auf seiner Pilgerfahrt in die Ernsthaftigkeit die erste urbane Herausforderung absolviert.

Dr. WoTan: Ich war allerdings in einer schwierigen Phase zu der Zeit und rebellierte ein bisschen. Ich schrieb also eine wilde Geschichte, in der ich als Herrscher von Königreich X zur Religion β konvertierte und als Messiasfigur das Volk c in eine fanatische Armee verwandelte.

4 Comments

  1. Dr. woTan

    Sehr geehrter Herr Temmo,
    von ganzem Herzen: Vielen Dank!
    Wenn Sie wüssten, warum ich gerade lächle und erfreut bin(Zur Hölle nochmal, das ist unglaublich!)!
    Vielleicht erzähle ich es Ihnen 2018. Bei einer Tasse Tee. Vielleicht auch nicht. Tässchen Tee? Auf jeden Fall sollten Sie auch konvertieren.
    Eala frya fresena (ihr Fotzen).

    MfG
    Dr. woTan

  2. Gerrit

    Und wieder einmal kann ich nur meinen herzlichen Dank aussprechen. Das ist zum Jahresabschluss immer mein Highlight! …und gleichzeitig guter Rat, Warnung und „die geheime Kiste mit dem Fragezeichen“ für’s nächste Jahr.
    Danke!

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